Trauer sitzt noch tief

Ein Jahr danach: Heidelberger erinnern sich an Amokfahrt auf Bismarckplatz

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Heidelberg trauert nach Amokfahrt auf dem Bismarckplatz

Heidelberg-Bergheim - Ein Jahr ist es her, als ein Auto auf den Bismarckplatz raste und einen Menschen in den Tod riss. So erinnern sich die Heidelberger an den grauenhaften Tag:

Der Tag als die gesamte Region unter Schock steht!

Am 25. Februar 2017 gegen 16 Uhr rast Mathias K. mit einem schwarzen Mietwagen direkt in die Menschenmenge auf dem Bismarckplatz. Dabei verletzt er drei Menschen – einen Mann so schwer, dass er seinen Verletzungen erliegt. 

Mann nach Amokfahrt niedergeschossen!

Zu Fuß flüchtet der damals 36-Jährige in die Bergheimer Straße, wo er vor dem Hotel „Bergheim 41“ von der Polizei gestellt wird. Trotz mehrfacher Aufforderung lässt er sein Messer nicht fallen, weshalb ein Polizist, der rund fünf Meter vor dem Täter entfernt steht, seine Pistole zückte und schießt. In einem Krankenhaus muss Mathias K. operiert werden. 

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Ein Jahr danach

Selbst ein Jahr nach dem schlimmen Vorfall am Bismarckplatz erinnern sich viele Heidelberger noch genau an den Tag – so auch Oberbürgermeister Eckart Würzner. Im Interview mit HEIDELBERG24 denkt er zurück:

Ich war zu Hause und wurde telefonisch informiert.  Ich habe umgehend weitere Informationen eingeholt, unter anderem mit dem Polizeipräsidenten telefoniert, und mich dann auf dem Weg zum Bismarckplatz gemacht, um mir selbst ein Bild zu machen. Im ersten Moment hofft man, dass es keinen Toten gibt. Diese Hoffnung zerschlug sich dann leider innerhalb weniger Stunden. Ein Mann kam ums Leben und zwei Menschen waren verletzt. Es war in dieser Situation ungemein wichtig, dass der Täter so schnell gefasst wurde und dass ein terroristischer Hintergrund ausgeschlossen werden konnte.“ 

Wie geht der Oberbürgermeister ein Jahr später mit dem Vorfall um? 

Die juristische Aufarbeitung hat die Hintergründe des Falles geklärt, ihm aber natürlich nicht die enorme Tragik genommen: Ein Täter in einem psychischen Ausnahmezustand, ein argloses und völlig unbeteiligtes Todesopfer und viele Passanten, die im Herzen unserer Stadt Augenzeugen dieses Dramas werden mussten. Die Polizei und die Heidelberger Bürgerinnen und Bürger haben mutig, besonnen und verantwortungsvoll gehandelt. Schockiert hat mich hingegen was in den sogenannten sozialen Medien, auf Facebook und Twitter, lief. Das war unerträglich. Hier haben wir erleben müssen, wie bundesweit und international Hetzer gezielt Falschinfos streuen, klaren Aussagen der Polizei widersprechen und Menschen verunsichern wollen. Diesen Brandstiftern müssen wir weiterhin entschlossen entgegentreten.“

Kurz nach der Amokfahrt: Heidelberger legen Blumen an den Bismarckplatz

Auch David Faulhaber, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Mannheimer Polizeipräsidiums, der damals die erste offizielle Pressemitteilung gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft veröffentlichte, erinnert sich:

Die Verständigung lief analog zu anderen Anlässen an einem Wochenende: Der Polizeiführer vom Dienst verständigte mich telefonisch und teilte mir den Sachverhalt kurz mit. Da es an einem Samstag war, verbrachte ich den Tag gemeinsam mit meiner Familie in einem nahegelegenen Freizeitbad. Die Kinder waren dementsprechend wenig erfreut, dass wir frühzeitig den Heimweg antreten mussten. Die ersten Überlegungen fanden hinsichtlich weiterer Verständigungen innerhalb der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit sowie unserem darauf aufbauenden organisatorischen Aufbau statt.

Der Vorfall hat uns in der Art und Weise unserer Kommunikationsstrategie, auch unterNutzung von Sozialen Medien, bestärkt. Dass wir innerhalb kürzester Zeit mit unsäglichen Vorwürfen konfrontiert waren, bestätigt das Vorgehen zusätzlich. Es ist erschreckend, dass bei dem Anlass ein Mensch verstorben ist und dies von verschiedenen Nutzern ausschließlich zur Verbreitung von Falschmeldungen und Hetze genutzt wurde.

Sein Kollege Norbert Schätzle war an diesem Tag vor Ort: 

Uli Hillenbrand, ein passionierter Fotograf aus Heidelberg, kann sich ebenfalls noch sehr gut an den 25. Februar 2017 erinnern:

„An dem Tag waren wir mit dem Fanfarenzug in Köln beim Essen. Am späten Nachmittag kamen die ersten Nachrichten durch. Anfangs noch sehr durcheinander, aber im Laufe des Abends wussten wir alle was passiert war. Man war einfach nur geschockt, dass so etwas bei uns geschehen ist – in Heidelberg. Man verdrängte es aber auch ein wenig. Aber so richtig daran erinnert, wurden wir erst, als am folgenden Fastnachtsdienstag der Umzug an dieser Stelle schweigend vorbeigezogen ist.“

OB Würzner und Bürger trauern um Opfer

Peter Paul Marin war gerade auf dem Weg zu einem Konzert seiner Heidelberger Band „Kings Cross“, als er die schreckliche Nachricht erfuhr. Uns erzählt er, was er in diesem Moment dachte:

„Unglaublich!, was geht nur in den Köpfen solcher Täter vor? Und wie kann/soll man sich eigentlich davor schützen? Der beste Weg, denke ich, ist noch immer, sein Leben zu genießen und sich durch diese Vorfälle nicht einschüchtern zu lassen. Man ist täglich Gefahren ausgesetzt, auf die man wenig bis keinen Einfluss nehmen kann. Natürlich sensibilisieren solche Vorfälle jeden, die Augen offen zu halten und man kann sich in bestimmten Situationen nicht gegen eher negative Gedanken wehren, die sich meist zum Glück als unbegründet herausstellen. Zum Glück gibt es ja immer auch Positives und Gutes zu berichten....“ 

Woran erinnerst Du dich? 

Keine Einreichungen mehr möglich.

jol

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