Zoff vorprogrammiert?

Heidelberg: Entscheidung über Marriott-Erweiterung vertagt

In Heidelberg wird darum gestritten, ob das Marriott in der Vangerowstraße erweitert wird oder nicht.
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Wird das Marriott erweitert oder nicht?

Heidelberg-Bergheim - Seit fast zehn Jahren ist eine Erweiterung des Marriott-Hotels am Neckar geplant. Dafür soll ein Teil des Penta-Parks bebaut werden. Der aktuelle Stand:

Update vom 19. März: Der Gemeinderat Heidelberg hat die Entscheidung über die Erweiterung des Marriott-Hotels in der Vangerowstraße vertagt. Der kurzfristig anberaumte Tagesordnungspunkt wurde nach kurzer Aussprache im Stadtparlament in die Ausschüsse verwiesen. Oberbürgermeister Eckart Würzner hatte sich zu Wochenbeginn gegen einen Erweiterungsbau auf einem Teil des Penta-Parks ausgesprochen. Kritik kam unter anderem von Grünen-Fraktionschef Derek Cofie-Nunoo: „Wir haben den Oberbürgermeister gebeten, bei künftigen Kurswechseln in wichtigen kommunalpolitischen Angelegenheiten die Stadträte direkt zu informieren, bevor er mit diesen Informationen an die Presse tritt. Es erleichtert einfach die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Gemeinderat ungemein, wenn wir direkt eingebunden werden und wichtige, uns betreffende Sachverhalte nicht der Zeitung entnehmen müssen.

Heidelberg: OB Würzner dagegen ‒ platzt jetzt die Marriott-Erweiterung?

Grundtext vom 18. März: Kann das Marriott-Hotel in Heidelberg-Bergheim erweitert werden ‒ oder schmettert die Stadt den Plan von Projektentwickler Roland Ernst doch noch ab? Seit 2012 wird mittlerweile an dem Vorhaben geplant, zu einer Umsetzung kam es bislang aber noch nicht. Im Kern geht es um einen Erweiterungsbau des Marriott-Hotels, das aktuell rund 250 Zimmer und 500 Betten hat. Auf einem Drittel des rund 5.200 Quadratmeter großen Penta-Parks will Ernst ein 50 mal 22 Meter breites Gebäude erschaffen.

Der Bau soll von der Vangerowstraße bis zu einer Promenade am Neckarufer reichen. Das Dach des 23 Meter hohen „Residence Inn“ soll begrünt werden. In den 160 Ein-Zimmer-Appartements werden nach Vorstellung von Immobilienunternehmer Ernst vor allem Gäste unterkommen, die sich über einen längeren Zeitraum in Heidelberg aufhalten (Medizintouristen, Gastdozenten). Ernst sei bereit, der Stadt 2,9 Millionen Euro für das Teilstück des Penta-Parks zu bezahlen, berichtet die „Rhein-Neckar-Zeitung“. Ob das Projekt jemals realisiert wird, ist aktuell ungewiss:

Heidelberg: Kann Marriott wegen Neckarufer nicht erweitert werden?

Ursprünglich stimmte der Gemeinderat dem Vorhaben im Dezember 2015 zu. Vor allem die Teil-Bebauung des Penta-Parks löste zuvor heftigen Widerstand aus. Naturschützer und Anwohner von Bergheim wollten die Grünfläche nicht aufgeben. Als „Ersatz“ für die Teilbebauung forderte der Gemeinderat eine Terrasse mit Uferpromenade und öffentlichem Café. Sieben Meter sollte die Terrasse auf Stahlstützen in den Uferbereich hinausragen. Die Stadträte stimmten mit knapper Mehrheit für die Umsetzung des Projekts.

Dagegen liefen Umweltschützer Sturm und bekamen 2016 vom Regierungspräsidium Recht. Das Vorhaben verstoße gegen §38 des baden-württembergischen Wasserhaushaltsgesetzes: „Gewässerrandstreifen dienen der Erhaltung und Verbesserung der ökologischen Funktionen oberirdischer Gewässer, der Wasserspeicherung, der Sicherung des Wasserabflusses sowie der Verminderung von Stoffeinträgen aus diffusen Quellen“, heißt es da. Eine Stahlkonstruktion ist demnach nur mit fünf Meter Abstand zum Gewässerrandstreifen zulässig.

Für die Erweiterung des Marriott-Hotels sollen Teile des Penta-Parks bebaut werden.

Als Ersatz für die Terrasse hatte sich Ernst daraufhin bereit erklärt, einen Teil der geplanten Neckarpromenade zwischen Wieblingen und der Altstadt zu finanzieren. Zusätzlich wolle er Spielgeräte und Sitzmöglichkeiten im Penta-Park schaffen und möglichst viele Bäume erhalten. Ende Februar 2021 votierte der Heidelberger Bauausschuss mit großer Mehrheit für die Umsetzung. Sollte der Gemeinderat der Erweiterung zustimmen, könnte man in sechs Monaten mit dem Bau beginnen, sagte Projektentwickler Ernst ‒ der Anbau könnte dann in 18 Monaten stehen.

Heidelberg: Würzner lehnt Projekt wegen Corona-Krise ab

Anfang der Woche überraschte Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner bei seiner montäglichen Pressesitzung, als er sich plötzlich gegen eine Marriott-Erweiterung aussprach. Als Begründung nannte das Stadtoberhaupt den wegen der Corona-Krise ohnehin schon „überhitzten“ Hotelmarkt in Heidelberg. Eine Erweiterung bedrohe die Existenz anderer Hotels in der Neckarstadt. Projekte, die noch nicht gestartet wurden, sollten deshalb nicht weiter verfolgt werden, plädierte Würzner. Deshalb wolle er dem Gemeinderat am Donnerstag (18. März, 16 Uhr) auch empfehlen, die Verträge nicht zu unterschreiben.

Ernst kündigte daraufhin gegenüber der RNZ „Zoff“ und eine Schadenersatzklage an, falls die Stadt Heidelberg den Bebauungsplanentwurf für das Marriott jetzt doch noch ablehnt. Das Aktionsbündnis Bergheim-West forderte OB Würzner indes dazu auf, bei seiner Entscheidung zu bleiben und den Satzungsbeschluss aufzuheben: „Die Terrassenkonstruktion war ein wesentlicher Bestandteil des Vorhabenbezogenen Bebauungsplans“, sagte Wolfgang Gallfuß vom Aktionsbündnis. Seitdem die Terrasse nicht mehr umsetzbar ist, sei der Bebauungsplans „hinfällig“.

Irritationen löste Würzners Vorgehen bei der Grünen-Fraktion im Gemeinderat aus: Statt dem Gremium zu empfehlen, gegen die Beschlussfassung der Verwaltung zu stimmen, damit die Erweiterungs-Verträge für den Marriott-Anbau nicht unterschrieben werden, solle der Rathaus-Chef „die Vorlage umschreiben, sodass wir (...) im Sinne unseres Oberbürgermeisters zustimmen können“, meint der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christoph Rothfuß. (rmx)

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