Erster Prozesstag

Ex-OB Fürniß: „Ich schäme mich für mein Handeln!“

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Wolfgang Fürniß (re., CDU) mit seiner Rechtsanwältin Andrea Combé vor dem Heidelberger Landgericht.

Heidelberg - Am Mittwochmorgen begann der Prozess gegen den ehemaligen Oberbürgermeister von Wiesloch und Wirtschaftsminister von Brandenburg, Wolfgang Fürniß (70). Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug.

Unter regem Interesse begann am Mittwochmorgen vor dem Landgericht Heidelberg der Prozess gegen den ehemaligen Oberbürgermeister von Wiesloch und früheren Brandenburger Wirtschaftsminister, Wolfgang Fürniß (CDU).

Die Staatsanwaltschaft wirft Fürniß vor, gewerbsmäßigen Betrug in 20 Fällen begangen und ab dem Jahreswechsel 2008/09 seinen Lebensunterhalt auf Kosten anderer bestritten zu haben. Der entstandene Schaden soll sich knapp unter 500.000 Euro bewegen!

Geständnis zum Auftakt

Nach Verlesung der Anklage und Zusammenfassung des Tatbestands nutzte Fürniß die Gelegenheit zu einem Geständnis: „Ich möchte ein Geständnis ablegen und Verantwortung übernehmen – für den entstandenen Schaden, für das Vertrauen, das ich missbraucht habe. Ich möchte mich bei allen Geschädigten entschuldigen. Ich schäme mich für mein Verhalten.

In Untersuchungshaft sei ihm das Ausmaß seines Handelns bewusst geworden, so Fürniß weiter. Dennoch gab er zu bedenken, dass er sich im betreffenden Zeitraum „in einer finanziell und gesundheitlich schwierigen Lage“ befunden habe.

Darlehen von Freunden und Bekannten

Um seine finanzielle Schieflage auszugleichen, habe er im Zeitraum 2009 bis zu seiner Verhaftung 2014 Freunde und Bekannte aus Wiesloch und Umgebung um Darlehen gebeten. Dabei habe er den Geschädigten diverse Geschichten aufgetischt: Von mit Kupfer beladenen Schiffen in Afrika, die zum Auslaufen nach China bereit wären, und einer versprochenen Gewinnmarge von 20 Prozent war die Rede, ebenso wie von Energieprojekten oder finanziellen Hilfsmitteln für ein Hilfsprojekt, das politisch verfolgte Menschen aus ihrer Notlage rette. Anderen erzählte Fürniß, er sei schwer krank und brauche das Geld für eine lebensnotwendige Behandlung in den USA.

Tatsächlich berief sich Fürniß zu seiner Verteidigung auch auf gesundheitlichen Schwierigkeiten. Fürniß habe seit 2008 an Schlaflosigkeit und zunehmender Verwirrung gelitten. Nach einem Sturz im Juni 2010 habe eine Heidelberger Klinik trotz Schädel-Hirn-Trauma fälschlicherweise bei Fürniß Parkinson diagnostiziert, deren medikamentöse Behandlung in der Folge zu eine Wesensänderung geführt habe. 

Weitere Verhandlungstermine

Noch bis zum 15. April sind drei weitere Termine festgesetzt und 15 Zeugen geladen, um die Vorwürfe und insbesondere die Schuldfähigkeit von Fürniß zu klären. Gewerbsmäßiger Betrug kann mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden.

rmx

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