Sondersitzung der Bezirksbeiräte

Verkehrsprogramm: Kein Bus durchs Handschuhsheimer Feld! Und wohin mit dem P&R-Platz?

+
Busse werden wohl auch in Zukunft nicht durch das Handschuhsheimer Feld fahren.

Heidelberg - Über zwei Stunden diskutieren Bezirksbeiräte aus Bergheim, Neuenheim und Handschuhsheim über das Verkehrs-Programm fürs ‚Feld‘. Eine umstrittene Maßnahme ist wohl aus dem Rennen:

Verkehrssituation im ‚Feld‘ verbessern - ja. Aber nicht mit einem P&R-Platz samt Buslinie durchs Handschuhsheimer Feld. 

Das ist das Ergebnis der Sondersitzung der Bezirksbeiräte aus Bergheim, Neuenheim und Handschuhsheim am Dienstag (5. Februar). Über zwei Stunden diskutiert das Gremium über das von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Sofortprogramm, mit dem die Verkehrssituation im Neuenheimer Feld verbessert werden soll. 

Mit überwältigender Mehrheit und unter Applaus der Zuschauer verabschieden die Beiräte (Neuenheim und Handschuhsheim einstimmig, Bergheim mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung) schließlich einen Antragaus der Mitte der drei Bezirksbeiräte“, den Heike Sauer (Handschuhsheim, für Grüne) vorstellt.

Der 27 Maßnahmen umfassende Antrag besteht größtenteils aus dem ohnehin schon vorgeschlagenen Paket der Stadtverwaltung (Verlängerung Buslinie 37 zum Hauptbahnhof, Verlängerung Linie 29 über Bismarckplatz und Mönchhofstraße, Optimierung Ampel Kopfklinik, Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung, Schaffung weiterer Fahrradstellplätze, usw.). Allerdings fehlt der bereits im SEVA umstrittene P&R-Platz an den Farrwiesenäckern.

CDU: „Thema Shuttle“ soll nicht weiter verfolgt werden, P&R aber schon

Am Mittwoch (6. Februar) räumt Alexander Föhr (CDU) gegenüber HEIDELBERG24 ein, seine Fraktion habe verstanden, dass es für ein Bus-Shuttle durchs Handschuhsheimer Feld „politisch keine Mehrheit gibt und das Thema auf große Widerstände insbesondere in Handschuhsheim stößt. Deshalb wolle man das „Thema Shuttle auch nicht weiter verfolgen.“ Dennoch habe die CDU mit ihrem Antrag eine Diskussion ins Rollen gebracht, die gewissermaßen in dem 27-Punkte-Papier der Bezirksbeiräte mündeten, sagt Föhr.

Den P&R-Platz wolle man allerdings weiterhin, nur an anderer Stelle. Die CDU arbeite an einem neuen Vorschlag, den man im nächsten SEVA (27. Februar, 17 Uhr) vorstellen will: „P&R bleibt weiterhin unser Ziel“, so Föhr. „Wir wollen, dass die Menschen nach Möglichkeit schon außerhalb der Stadt auf den ÖPNV umsteigen, auch um die Dossenheimer Landstraße zu entlasten.“ 

Konkretes könne man derzeit noch nicht sagen. Nur so viel: Seine Fraktion prüfe mögliche Flächen. „Eventuell müssen wir zwischen Dossenheim und Handschuhsheim noch eine Straßenbahnhaltestelle bauen“, sagt Föhr.

Beiräte wollen P&R-Platz nicht im Handschuhsheimer Feld

Frieder Rubik (Neuenheim, GAL) bemängelt am Vorschlag der Verwaltung, dass die Rückbaukosten für den „provisorischen“ P&R-Platz fehlten. Auch sei es „fraglich, ob der P&R-Platz tatsächlich hundertprozentig ausgelastet wird“, sagt Rubik.

Bei einer Buslinie durch das Handschuhsheimer Feld würde es zudem zu Konfliktsituationen mit Fußgängern, Radfahrern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen kommen. Da würden auch die beiden Ausweichflächen am Allmendpfad und in der verlängerten Tiergartenstraße wenig ändern, so Rubik. Auch der angedachte Radschnellweg nach Ladenburg würde den gleichen Streckenverlauf bis Klärwerk nehmen.

Der Busverkehr durchs Feld „ist ökonomisch unterbudgetiert, zerstört wertvolle landwirtschaftliche Flächen, sorgt für verkehrliche Konflikte und bringt den Nordzubringer auf den Weg“, fasst Rubik zusammen. 

Gegenüber der RNZ hatten Annette Grüters-Kieslich, Ärztliche Leiterin der Uniklinik, und deren Kaufmännische Direktorin, Irmtraut Gürkan, Anfang Januar zugegeben, dass mit dem Maßnahmenpaket ohnehin „nicht viel gewonnen sei. Man wünsche sich eine „echte Entlastung nach Norden, die Dossenheim unbehelligt lässt.

Wir müssen uns von unseren derzeitigen Fahrgewohnheiten verabschieden“, ergänzt Robert Bechtel (Handschuhsheim, SPD) mit Blick auf „unsere Kinder und Enkelkinder, die Aktionen gegen den Klimawandel fordern“. Der P&R-Platz sei „weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll“, findet Roswitha Claus (Neuenheim, BL). Man müsse auch an die Zukunft denken: „Wir wollen das Klima schützen, nicht zerstören.“ Das Maßnahmenpaket habe „viele Stellschrauben, an denen gedreht werden kann“, sagt Claus.

Sören Michelsburg (Handschuhsheim, SPD) glaubt, dass man vier Millionen Euro sinnvoller investieren könne als mit einem provisorischen P&R-Platz: etwa mit der „Schaffung weiterer überdachter Fahrradparkplätze. Der P&R-Platz mache für viele Einpendler die Fahrt bis nach Handschuhsheim erst attraktiv, fürchtet Michelsburg.

Fotos: Stadt plant P&R-Platz und Bus-Shuttle durch das Handschuhsheimer Feld 

Masterplanverfahren soll nicht unterlaufen werden

Das Handschuhsheimer Feld ist nicht Bestandteil des Masterplanverfahrens“, mahnt Birgit Müller-Reiss (Handschuhsheim, BL). Bis auf den Hühnerstein sei das Areal explizit aus dem Verfahren ausgenommen worden. 

Auch wenn das Projekt den Masterplan für das Neuenheimer Feld nicht direkt betreffe, solle man die Ergebnisoffenheit des Masterplanverfahrens nicht gefährden. „Ein P&R-Platz und der daraus resultierende Nordzubringer“ sowie die Forderung der Projektträger nach einer nördlichen Erschließung beeinflusse die Planungsbüros in ihrer Arbeit, findet Müller-Reiss: „Auch Maßnahmen, die den Masterplan unterlaufen, sind Teil des Masterplanverfahrens.“  

Oberbürgermeister Eckart Würzner bestätigt, dass der Masterplanprozess wichtig sei. Ebenso wichtig sei es für die Stadt aber auch, die jetzige Situation im Neuenheimer Feld zu verbessern. Fast täglich habe er Schreiben von Angestellten im Neuenheimer Feld auf dem Tisch, so das Stadtoberhaupt - die Situation sei nicht mehr tragbar.   

Alles was bislang vorgeschlagen wurde, reicht bei weitem noch nicht“, konstatiert Würzner. „Wir brauchen dringend eine Straßenbahn durchs Neuenheimer Feld.“ Alle seien „frustriert, dass die Straßenbahn damals nicht funktioniert hat.“ Wichtig sei eine Beschleunigung des ÖPNV, aber eine eigene Spur am Individualverkehr vorbei habe man eben noch nicht. Auch das Thema Jobticket stehe auf der Agenda ganz oben.

Man werde die von den Beiräten vorgeschlagenen Maßnahmen „als Empfehlung mitnehmen“, verspricht der OB. Allerdings sei unsicher“, ob man alle Maßnahmen finanzieren könne.

---

Auch interessant: 

Am Donnerstag 7. Februar gibt der Rhein-Neckar-Kreis eine Warnung heraus: Das Trinkwasser in Heidelberg und Dossenheim ist verunreinigt und darf nicht getrunken werden! 

Die Projektträger wollen im April den Betrachtungsraum des Masterplanverfahrens für das Neuenheimer Felds erweitern. Die Bezirksbeiräte von Neuenheim, Handschuhsheim, Bergheim und Wieblingen stimmen in einer Sondersitzung Ende April gegen den Vorschlag und wollen dem Gemeinderat mehr Eingriffsmöglichkeiten in der letzten Phase des Verfahrens verschaffen.

rmx

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare