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Ankunftszentrum in Heidelberg: „Als Option bleibt ...“ – OB Würzner nennt Alternative

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Von: Florian Römer

Heidelberg will im Patrick-Henry-Village (PHV) einen Stadtteil für 10.000 Bewohner und 5.000 Arbeitsplätze entwickeln. Derzeit betriebt das Land Baden-Württemberg auf PHV ein Registrierungszentrum für Flüchtlinge und Asylsuchende. © HEIDELBERG24/Uli Hillenbrand
Im PHV betreibt das Land ein Ankunftszentrum für Flüchtlinge. © HEIDELBERG24/Uli Hillenbrand

Heidelberg - Deutlich fiel das Votum beim Bürgerentscheid gegen die Verlagerung des Ankunftszentrums auf die Wolfsgärten aus. Aber wie geht es jetzt weiter? Muss das Land umdenken?

Als „klare Entscheidung der Bürgerschaft“ wertet Heidelbergs Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner (parteilos) am Montag (12. April) das Votum beim Bürgerentscheid über die „Wolfsgärten“. 70 Prozent der Wähler haben am Sonntag (11. April) gegen die Verlagerung des Ankunftszentrums auf die Ackerfläche am Autobahnkreuz Heidelberg gestimmt. Mit über 30.000 Stimmen sammelten die Verlagerungs-Gegner deutlich mehr als das erforderliche Quorum von 21.814 Stimmen. Damit sind Wolfsgärten als Standort eines neuen Ankunftszentrums endgültig vom Tisch. „Das Ergebnis ist überwältigend und ermutigend“, sagt Dorothee Hildebrandt vom Aktionsbündnis BAFF PHV. Beim Bürgerentscheid sei es im Kern um den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft gegangen, „um das Zusammenleben mit Geflüchteten, um das Abwenden der Biodiversitätskrise und um Klimagerechtigkeit, [...] um eine soziale, gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung“. Diesen Prozess haben die Heidelberger durch ihr Votum gestärkt, heißt es vom Bündnis.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (Eurostat, 2019)
Fläche108,84 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
Stimmberechtigte Bürgerentscheid109.550

Heidelberg: Wohin mit dem Ankunftszentrum?

Rathauschef Würzner wertet das Ergebnis des Bürgerentscheids als „klare politische Aussage, das Land weiterhin zu unterstützen und das Ankunftszentrum in Heidelberg zu belassen.“ Mit Blick auf einen möglichen Standort befinde man sich allerdings in einer „Patt-Situation“. Denn: Formal hat der Oberbürgermeister gar keinen politisch legitimierten Auftrag, dem Land Baden-Württemberg eine andere Fläche anzubieten. „Das Patrick-Henry-Village und den Gäulschlag hat der Gemeinderat explizit als Standorte ausgeschlossen“, so Würzner. „Als Option bleibt höchstens das Airfield, eine landwirtschaftliche Fläche ist weder vertretbar noch akzeptabel.“ Auf und rund um das Airfield will Heidelberg allerdings einen Landwirtschaftspark entwickeln.

Visualisierung eines möglichen Ankunftszentrums für Flüchtlinge in den Wolfsgärten in Heidelberg-Wieblingen.
So hätte sich die Stadt ein Ankunftszentrum auf den Wolfsgärten vorstellen können. © Schreiner Kastler/ Johannes Kaufmann Architektur

Welche Standortmöglichkeiten für ein Ankunftszentrum gibt es noch in Heidelberg? Ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums bekräftigt auf Anfrage von HEIDELBERG24: „Wir stehen weiter zu der Zusage, das Patrick-Henry-Village zu räumen, um die Entwicklung des neuen Heidelberger Stadtteils dort zu ermöglichen.“ Aber: Klar war auch, dass vor einer Räumung von PHV eine neuer Standort für das Ankunftszentrums sicher sein muss. Man habe mit den Wolfsgärten gerechnet, „einen Plan B hat das Land nicht“. In Stuttgart setzt man „auf den großen Konsens“ von Gemeinderat und der Bürgerschaft, „das Ankunftszentrum in Heidelberg behalten zu wollen“.

Heidelberg: „Ankunftszentrum im PHV, wenn wir ...“

Aber wo soll das Ankunftszentrum in Heidelberg unterkommen? „Wir hätten uns in Sachen Bürgerentscheid natürlich einen anderen Ausgang gewünscht“, gibt Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck zu. „Mit einem Ankunftszentrum auf den Wolfsgärten hätten wir PHV schnell und qualitätsvoll als eigenen Stadtteil entwickeln können.“ Jetzt muss eine andere Lösung her. Stadtoberhaupt Würzner will „zeitnah mit dem Gemeinderat diskutieren“. Bis zum Sommer will man eine Lösung gefunden haben. Neben dem Airfield bleibt in Würzners Augen nur noch das Patrick-Henry-Village als Standort im Stadtgebiet. „Es ist aber ein Irrglaube, man müsse PHV nur um ein paar Häuser ergänzen“, mahnt der Oberbürgermeister. Die Situation sei komplexer als von manchen politischen Gruppierungen dargestellt. „Das Ankunftszentrum ist eine große Einrichtung, die jährlich 35.000 Flüchtlinge durchlaufen.

Als zusammenhängenden Komplex, wie das Land ein Ankunftszentrum bislang betrachtet und umrissen hat, könne die Einrichtung in einem neuen und dynamischen Stadtteil, wie Heidelberg ihn im PHV plant, nicht umgesetzt werden, findet Baubürgermeister Odszuck. Jetzt sei von allen Seiten Kompromissbereitschaft gefragt. Das Land müsse sich beispielsweise überlegen, ob ein Wohnbereich im Ankunftszentrum vom Registrierungsbereich getrennt sein könne, konkretisiert Würzner: „Nicht mehrere Kilometer entfernt, aber vielleicht über die nächste Straße.“ Als „eingezäunter Compound, wie eine eigene Siedlung“ innerhalb von PHV wäre ein Ankunftszentrum für den OB indes „zu groß für ein neues Stadtquartier“. (rmx)

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