Bilanz der Staatsanwaltschaft Heidelberg

Schläger, Exhibitionisten, Räuber: Die 5 spannendsten Kriminalfälle 2017!

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Die Heidelberger Staatsanwaltschaft blickt auf die interessantesten Fälle 2017 zurück.

Heidelberg – Vom tödlichen Unfall auf den ‚Kölner Tellern‘ über einen abstürzenden Balkon bis hin zum Exhibitionisten aus Wiesloch. Die fünf spannendsten Fälle der Heidelberger Staatsanwaltschaft 2017: 

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg zieht am Dienstag (27. März) Jahres-Bilanz. Dabei legt sie Zahlen dar, bespricht die personelle Situation – und wirft einen Blick auf die interessantesten Fälle 2017.

Unbelehrbarer Exhibitionist

Ein Exhibitionist aus Wiesloch sorgt im Zeitraum von November 2016 bis April 2017 wiederholt für Aufregung. Regelmäßig steht der 36-Jährige vor einem bodentiefen Fenster im Treppenhaus seines Mietshauses, entblößt dort seine Genitalien und masturbiert.

Das verstört nicht nur die anderen Mieter – sondern auch die Passanten der stark frequentierten Straße. Das Fenster befindet sich nämlich genau an einer Ampel – die wartenden Fußgänger haben kaum eine andere Möglichkeit, als hinzuschauen.

Ein Exhibitionist treibt in Wiesloch sein Unwesen. (Symbolbild)

Doch das Schlimmste ist, dass viele von ihnen Kinder auf dem Schulweg sind. In sechs von sieben bekannten Fällen masturbiert er vor 12- bis 13-Jährigen. 

Das Urteil: Zweieinhalb Jahre wegen exhibitionistischen Handlungen in einem und dem sexuellen Missbrauch von Kindern in sechs Fällen.

Die Heidelberger Staatsanwälte Thomas Bischoff, Romeo Schüssler und Tim Haaf (von rechts).

Da solche Handlungen normalerweise Hand in Hand mit einer psychischen Störung gehen, ist das Gericht hier üblicherweise nachsichtig. Er ist aber schon zum zigsten Mal aufgefallen. In den zweieinhalb Jahren hat er nun Gelegenheit, therapeutische Ansätze zu verfolgen“, erklärt Staatsanwalt Bischoff.

Todesfalle: Kölner Teller

Im Oktober stürzt ein Radfahrer (41) über die Kölner Teller (das sind Bodenschwellen) in der Wolfsbrunnensteige in Schlierbach. Er zieht sich eine schwere Kopfverletzung zu, an der er im November stirbt.

Im November erliegt der Radfahrer seinen Verletzungen.

Staatsanwalt Thomas Bischoff erläutert den neusten Stand der Ermittlungen. Derzeit rekonstruiere ein technischer Sachverständiger die Bedingungen und prüfe, ob und mit welcher Geschwindigkeit man die Teller gefahrlos überfahren kann.

Im Moment liefen die Ermittlungen gegen einen Bediensteten des städtischen Verkehrsamtes. Ihm werde vorgeworfen, die Maßnahme so umgesetzt zu haben, wie er sie am Schreibtisch geplant hat – ohne die tatsächlichen Bedingungen vor Ort ausreichend zu berücksichtigen.

Ein Balkon auf Abwegen

Was im Juli in Nußloch passiert, hört sich mehr nach einer Filmszene als nach Realität an. Dort verbringt ein Mann zusammen mit seinem zweijährigen Sohn einen entspannten Nachmittag auf seinem Balkon.

Wie aus dem Nichts bricht der jedoch vom zweiten Obergeschoss des Mehrfamilienhauses ab - mit ihm die beiden Geschädigten. Der Mann erleidet eine Platzwunde am Kopf, der Sohn Schürf- und Kratzwunden. Das Geschehen läuft also verhältnismäßig glimpflich ab.

Wie aus dem Nichts bricht der Balkon vom Gebäude ab.

Der Grund – die nicht fachgerechte Abdichtung – ist schnell gefunden. Der Verantwortliche wird aber erst durch intensive Ermittlungen ausgemacht. Wie sich herausstellt hat ein 69-jähriger Kleinunternehmer die Arbeiten durchgeführt.

Balkone abgestürzt: Großeinsatz

Doch wie verurteilt man den Mann? Zumal er sein ganzes Leben nie straffällig geworden ist, seit zehn Jahren nicht mehr im Geschäft ist und die Arbeiten 15 Jahre zuvor durchgeführt hat.

Die Staatsanwaltschaft entscheidet sich nach etlichen Erwägungen für: gar nicht! 

Schlechte Vorsätze für das neue Jahr

Gleich zu Beginn des Jahres überrascht eine Bäckerei-Mitarbeiterin im Hauptbahnhof mit einer „unheimlich coolen“ Reaktion, so Bischoff. Am 5. Januar um 5:53 Uhr geht ein 25-Jähriger mit einem 19 Zentimeter langen Messer (!) und den Worten „Geld her!“ auf sie zu.

Der Überfall findet im Heidelberger Hauptbahnhof statt. (Archivfoto)

Obwohl sich die Klinge nur etwa 50 Zentimeter vor ihrem Gesicht befindet, bewahrt die Bäckerin die Fassung, verschanzt sich in einem Raum hinter der Kasse und ruft die Polizei.

Noch ehe diese erscheint, mischt sich jedoch ein Mann ins Geschehen ein. Der ist selbst Polizist und gerade auf dem Weg zur Arbeit. Der 25-Jährige wird verhaftet  – „wie sich herausstellte wollte er Geld für Drogen beschaffen“, erklärt Tim Haaf.

Er wird zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.

Genetischer Code wird zum Verhängnis

Der versuchte Raubmord in Leimen im Juli 2014 schockiert die Region. Nicht nur wegen dem Vorgehen des Täters. Vor allem aber, da sein Opfer eine gebrechliche ältere Frau ist.

Der schon vielfach vorbestrafte Täter richtet die Frau nach seinem Einbruch in die Wohnung mit Schlägen und Tritten derart her, „dass kaum ein Knochen in ihrem Gesicht ungebrochen bleibt“, so Staatsanwalt Tim Haaf. Sie überlebt nur knapp.

Außer der Frau selbst gibt es keine Zeugen von dem Vorfall. Nur leidet sie nach dem Angriff an Amnesie, kann sich nicht mehr an den Vorfall erinnern. Es scheint, als komme der Räuber ungestraft davon.

Doch die Polizei lässt nicht locker, sammelt jede noch so mikroskopische Faser sowie DNA-Spur und fügt unvollständige Fingerabdrücke zusammen. 

Der Abgleich in der internationalen Datenbank erbringt schließlich den heiß ersehnten Treffer. Der Verbrecher befindet sich in Kroatien – im Gefängnis. Januar 2017 wird er nach Deutschland ausgeliefert. Er bekommt eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren.

gs

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