Bilanz der Bürgerbeteiligung

Konferenzzentrum kommt wohl an den Hauptbahnhof

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„Die Heidelberger haben mit den Füßen entschieden“ – Abschlussplenum zur Bilanzveranstaltung.

Heidelberg - Die Suche nach dem Standort für das neue Konferenzzentrum geht in die heiße Phase. Nach der Bürgerveranstaltung scheint klar: Das Gebäude wird wohl in Bahnhofsnähe gebaut. 

Zumindest wenn es nach den Heidelberger Bürgern geht, denn so lässt sich die Bilanzveranstaltung zur Bürgerbeteiligung am Mittwochabend in der Stadthalle interpretieren.

In der Abschlussveranstaltung werden die rund 120 anwesenden Heidelberger zunächst über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zu den potentiellen Standorten informiert. Die Rahmenbedingungen für das neue Konferenzzentrum legt Mathias Schiemer, Geschäftsführer von Heidelberg Marketing, dar: 1.800 Plätze in Reihenbestuhlung soll der große Saal bieten, das Gebäude wird eine Grundfläche von rund 11.000 Quadratmeter haben. Auch die Faktoren Kosten, Verfügbarkeit und Verkehr fließen in die Machbarkeitsstudie ein.

Diskussionsrunden zeichnen deutliches Bild

Im Anschluss konnten die Bürger in Diskussionsrunden ein letztes Mal ihre eigenen Anregungen zu den einzelnen Standorten einbringen. Diese sollen in die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung für den Gemeinderat einfließen. 

An der Beteiligung an den Diskussionsrunden lässt sich gut ablesen, welche der Standorte die Heidelberger präferieren. Oder wie es einer der Moderatoren ausdrückt: „Die Heidelberger Bürger haben mit den Füßen abgestimmt.

An den Ständen Bahnstadt (Baufelder T1/Z2), Lessingstraße (Alte Hauptpost) und Heidelberger Druckmaschinen Ost entwickelten sich angeregte Diskussionen, in denen sich die Bürger eingehender zum Standort informieren und ihre persönlichen Anregungen einbringen. 

Wenig bis gar nicht frequentiert und damit wohl aus dem Rennen: Das Altklinikum auf dem Campus Bergheim und der Standort Stadtwerke West an der Kurfürstenanlage.

Faktor Kosten

Gegen das Altklinikum sprechen im Vergleich zu den vier „Bahnhofs-Standorten“ vor allem die deutlich höheren Kosten. Auf rund 103 Millio nen Euro werden die Gesamtinvesitionen in ein neues Konferenzzentrum im Altklinikum geschätzt. Das sind über 30 Millionen Euro mehr als an den anderen Standorten (Stadtwerke: 70 Mio. Euro, Heidelberger Druckmaschinen Ost: 71 Mio. Euro, Lessingstraße: 68 Mio. Euro, Bahnstadt: 65 Mio. Euro). 

Oberbürgermeister E ckart Würzner wollte sich nicht auf einen Standort festlegen, gab aber zu bedenken, dass die Zahlen und die eher verkehrstechnische Erschließung eher gegen das Altklinikum sprechen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dem Gemeinderat das Altklinikum als Standort vorschlagen können, wenn wir für die Erschließung und den Bau 30 Millionen Euro mehr in die Hand nehmen müssen“, so Würzner.

Faktoren Verfügbarkeit und Verkehr

Für die Bewertung der Standorte wichtig: die Verfügbarkeit der Flächen. Die Anregungen aus der Bilanzveranstaltung sollen in die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung einfließen, die am 6. April in den Gremienlauf gehen soll. Ambitioniertes Ziel der Stadtverwaltung: Nach dem Gemeinderatssitzung am 28. April, in der man sich auf einen Standort einigen will, sollen die Planungen für den Bau beginnen.

Das Altklinikum wäre erst ab 2021 verfügbar, neben den deutlich höheren Kosten spricht auch das gegen den Standort. Auch eher spät – 2019 – könnte die Stadt auf die Flächen der Stadtwerke zugreifen, weil zunächst noch Arbeitsplätze verlagert werden müssten.

Ein deutlich günstigeres Zeitfenster stellt sich an den Standorten dar, die auch in den Diskussionrunden beliebt waren: Die Standorte Lessingstraße und Heidelberger Druckmaschinen wären zum Jahreswechsel 2016/17 verfügbar, die Bahnstadtbaufelder T1 und Z2 voraussichtlich 2017. Erste positive Signale mit den Eigentümern der Flächen Heidelberger Druckmaschinen (Immobilienentwickler Epple) und Bahnstadt (Max-Jarecki-Stiftung) habe es bereits gegeben, erklärt Gutachter Ronald Odehnal von der GGH-Tochter BSG.

Die vier „Bahnhofstandorte“ wären verkehrstechnisch relativ unproblematisch, berichtet anschließend der zweite Gutachter, Michael Welsch vom Stuttgarter Ingenieurbüro SSP Consult. Bei Tagesveranstaltungen könnte es zwar auf der Kurfürstenanlage zu Staus im Berufsverkehr kommen, da durch die Kongressteilnehmer 150 bis 175 Fahrzeuge pro Stunde mehr auf den Straßen wären. Dies könne aber „ohne Probleme durch Modifikationen an den Ampelanlagen gelöst werden“, sagte Welsch.

Potenziale

In den Diskussionsrunden wurde angemerkt, dass die Anbindung an die Altstadt und ihre Sehenswürdigkeiten wichtig ist. Dabei eröffneten sich auch die Möglichkeiten, die ein modernes Konferenzzentrum für die Stadt ermöglichen könnte. 

Ein Veranstalter von großen Firmenevents berichtete, dass Autokonzerne bereits mehrfach angefragt haben, ob man Veranstaltungen nicht in Heidelberg abhalten könne. Der gebürtige Heidelberger musste bislang immer verneinen, da die Kapazitäten für Großveranstaltungen nicht gegeben waren. Das soll sich jetzt ändern.

Nach Auskunft des Veranstalters würden beispielsweise große Autokonzerne ihre Händler aus ganz Deutschland für die Präsentation von neuen Modellen einladen. Und dafür gern auch mal 25 Millionen Euro für eine Woche in die Hand nehmen. Diese Potenziale könne man anzapfen, war sich die Runde sicher, wenn mit einem neuen Konferenzzentrum erstmal die notwendige Infrastruktur geschaffen ist.

Wie geht es weiter?

Die Anregungen aus der Bilanzveranstaltung werden vom Koordinationsbeirat noch einmal zusammengefasst und gehen gemeinsam mit den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie in die Verwaltungsvorlage ein, die am 6. April in den Gremienlauf geht. 

Ziel sei es, dem Gemeinderat zwei oder drei Standorte vorzuschlagen, erklärte Bürgermeister Hans-Jürgen Heiß. Der Gemeinderat entscheidet am 28. April.

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rmx

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