Polizei muss einschreiten 

Demonstration vor Stadtbücherei gegen Veranstaltung der AfD-Jugend

+
Die Gegendemonstration vor der Stadtbücherei läuft friedlich ab. 

Heidelberg-Bergheim - Am Freitagabend versammeln sich zahlreiche Demonstranten vor der Stadtbücherei. Sie halten Plakate hoch und rufen „Es gibt kein Recht auf Propaganda!“. Was es damit auf sich hat:  

Die Veranstaltung „Kein Bock auf #Gender, #Einheitsschule, …“ der Jungen Alternative Kurpfalz in der Stadtbücherei ruft am Freitagabend (24. März) zahlreiche Gegendemonstranten und gleichzeitig auch ein starkes Polizeiaufgebot auf den Plan. An der Kundgebung der Antifaschistischen Initiative Heidelberg nehmen etwa 70 Personen teil, aus dem bürgerlichen Lager stehen über 100 Personen im Eingangsbereich und vor der Stadtbibliothek. 

FOTOS

Die Gegenkundgebung erklärt Stadträtin Katrin Rabus (Gemeinderatsfraktion Bündnis 90/Die Grünen) in einem Stadtblatt-Artikel so:

„Wenn die AfD-Jugendorganisation sich am 23. März, ausgerechnet während der ‚Internationalen Wochen gegen Rassismus‘ in der Stadtbücherei trifft, geraten wir an unsere Grenzen: wir wollen nicht, dass Rechtsextreme ihre Hetze an einem Ort verbreiten dürfen, der für Bildung und Weltoffenheit steht – in einem Raum, der nach der Schriftstellerin Hilde Domin benannt ist, die als Jüdin aus Deutschland fliehen musste.“

#HeidelbergLiebtHilde

Deswegen sieht man neben Bannern mit der Aufschrift „Rassismus ist keine Alternative“ auch Plakate mit Zitaten aus den Werken der Lyrikerin Hilde Domin, die nach ihrem Exil in der Dominikanischen Republik in Heidelberg wohnte. Neben zwei Schulen und einem Park ist auch ein Saal in der Stadtbücherei Heidelberg nach der Schriftstellerin benannt – genau der in dem die AfD-Jugend ihre Veranstaltung abhält. 

Schon im Vorfeld machten die Initiatoren mit dem Hashtag #HeidelbergLiebtHilde auf die Aktion vor der Stadtbücherei aufmerksam. 

Die Jungen Alternative Kurpfalz versteht die ganze Aufregung um ihre Veranstaltung nicht und spricht auf ihrer Homepage von „linkem Terror aus dem Gemeinderat“„Wir stellen also fest, der linksextreme Terror auf der Straße wird im Gemeinderat nicht nur wohlwollend aufgenommen, sondern gezielt befeuert, um dort als dankbare Handlungsaufforderung zu dienen, Gesetze gegen die Opposition zu begründen.“

Stellungnahme der Stadtbücherei 

So viele Heidelberger reagierten im Vorfeld mit Unverständnis, dass die Stadtbücherei einen ihrer Säle an die AfD-Jugend vermietet, dass die Direktorin der Stadtbücherei eine Stellungnahme dazu veröffentlichte. 

Ein Auszug daraus: 

„Die Verpflichtung der Stadtbücherei durch den Gemeinderat, an alle auf demokratischem Wege gewählten Parteien Räume zu vermieten, wird häufig mit unserer Zustimmung zu den Inhalten der Veranstaltungen verwechselt. Wir distanzieren uns ausdrücklich von politisch radikalen Inhalten und treten für eine offene und tolerante Gesellschaft ein.

Polizei muss einschreiten 

Während den Kundgebungen wird gesungen, Gedichte der Lyrikerin vorgelesen, aber auch ordentlich gepfiffen. Je näher der Start der Veranstaltung rückt, desto mehr Demonstranten schieben sich ins Foyer. 

Als 7 Personen versuchen das Foyer des Hilde-Domin-Saals zu betreten, in dem die Veranstaltung der Jung-AfD-ler stattfindet und sich auch durch mehrmalige Aufforderung des Ordnungsdienstes nicht davon abhalten lassen wollen, nimmt die Polizei zwei von ihnen in Gewahrsam.

Beim Transport in den Polizeibus tritt einer der Beiden auch noch gegen die Polizeibeamten!

Gegen die beiden Krawallmacher im Alter von 18 und 22 Jahren werden Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruch und gegen einen der Beiden wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet. Gegen 20:20 Uhr sind beide wieder auf freiem Fuß. 

Schöner wäre es natürlich gewesen, wären die Kundgebungen völlig friedlich verlaufen. 

kp

Mehr zum Thema

Kommentare