Gerichtsverhandlung über Wiederkauf

Hofbauer zum Streit um „Alten Kohlhof“: „Am Ende ist der Stadtrat der Sieger“

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Das Restaurant „oben“ im Alten Kohlhof.

Heidelberg - Dauerzwist um Traditionslokal! Michael Hofbauer fühlt sich missverstanden. Warum der jahrelange Streit um den „Alten Kohlhof“ seiner Meinung nach nur einen Sieger kennt:

Update vom 12. Juni 2019: Trotz des Urteils zugunsten der Familie Hofbauer ist kein Ende des Rechtsstreits in Sicht. Nun überlegt sich die Stadt Heidelberg den nächsten Schritt und wird aller Voraussicht in Berufung gehen.  

Familie Hofbauer gewinnt Rechtsstreit gegen Stadt Heidelberg 

Nach drei langen Jahren im Rechtsstreit entscheidet das Landgericht Heidelberg, dass die neuen Besitzer des „Alten Kohlhofs“ weiterhin dort wohnen dürfen und das Gourmet-Restaurant „oben“ betreiben können. Die Stadt Heidelberg darf nicht von ihrem Wiederkaufsrecht Gebrauch machen – somit ist der Rückkauf durch die Stadt endgültig vom Tisch! Damit gibt das Landgericht Heidelberg grünes Licht für die Betreiberfamilie Hofbauer.

HEIDELBERG24 im Gespräch mit Michael Hofbauer

Seit Ende 2017 streiten sich Michael Hofbauer, Besitzer der ehemaligen Ausflugsgaststätte „Alter Kohlhof“, in dem jetzt das Gourmet-Restaurants „Oben“ beheimatet ist, und die Stadt Heidelberg vor Gericht.

Ein „unglückliche Situation“, wie Hofbauer es am Donnerstag (27. September) im Gespräch mit HEIDELBERG24 ausdrückt. Als er das Anwesen Mitte 2015 kaufte, hatte er den ‚Alten Kohlhof‘ immer als Ergänzung zum Landgut Lingental im Blick, das die Hofbauers nach einem Unwetter im Frühjahr 2016 schließen mussten. 

Wie seine Vorgänger ein Ausflugslokal an der traditionsreichen Stelle am Kohlhof zu führen, war allerdings nie seine Absicht, gibt Hofbauer zu: „Das habe ich der Stadt aber von Anfang an auch ehrlich gesagt. Wirtschaftlich rentable Ausflugsgastro ist an dieser Stelle schlichtweg unmöglich!

Die Verwaltung habe immer von seinen Plänen gewusst, behauptet Hofbauer, als er uns ein Konzept zeigt, das er der Stadt vor dem Kauf des Grundstücks hat zukommen lassen. Darin beschreibt der promovierte Kunsthistoriker, wie er am ‚Alten Kohlhof‘ ein Gourmet-Restaurant betreiben will.

So sieht es im Alten Kohlhof heute aus.

Unrentable Ausflugsgastronomie

Ein Ausflugslokal ließe sich am Kohlhof ohnehin nicht mehr rentabel führen. Das zumindest sollen zwei Gutachten bestätigen, die Hofbauer auf Druck der Stadt in Auftrag gegeben hat. Das Wiesbadener Gutachterbüro Hogarat komme sogar zum Schluss, dass eine Ausflugs-Gastronomie am Kohlhof selbst im „best-case-Szenario nicht wirtschaftlich“ zu führen sei, so Hofbauer. Seine Vorgänger seien an dem Standort insolvent gegangen und deren Konzept sei neben Bustouristen und Familien auf Abendveranstaltungen ausgelegt gewesen, behauptet Hofbauer.

Die Gemeinderäte erwarteten aber trotz aller Widrigkeiten vor Ort, dass ein Ausflugslokal betrieben werde. Deshalb hat der Stadtrat wohl auch den Vergleich abgelehnt, den die Anwälte der Streitparteien vor Gericht ausgehandelt hatten. Darin verpflichteten sich die Betreiber nach Informationen von HEIDELBERG24 unter anderem dazu, die Gaststätte bis Ende 2023 zu betreiben, fast eineinhalb Jahre länger als im Grundbucheintrag gefordert. Ein mit der Materie vertrauter Anwalt zum Fall: „Unglaublich, dass die Gemeinderäte den Vergleich ausschlagen – am Ende könnte die Stadt da ordentlich draufzahlen!“    

Potenziell hoher Rückkaufpreis

Tatsächlich könnte der Wiederkauf des Alten Kohlhof deutlich mehr kosten als die von der Stadt avisierten rund 600.000 Euro. Schon bei der „Güteverhandlung“ im Dezember 2017 stellte die Vorsitzende Richterin Andrea Großmann klar, dass der Rückkaufpreis wohl um das Zwei- bis Dreifache darüber liegen könne. Laut Hofbauer habe der Gutachterausschuss den Verkehrswert des Anwesens inzwischen auf „abgerundet zwei Millionen Euro geschätzt“. Der Rückkaufpreis könnte also sogar noch darüber liegen.

Und warum hat er nicht ‚einfach‘ ein Außenbewirtung für Ausflugs-Gäste angeboten – damit hätte er doch dem Willen des Gemeinderats zumindest halbwegs entsprochen? „Es wäre für mich doch ein Leichtes gewesen, jemanden mit einem mobilen Stand draußen hinzustellen und Menschen mit Dingen zu verköstigen, die ich vorher bei Aldi gekauft habe! Aber das wollte ich nicht. Wir sind von unserem Gourmet-Konzept hier oben überzeugt, dass Gäste in Wohnzimmer-Atmosphäre ‚wie bei Freunden‘ gut essen können“, erwidert Hofbauer.  

Wie viele Gäste denn in dem gemütlich eingerichteten Gastraum bewirtet wurden, wollen wir wissen. So genau könne man das nicht sagen, antwortet Küchenchef Robert Rädel, der mit einer Mitarbeiterin das Menü für den Abend vorbereitet. „Seit dem Abschluss der Sanierung des Gastraums im September 2017 werden es zwischen 400 und 600 Gästen gewesen sein“, schätzt Rädel.

Das Restaurant „oben“ im Alten Kohlhof.

Schlechtes Bild in der Öffentlichkeit

Wir werden mittlerweile so dargestellt, als ob wir etwas Unlauteres getan hätten“, findet Hofbauer, „aber das haben wir nicht!“ Die Sanierung sei immer mit der Stadtverwaltung abgesprochen gewesen und habe sich wegen des schlechten baulichen Zustands des Gebäudes verzögert. Zudem habe er das Gefühl, dass die Stadträte sich ohnehin schnell ihre Meinung gebildet hätten und ihm gegenüber negativ eingestellt seien.  

Als Beispiel nennt Hofbauer die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Februar 2017, in der er seine Sicht der Dinge darlegen wollte: Da er nur zehn Minuten Redezeit eingeräumt bekam, habe er den Gemeinderäten vorab eine ausführliche Dokumentation mit der Chronologie der Ereignisse geschickt. „Die haben die aber gar nicht gelesen, stattdessen haben die meisten Stadträte einfach weggeschaut, als ich sprach“, erinnert sich Hofbauer. Auch die fehlende Alkohol-Konzession, die vor Gericht als Beweis angeführt wird, dass auf dem Kohlhof kein gastronomischer Betrieb stattgefunden habe, sei lange zuvor beantragt und von der Stadt ein Jahr lang verschleppt worden. 

Am Ende“, ist sich Hofbauer sicher, „wird der Gemeinderat als Sieger dastehen. So oder so. Wenn wir den Prozess verlieren und die Stadt einen hohen Rückkaufpreis zahlen muss, werden wir als Abzocker dastehen. Und andersrum würde auch was hängen bleiben. Es ist schon so weit, dass wir teilweise auf der Straße angefeindet werden.

Deshalb will Hofbauer sich auch nicht im oder vor dem ‚Alten Kohlhof‘ ablichten lassen. 

rmx 

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