Wenn Wände sprechen könnten ...

Bordell der Laster und Sünden: Einblick in ehemaliges ,Eros Center'

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Einblick in das ehemalige ,Eros Center' in der Bahnstadt

Heidelberg-Bahnstadt - Es ist ein Haus, in das täglich Menschen ein und aus gegangen sind und gleichzeitig niemand da gewesen sein will: Das ehemalige Bordell in der Güteramstraße 11.

Wie bei vielen leerstehenden und verlassenen Orten und Gebäuden stellt man sich die Frage, was wohl die Wände erzählen würden, wenn sie nur reden könnten. In diesem Fall wollen wir sie uns aber lieber einmal verkneifen.

Blitzlicht im Rotlicht

Am Freitag (20. April) dürfen wir das verlassene ,Eros Center' betreten und uns einen Einblick machen. Direkt gegenüber der halle02 und neben der Schiller International University befindet sich das mehrstöckige, rosafarbene Gebäude.

Im Inneren zeigen uns zum Teil merkwürdige Bilder. Denn wer glaubt, dass das Haus komplett leer geräumt ist, der irrt sich. Verdreckte Flaschen, mehrere Schrauben und ein Kassenbon finden wir zum Beispiel an einem Fenster gelehnt. Auf diesem kleben wiederum ,Visa' und ,MasterCard'-Schilder – wenn Kunden also nicht ausreichend Bargeld dabei hatten, standen sie nicht vor verschlossenen Türen. 

Ab in den Keller

In einem Raum hängt sogar ein weißer Pullover über eine Deckenlampe, die Ärmel sind miteinander verknotet. An einer anderen Tür ist zudem das Schloss aus dem Holz gerissen worden. Im Gang entdecken wir einen in Großbuchstaben und in rot geschriebenen Satz: „Im Keller sind auch nette Damen.“ 

Fotos vom ehemaligen ,Eros Center'

Juni 2015

Neben Rotlichtlampen finden wir auch noch ein alten Kalender aus dem Jahr 2015 an der Wand hängen. Auf ihm ist ein biblischer Spruch auf spanisch zu sehen. Auf Deutsch bedeutet er: „Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“ 

Was allerdings nicht ewig bestehen wird, wird das Bordell selbst sein. Denn es soll imHerbst diesen Jahres abgerissen werden.

Hintergrund

Täglich hatte das frühere ,Eros Center' geöffnet, meisten zwischen 11 Uhr und 1 Uhr. Als allerdings die Bahnstadt errichtet und das Viertel in einem neuen Glanz erscheinen sollte, musste das Laster-Haus samt seinen Angestellten und Kunden weichen.

Zunächst kaufte die Stadt 2008 sowohl das Gebäude mit der Hausnummer 11 als auch das nebenstehende mit der Nummer 13. Doch nachdem das zweite Haus abgerissen wurde, folgte ein Rechtsstreit. Wegen eines Erbrechts konnte das rosa Bordell nicht dem Erdboden gleich gemacht werden. Am Ende mussten die Betreiber und Prostituierten zwar weichen, doch zurück blieb das still und vor allem stumme Freudenhaus. 

jol

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