23-Jähriger vor Gericht

Berufungsverfahren mit überraschender Wende

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Heidelberg – Am Mittwochmorgen läuft das Berufungsverfahren gegen einen 23-jährigen Mann aus Heidelberg wegen Körperverletzung. Der Fall scheint klar - und nimmt schließlich eine überraschende Kehrtwende.

Nico O. (23) steht am Mittwochmorgen vor dem Heidelberger Landgericht. Bereits im November wurde der heute 23-Jährige zu 90 Tagessätzen á 10 Euro, also insgesamt 900 Euro wegen Körperverletzung verurteilt. 

Die Staatsanwaltschaft legte gegen dieses Urteil Berufung ein. „Es ist ein übles Tatbild. Das erste Urteil ist unvertretbar milde“, sagt die Vorsitzende Richterin bereits zu Beginn der Verhandlung. 

Am Mittwoch soll vor allem die Frage geklärt werden, ob es sich bei der Tat um eine „normale“ oder „schwere“ Körperverletzung handelt. 

Der Tathergang

In den frühen Morgenstunden des 23. Februar 2014 treffen der Angeklagte und sein Freund in der Nähe eines Dönerladens am Bismarckplatz auf Niklas H. (22). Dieser bittet den 23-Jährigen um Feuer, bekommt daraufhin eine flapsige Antwort. 

Es kommt zu einer verbalen Auseinandersetzung, dann zu Schlägen. Schließlich fällt Niklas H. zu Boden. Zeugen wollen beobachtet haben, wie der Täter auf seinem Opfer kniet, mehrfach auf den am Boden Liegenden einschlägt. 

Warum will keiner etwas sagen?

Am Tag des Berufungsverfahrens kann sich merkwürdigerweise keiner mehr an den genauen Tathergang erinnern. Besonders der Freund des Angeklagten, Jonas R., zeigt sich wenig kooperativ, reagiert geradewegs aufbrausend auf Fragen. 

Mehrere Zeugen geben an, dass Jonas R. neben seinem Freund stand, während dieser auf Niklas H. eingeschlagen hatte. Befürchtet er etwa eine Anklage wegen unterlassener Hilfeleistung? Oder was bringt Jonas R. davon ab, genaue Angaben zum Tathergang zu machen?

Merkwürdig ist auch, dass eine in diesem Zusammenhang stehende zweite Anklage gegen Nico O. bereits im Vorfeld fallen gelassen wurde. 

Schwere Kindheit angeblich Grund für Aggressivität

Bei dem Angeklagten handelt es sich um kein unbeschriebenes Blatt. Nico O. ist bereits dreifach vorbestraft, davon zwei Mal wegen schwerer Körperverletzung. Ein härteres Urteil würde den 23-Jährigen sehr belasten. Denn, was viele nicht wissen, das „milde“ Urteil von 90 Tagessätzen erscheint nicht in seinem Führungszeugnis. 

Setzt er deshalb auf seine schwere Kindheit? Bereits zu Beginn der Verhandlung bricht der Angeklagte in Tränen aus. Seine schwere Kindheit, die schlechte Beziehung zu seinen Eltern und das angespannte familiäre Verhältnis seien der Grund für sein Verhalten. „Ich weiß, wenn ich zu viel trinke, dann kann ich auch aggressiv werden“, gibt der Angeklagte zu. Er sei allerdings sporadisch in therapeutischer Behandlung. 

Doch rechtfertigt das seine Tat? 

Denn in Bezug auf die Verletzungen von Niklas H. spricht eine ärztliche Gutachterin von „erheblicher und mehrfacher Gewalteinwirkung gegen den Kopf“. Dabei handelt es sich durchaus um lebensbedrohliche Verletzungen. 

Wende

Während einer Verhandlungspause einigen sich Täter, Opfer sowie dessen Rechtsanwälte auf einen zivilrechtlichen, außergerichtlichen Vergleich. Nico O. muss in den kommenden zwei Jahren 1.350 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Dieser Clou rettet ihn wohl vor einem härteren Urteil. 

Denn am Ende der Verhandlung lautet das Urteil: Berufungsantrag verworfen! Es bleibt bei „normaler“ Körperverletztung. 

Die Begründung der Richterin: „Zu Beginn der Verhandlung sah es für Sie ganz und gar nicht gut aus, Herr O. Der Vergleich hat Sie gerettet. So bleibt es bei 90 Tagessätzen zu je 10 Euro.“

lin

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