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Ankunftszentrum: Wolfsgärten und Gäulschlag im Vergleich

Das Gewann Gäulschlag wird als Standort für das Ankunftszentrum diskutiert.
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Das Gewann Gäulschlag wird als Standort für das Ankunftszentrum diskutiert.

Heidelberg - Die Stadt ringt um einen Standort für das Ankunftszentrum für Flüchtlinge. Als mögliche Flächen werden die Wolfsgärten und das Gewann Gäulschlag diskutiert. Der Vergleich:

  • Die Stadt Heidelberg sucht nach einem Standort für das Ankunftszentrum für Flüchtlinge.
  • Das Ankunftszentrum ist derzeit im Patrick-Henry-Village (PHV) untergebracht. 
  • Als mögliche Standorte werden die „Wolfsgärten“ und das Gewann „Gäulschlag diskutiert. 

Es ist ein heftig diskutiertes Thema in Heidelberg: Wohin mit dem Ankunftszentrum für Flüchtlinge? Derzeit werden Flüchtlinge noch im Patrick-Henry-Village (PHV) registriert, ehe sie auf andere Standorte in Baden-Württemberg verteilt werden. Aber die Stadt wächst und will auf der Konversionsfläche einen neuen Stadtteil für 10.000 Bewohner entwickeln. Deshalb hat der Gemeinderat Ende Dezember 2019 entschieden, das Ankunftszentrum an einen anderen Standort zu verlegen. Unklar ist derzeit aber noch, wohin.

Ankunftszentrum in Heidelberg: Zwei mögliche Standorte

Nach offenbar äußerst rudimentärer Suche in ganz Baden-Württemberg konnte das Land Ende 2018 nur einen Alternativstandort präsentieren. Und auch der lag ausgerechnet auf Heidelberger Gemarkung: die Wolfsgärten in Heidelberg-Wieblingen. Ein Teil des Gemeinderats (SPD, Linke) hält die rund acht Hektar große Fläche, die im Norden und Osten von den Autobahnen 656 und 5 eingegrenzt wird, im Süden von der Bahnstrecke Heidelberg-Mannheim, für menschenunwürdig.

Nach langem Stillstand wirft die Stadtverwaltung im Dezember 2019 einen weiteren möglichen Standort in die Runde: das Gewann Gäulschlag südlich vom PHV. Auf dem über 17 Hektar großen Areal zwischen A5, B535 und K9711 ließe sich ein Ankunftszentrum realisieren. Der Gemeinderat hat die Größe eines Ankunftszentrums im Gäulschlag auf acht Hektar begrenzt. Gegen den Plan regt sich nicht nur bei den Landwirten im Neurott heftiger Widerstand, die sich in ihrer Existenz bedroht sehen, wenn die wertvolle Ackerfläche versiegelt wird. In Zeiten der Klimakrise ist die Versiegelung einer Grünfläche im Stadtgebiet für viele Gemeinderäte nicht vermittelbar.  

Ankunftszentrum: Wolfsgärten oder Gäulschlag – Größe und Nutzung

Die Stadt hat die beiden möglichen Standorte gegenübergestellt: Die Wolfsgärten sind knapp 8 Hektar groß, das Gewann Gäulschlag über 17 Hektar. Beide Flächen sind in städtischem Besitz, ein Großteil des Gäulschlag gehört allerdings der evangelischen Stiftung Pflege Schönau. 

Sowohl Wolfsgärten als auch Gäulschlag werden derzeit landwirtschaftlich genutzt. Die Wieblinger Fläche wird von einem nebenberuflichen Landwirt bearbeitet, der nicht aus Heidelberg kommt. Beide Pächter der städtischen Fläche im Gäulschlag sind Heidelberger Betriebe, die „existentiell betroffen“ wären. In beiden Fällen müsste der Pachtvertrag gelöst werden, was bei städtischen Flächen mit jährlichen Kündigungsfristen relativ schnell möglich wäre.

Ankunftszentrum: Wolfsgärten oder Gäulschlag – Planungsrecht

Planunsgrechtlich problematisch dürfte das Gewann Gäulschlag werden, das Flächennutzungsplan als Fläche für die Landwirtschaft und im Regionalplan als „schutzbedürftiger Bereich für Landwirtschaft“ ausgewiesen ist. Hier müsste zunächst Planungsrecht „zeitaufwändig“ geschaffen werden. Sollten dort Flächen versiegelt werden, müsste woanders im Stadtgebiet Grünflächen geschaffen werden. Das Areal Wolfsgärten ist bereits als Gewerbefläche ausgewiesen und stellt planungsrechtlich „kein Problem“ dar. 

Ankunftszentrum: Wolfsgärten oder Gäulschlag – Erreichbarkeit

Die Wolfsgärten liegen rund 4,5 Kilometer vom Zentrum Heidelbergs entfernt, der Gäulschlag ist gut doppelt so weit weg. Die Wieblinger Fläche sieht die Stadt für Auto- und Radverkehr als gut erreichbar an. In der Straße „In der Gabel“ müsste ein rund 800 Meter langer Gehweg für Fußgänger eingerichtet werden. 

Die nächste S-Bahn-Station (Heidelberg Wieblingen/Pfaffengrund) ist rund 800 Meter entfernt. Einen S-Bahn- oder anderen ÖPNV-Anschluss gibt es beim Gäulschlag hingegen nicht. Lediglich eine Ruftaxilinie (1011) „könnte“ zur Anbindung beitragen. Auf der B535 verkehrt zwar ein Bus (717), deren Haltestelle aber einen Kilometer entfernt liegt. Unabhängig davon würde das Land aber wie auf PHV einen Shuttle-Bus in die Stadt einrichten.

Zu Fuß müssten Ehrenamtliche, Mitarbeiter und Bewohner von den Wolfsgärten rund 2,6 Kilometer nach Pfaffengrund, etwa 2,2 Kilometer nach Wieblingen oder 1,9 Kilometer zum Einkaufszentrum Eppelheim laufen. Vom Gäulschlag aus sind es rund 4 Kilometer zum Ortszentrum Kirchheim.  

Ankunftszentrum: Wolfsgärten oder Gäulschlag – Versorgung

Beide Gebiete können in den nächsten Jahren mit Strom, Wasser, Wärme, Glasfaser und Beleuchtung versorgt werden. Abhängig von der weiteren Entwicklung von PHV, würde eine Erschließung der Wolfsgärten wohl bis zu 2,5 Millionen Euro teurer werden als der Gäulschlag.

Die nächsten Einkaufsmöglichkeiten von den Wolfsgärten aus wären derzeit Aldi/Rewe Eppelheim (1,9 Kilometer), Aldi Wieblingen (2,2 Kilometer) oder Kaufland im Pfaffengrund (2,6 Kilometer). Die nächsten Supermärkte zum Gäulschlag sin der Edeka in Eppelheim (3,1 Kilometer) und der Lidl in Kirchheim (4 Kilometer).   

Ankunftszentrum: Wolfsgärten oder Gäulschlag – Ökologie

Im Osten und im Westen der Wolfsgärten gibt es geschätzte Hecken und Feldgehölze, in denen Vögel brüten und auch Haselmäuse und Reptilien einen Lebensraum finden. Laut Stadt können die betroffenen „Randbereiche in der Planung berücksichtigt und erhalten werden.“ Im Südosten des Gäulschlags befindet sich auch eine geschätzte Hecke, in der teils streng geschützte Vögel brüten. Auch diese Hecke würde erhalten bleiben.

Beide Flächen werden werden in der Wirtschaftsfunktionenkarte als „Vorrangflur I“ bezeichnet, also als „Vorrangfläche mit Böden nachhaltig höchster Fruchtbarkeit“. Hier kann besonders gut Spargel, Obst, Tabak und Gemüse angebaut werden. In der Bewertung erreicht der Gäulschlag eine etwa höhere Punktzahl als die Wolfsgärten, da er hofnah (zu Aussiedlerhöfen Neurott und Kurpfalzhof) liegt und beregnungsfähig (produktiver) ist. Während in den Wolfsgärten derzeit konventionelle Landwirtschaft betrieben wird, bewirtschaften Landwirte den Gäulschlag teilweise in biologischem Anbau, mit teilweisem Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel. 

Ankunftszentrum: Stadt will in Sondersitzung über Standorte informieren

Am Donnerstag (6. Februar, 18 Uhr, Bürgerzentrum Hegenichstraße) will die Stadt in einer Sondersitzung des Bezirksbeirats Kirchheim über die beiden möglichen Standorte Wolfsgärten und Gäulschlag  informieren. Für das Land Baden-Württemberg wird auch ein Vertreter des Regierungspräsidiums Karlsruhe erwartet.

Im Juni 2020 soll eine endgültige Entscheidung über den Standort des Ankunftszentrums fallen.

rmx

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