Er vertritt junge Muslimin vor Gericht

Heidelberg: Anwalt erhält Brief – dann wählt er den Notruf

Heidelberg: Der Anwalt, Yalcin Tekinoglu, erhält am Montag (3. August) einen Drohbrief mit einer verdächtigen Substanz. Die Polizei geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

  • Anwalt aus Heidelberg, Yalcin Tekinoglu, erhält einen Drohbrief mit einer verdächtigen pulvrigen Substanz.
  • Die Polizei geht von einem rechtsextremen Täter aus.
  • Tekinoglu vertritt eine Schülerin vor Gericht, die wegen ihres Kopftuchs diskriminiert wurde.

Der Heidelberger Anwalt, Yalcin Tekinoglu, vertritt viele Mandanten in den unterschiedlichsten Gebieten: Ob im Arbeits-, Steuer- oder Strafrecht – der 36-jährige Heidelberger hat stets viel zu tun. Eine seiner aktuellen Mandantinnen ist eine 16-jährige Jugendliche aus Hamburg, die bei einem Probearbeiten bei Edeka wegen ihres Kopftuchs Diskriminierung erfahren haben soll. Am Montag (03. August) sollen Rechtsextreme den Anwalt ins Visier genommen haben: Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur soll der Heidelberger Anwalt einen Drohbrief mit einer pulvrigen Substanz erhalten haben, dessen Absender die Polizei im rechtsextremen Milieu verorten.

Heidelberg: Anwalt vertritt junge Muslimin – und erhält rechtsextremen Drohbrief

Glücklicherweise öffnete Tekinoglu den verdächtigen Brief nicht, da er keinen Absender darauf finden konnte. Prompt verständigte er die Polizei, die mit einem „Sprengstoff-Kommando" anrückte, um der Lage Herr zu werden. Als die Beamten eintrafen, wurde sowohl die Kanzlei als auch Teile des Gebäudes evakuiert, wie der Anwalt aus Heidelberg später mitteilt.

Momentan befindet sich der Brief und die darin befindliche Substanz beim Landeskriminalamt, wo seine Gefährlichkeit untersucht wird. Ein Sprecher der Polizei Mannheim erklärt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass sie von einem rechtsextremistischen Hintergrund ausgehe – inhaltlich soll sich der Drohbrief nämlich auf die 16-jährige Mandantin aus Hamburg bezogen haben.

Schnell machten die erschreckenden Nachrichten in den sozialen Medien die Runden, wo der Anwalt mit vielen Solidaritätsbekundungen auf Deutsch, Türkisch und Englisch empfangen wurde.

Trotzdem: Rechtsextreme Gewalttaten und rechtsextremer Terror nehmen seit Jahren zu und sind unlängst auch in der Metropolregion angekommen. Erst letzte Woche empfing die Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut aus Mannheim ebenfalls einen Drohbrief aus dem rechtsextremen Milieu, indem ihr und ihrer Familie gedroht wird.

Wegen Kopftuch beim Probearbeiten diskriminiert: Das geschah im Hamburger Edeka

Die Schülerin aus Hamburg, die Tekinoglu vertritt, soll bei einem Probearbeiten bei einem Edeka in Hamburg aufgrund ihres Kopftuchs diskriminiert worden sein. Damals soll ihr ein Vorgesetzter gesagt haben, sie müsse das Kopftuch abnehmen, wenn sie denn dort arbeiten wolle. Im Nachhinein wandte sich die 16-Jährige in einem emotionalen YouTube-Video an die Öffentlichkeit und erregte damit nationale Aufmerksamkeit.

Unter Tränen schilderte die Schülerin, wie sie das Probearbeiten im Edeka erlebt hat und wie sehr sich diskriminiert fühlte. Die Supermarktkette Edeka und der Mitarbeiter entschuldigten sich daraufhin bei der Schülerin. Trotz der erschreckenden Szenen am Montag, scheint der Heidelberger Rechtsanwalt Tekinoglu nicht zurückzuschrecken. Im Gegenteil: Vor der Deutschen Presse-Agentur sagt der türkischstämmige Anwalt: „Dieser Drohbrief ist ein Beleg für mich, dass ich meine Arbeit gut mache.“ (mw)

Rubriklistenbild: © HEIDELBERG24/PR-Video, Priebe

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