„Filmpalast oder Fischknast?"

Gegen Haie im neuen Mega-Kino: Tierschützer protestieren!

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Demonstranten vor dem Luxor-Filmpalast Heidelberg

Heidelberg-Bahnstadt – Seit einigen Tagen protestieren Tierschützer vor dem nagelneuen Luxor Filmpalast. Der Grund: Das Riesen-Aquarium, in dem mehrere Haie schwimmen.

Zur Eröffnung am 23. November steht ein paar Menschen mit Plakaten vor dem neuen Bahnstadt-Kino, verharrt dort drei Tage lang. Auf den Schildern stehen Sätze wie „Haie im Kino? Nur auf der Leinwand!“ oder „Hai-Leid ist kein Highlight“. Außerdem schreiben die Demonstranten mit Kreide „Filmpalast oder Fischknast?“ auf den Gehweg.

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Was ist der Hintergrund dieser Aktion?

Wir haben mit Anika Rieblinger, Leiterin der Tierschutzorganisation ,PETA ZWEI‘ in Heidelberg, gesprochen. Sie erklärt den Hintergrund der Demonstration. Es leben nämlich neben kleineren Fische auch Haie im rund 450.000 Liter fassenden Aquarium des Luxor-Filmpalasts

Während die Tiere im Ozean beliebig weit schwimmen, tief tauchen, stundenlang jagen und sich aus dem Weg gehen können, sind sie im Aquarienbecken gezwungen, endlose Kreise zu ziehen. Statt Strömungen, Wellen, Sand, Felsen, Artenreichtum und Vielfalt gibt es im Aquarium nur kahle, eintönige Becken mit Glaswänden und Betonkacheln. Zudem sind die Tiere Besuchern schutzlos ausgeliefert, die gegen die Scheiben klopfen und Blitzlichtfotos machen. Viele Haie werden in Gefangenschaft krank oder aggressiv“, erklärt sie bereits am 28. November im HEIDELBERG24-Interview.

Aufruf zum Protest

Die Tierschützer wollen mit der Aktion erreichen, dass die Besucher vor Ort über die Qualen aufgeklärt werden, die laut Rieblinger hinter dem Aquarium stecken. Viele wussten noch nichts darüber, dass bald Haie in das Kino einziehen sollen und waren entsetzt, versichert sie. Außerdem meint die 21-Jährige, dass die Demonstranten fast ausschließlich Zuspruch von den Kinogästen bekommen haben.

Kreideschriftzug auf dem Gehweg: ,Artgerecht ist nur die Freiheit‘ 

Die Tierschützer rufen dazu auf, dass die Besucher ihre Meinung zum Fischbecken per Mail an die Kinobetreiber zu schreiben. „So hoffen wir, dass den Verantwortlichen bewusst wird, dass die ‚Lebenddeko‘ unerwünscht ist, um den Einzug der Haie zu verhindern und den Tieren damit im besten Fall den Stress des Transportes zu ersparen“, wünscht sich die 21-Jährige.

Und was sagt das Kino dazu?

Wir haben am Donnerstag (7. Dezember) das Gespräch mit Filmpalast-Inhaber Jochen Englert aufgesucht, um seine Meinung zur Aktion zu hören. Der 46-Jährige macht deutlich, dass die rund 100 Fische, darunter auch drei Haie, „artgerecht gehalten werden.“ Es werden keine Fische ins Aquarium vermischt, „die sich kannibalisieren“ und ein Tierarzt und ein Meeresbiologe führen regelmäßige Kontrollen durch, die alle nachweislich festgehalten werden.  

Außerdem gibt es im Aquarium Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere, Ebbe- und Flutphasen, regelmäßige Fütterungen und insgeamt 24 Pumpen, die einen Gegenstrom erzeugen und die Fische zum Bewegen animieren. 

Das Aquarium des Luxor Filmpalasts in dem unter anderem zwei Katzenhaie leben.

Englert zeigt zwar Verständnis für die Protestaktion, jedoch weist er daraufhin, dass beide Seiten betrachtet werden sollten. So sehen die Tierschützer das Fischhaus als Gefängnis, der Kino-Chef betrachtet es vielmehr als Schutz. So werden viele Fische nicht extra gezüchtet, sondern aus falscher Haltung befreit oder vor dem Tod gerettet.

Am Ende zeigt sich der 46-Jährige dann doch etwas kritisch, als er sagt, dass man doch „wieder auf den Boden der Realität kommen soll“. Denn er fragt sich, wo der Tierschutz und das Thema ,gefangene Tiere‘ anfängt und wieder aufhört. „Ist ein Hund an der Leine dann auch schon eingesperrt?

High-Definition statt „Hai-Leid“

Die Tierschützer haben einen Vorschlag, was anstatt dem Aquarium im Kino zu sehen sein könnte: Damit die Film-Fans nicht komplett auf ein Fischbecken verzichten müssten, schlägt Tierschützerin Rieblinger ein virtuelles Aquarium vor. Sie stellt sich das ähnlich wie das Aquarium in New York vor, das im Oktober eröffnet hat. „Auf diese Weise könnte der Luxor-Filmpalast weiterhin Einblicke in die Unterwasserwelt bieten und zudem mit moderner Technik beeindrucken.“

Die virtuelle Unterwasserwelt in New York 

Jochen Englert findet diese Vorstellung allerdings sehr unwahrscheinlich und geht bei dieser Vorstellung viel mehr von einer „verqueren Welt aus“. 

Kampf geht weiter

Dass Rieblinger und ihre Mitstreiter Kampfgeist besitzen und nicht aufgeben wollen, beweisen sie in weiteren wöchentlichen Demonstrationen. Auch am Freitag (8. Dezember) wollen sie wieder von 18:30 bis 20 Uhr vor dem Kino protestieren. 

Auf die Frage, was der Besitzer des Luxor-Filmpalasts dagegen machen will, sagt er bloß: „Es ist mir egal.“ Und er macht noch einmal deutlich, dass es sich bei dem Aquarium um keine Show handelt. Trotz all den Differenzen findet er einen Dialog mit den Tierschützern – allein aus Fairness-Gründen – angebrachter als weitere Demonstrationen.  

Übrigens: Im Frühjahr sollen weitere drei bis vier Haie und ein Rochen ins Aquarium einziehen.

Fotos von der Eröffnung von Luxor-Filmpalast!

Fast fertig! Rundgang durch das neue Bahnstadt-Kino

jol

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