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Nach PR-Desaster um Brustkrebs-Bluttest: Ärzte fordern Rücktritt von Klinik-Vorstand

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Es soll neben der Mammographie ein neuer Bluttest geben (Symbolfoto)

Heidelberg-Neuenheim - Mittels eines Bluttests soll Brustkrebs mit hoher Treffsicherheit nachgewiesen werden können! Doch nun hagelt es Kritik – sogar Rücktrittsforderungen werden laut!

  • Mediziner der Uniklinik Heidelberg haben neuen Bluttest entwickelt
  • Der ,Heiscreen‘-Test soll Brustkrebs anhand von Biomarkern erkennen
  • Kritik von Fachleuten über PR-Kampagne und den Umgang mit Ergebnissen
  • Ärzte fordern Rücktritt des Klinik-Vorstands 

Update 18. April: Nach dem PR-Desaster rund um den Brustkrebs-Bluttest nimmt der Druck auf die Heidelberger Uniklinik zu – aber auch im Inneren soll es brodeln. Nach Informationen der Rhein Neckar-Zeitung soll ein Ärztlicher Direktor eine E-Mail an die Führungskräfte geschrieben haben, in der er den Rücktritt von drei Vorständen fordert. 100 Führungskräfte der Uniklinik Heidelberg sollen die Mail erhalten haben. 

Konkret richtet sich diese Rücktrittsforderung an den Dekan der Medizinischen Fakultät, Andreas Draguhn, der Leitenden Ärztlichen Direktorin Annette Grüters-Kieslich und der Käufmännischen Direktorin Irmtraut Gürkan. 

Nach Bluttest-PR-Desaster: Rücktrittsforderungen und Vorwurf der „kriminellen Absicht“ 

Ihnen wird vorgeworfen die umstrittene PR-Kampagne um den Brustkrebs-Bluttest der Firma Heiscreen mitgetragen zu haben. Der Chef der Heidelberger Frauenklinik präsentierte den Bluttest zur Früherkennung von Blutkrebs, unter anderem in der Bild-Zeitung als eine „Weltsensation“. Der Vorwurf: Der Vorstand hätte zuvor Kenntnis von der Veröffentlichung gehabt und sogar am Inhalt mitgewirkt und die Zustimmung für die Veröffentlichung erteilt haben. Dies wäre ein „grober administrativer und akademischer Fehler“ gewesen. 

Besonders als sich später herausstellte, dass der Test noch längst nicht marktreif sei. Der Verfasser der Mail kritisiert zudem, dass dem Test jede wissenschaftliche Grundlage fehle. Der Verfasser der Mail spricht sogar von kriminellen Absichten wenn sich herausstellen sollte, dass im Heiscreen-Gründungsvertrag von einer hundertprozentigen Zuverlässigkeit des Test ausgegangen würde. Der Test habe eine deutlich schlechtere Quote. 

Laut Verfasser hätte bisher niemand die Verantwortung für das PR-Desaster übernommen. Das „Katastrophale Krisenmanagemnet“ hätte dazu geführt, dass dem Vorstand das Vertrauen zur Aufklärung der Bluttest-Affäre durch den Aufsichtsrat entzogen worden sei. Außerdem würden die Staatsanwaltschaft und das LKA nun ermitteln. 

Brustkrebs-Test – ein PR-Desaster? 

Update vom 4. April: Die Kritik um die PR-Kampagne von Christof Sohn reißt nicht ab. Nachdem der Chef der Heidelberger Frauenklinik den Bluttest als ,Meilenstein‘ angepriesen hat, verurteilt ihn die Fachwelt. Der Bluttest, der frühzeitig Brustkrebs erkennen soll, sei zu früh der Öffentlichkeit präsentiert worden. „Wenn aus wirtschaftlichen Interessen unüberprüfbare Ergebnisse an die Öffentlichkeit gegeben und damit ungerechtfertigte Erwartungen geweckt werden, wirft das einen Schatten auf das Image der Forschung", sagt der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns.

Fachgesellschaften, Mediziner und Statistiker hatten das Vorgehen Sohns heftig kritisiert. Üblich sei vor einer Information der Öffentlichkeit eine Publikation in einem Fachjournal, wo Studien von Gutachtern bewertet würden, erklärt Bruns. Zu dem Bluttest lägen keine solchen Daten vor. Sich der kritischen Fachwelt zu stellen, sei aber ein wichtiges Mittel zur Qualitätssicherung. Sohn habe mit seiner Art der Kommunikation nicht nur der Wissenschaft, sondern auch sich selbst geschadet. Wenn er mit verwertbaren Ergebnissen in drei, vier Jahren an die Öffentlichkeit trete, werde er womöglich nicht ernst genommen. 

Mittlerweile beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft Heidelberg mit der umstrittenen PR-Kampagne um den Brustkrebs-Test. Das Uniklinikum Heidelberg hat Strafanzeige gegen unbekannt gestellt, weil es Anzeichen eines „unlauteren Vorgehens“ geben würde.

Bluttest erkennt Brustkrebs: Doch nicht so zuverlässig wie gedacht?

Ob der von Sohn vorgestellte Bluttest eine sinnvolle Ergänzung zur Früherkennung von Brustkrebs sein kann, lasse sich derzeit noch nicht beurteilen, sagt Bruns. „Die Idee ist großartig, zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einem Durchbruch zu sprechen, ist aber viel zu früh.

Die sogenannte Liquid-Biopsy-Methode basiert auf dem Nachweis krebsspezifischer Biomarker im Blut. Sonderlich zuverlässig ist er nach derzeitiger Datenlage allerdings nicht: Von 100 gesunden Frauen bekommen 30 fälschlicherweise einen Brustkrebsbefund, wie die Uniklinik bestätigt. „Falsch positive Befunde führen zu einer erheblichen psychischen Belastung betroffener Frauen", heißt es im Februar in einer gemeinsamen Stellungnahme von sieben Fachverbänden. Von 100 Frauen mit Brustkrebs werden zudem nur etwa 75 als krank erkannt. Bei der Mammografie betragen die Fehlerquoten nur Bruchteile dessen.

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Frühe Bluttest-Ankündigung hat eventuell finanzielle Hintergründe

Es steht außerdem der Verdacht im Raum, dass die frühe Ankündigung finanzielle Hintergründe hat. Sohn hat eine Unternehmensbeteiligung an ,Heiscreen‘ von vier Prozent und noch mehr Anteile an der Vermarktungs-Gesellschaft des Tests. Auch Oberärztin und Projektleiterin Sarah Schott ist mit im Boot. In dem Bereich locken Milliardengewinne.

Wenn Geld und Wissenschaft in einer Hand zusammenkommen, stellt sich schon die Frage nach Interessenkonflikten", sagt Bruns. Die Deutsche Krebshilfe sieht das ähnlich. Ihr Vorstandsvorsitzender Gerd Nettekoven sagt der ,Neuen Osnabrücker Zeitung‘, Sohn stelle offensichtlich wirtschaftliche Interessen in unverantwortlicher Weise vor das Wohl der betroffenen Frauen.

Kritik um neuen Bluttest aus Heidelberg: Stillschweigen der Verantwortlichen

Derzeit schweigen die Verantwortlichen zu der enormen Kritik um den Bluttest. Weder von ,Heiscreen‘ noch von der Uniklinik und Sohn sind Stellungnahmen zu den Vorwürfen zu erhalten. Universtitätskliniksprecherin Doris Rübsam-Brodkorb verweist auf die Aufarbeitung durch eine Kommission, die Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, leiten wird. Die weitere Zusammensetzung und die Fristen seien noch unklar. 

Die Uni in Heidelberg sieht allein die Klinik in der Verantwortung für die PR-Aktion Sohns. „Das ist keine Angelegenheit der Universität", sagt Uni-Sprecherin Marietta Fuhrmann-Koch.

Bluttest erkennt Brustkrebs: Uniklinik lässt umstrittene PR-Kampagne untersuchen

Update vom 26. März: Wie die Uniklinik Heidelberg mitteilt, lässt sie die umstrittene PR-Kampagne von ,Heiscreen‘ von externen Experten untersuchen. „Um alle Aspekte umfassend und aus neutraler Perspektive zu analysieren, wurde eine unabhängige Kommission aus überwiegend externen Experten eingerichtet“, heißt es vom Universitätsklinikum. Zudem sei noch eine interne Arbeitsgruppe eingesetzt worden. 

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Bluttest erkennt Brustkrebs: Viel Kritik wegen Umgang mit Ergebnissen

Update vom 21. März: Der Bluttest für Brustkrebs-Erkennung sei laut Heiscreen, eine Ausgründung der Uniklinik Heidelberg, „ein Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik". Allerdings erntet das Unternehmen dafür viel Kritik von Fachgesellschaften, Medizinern und Statistikern. Unter anderem sind die Ergebnisse von Tests an Frauen laut Uniklinik bis heute nicht in einem begutachteten Fachjournal publiziert - wie es in der wissenschaftlichen Praxis üblich ist. Zudem wird bemängelt, dass die Wirksamkeit des Tests nur unzureichend beschrieben werden. 

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Bluttest erkennt Brustkrebs: Unternehmen entschuldigt sich bei Frauen

Die Uniklinik entschuldige sich bei Frauen, die sich womöglich falsche Hoffnungen auf eine rasche Nutzung des Tests gemacht hätten, sagt Kliniksprecherin Doris Rübsam-Brodkorb am Donnerstag (21. März) der Deutschen Presse-Agentur. „Das bedauern wir sehr." Heiscreen hatte versprochen, dass der Test noch in diesem Jahr auf den Markt komme.

Die Uniklinik Heidelberg zieht Konsequenzen aus der umstrittenen PR-Kampagne zu dem neuen Bluttest für die Früherkennung von Brustkrebs. So sollen neue Regeln in Bezug auf „wirtschaftliche, wissenschaftliche, ethische und publizistische Fragen" erstellt werden, die Firmenausgründungen der Universität künftig zu beachten hätten, sagt die Sprecherin. 

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Brustkrebs früh erkennen: Wie funktioniert der neue Bluttest? Fragen und Antworten

Update vom 24. Februar: Wir haben bei HeiScreen, der eigens für den Bluttest gegründeten Gesellschaft, nachgefragt, wie die Innovation genau funktioniert und wann er auf den Markt kommt. 

Wie genau läuft der Bluttest für einen Patienten ab? „Der Bluttest läuft für die Teilnehmenden wie eine normale Blutabnahme, so wie man sie kennt. Die Blutprobe wird dann in ein Labor geschickt und ausgewertet“, erklärt Prof. Dr. Sarah Schott. 

Wie lange dauert die Auswertung des Bluttests? „Aktuell erfolgt die Auswertung in unserem Forschungslabor. Ziel ist es dies ebenfalls in der klinischen Routine anzubieten. Wir streben an, dass der Test bis zum Folgetag ausgewertet werden kann.“

Sollte ein Patient nach einem positiven Test trotzdem eine Mammographie machen? „Der Test gilt als Erweiterung, keinesfalls als Ersatz für bildgebende Diagnoseverfahren. Wann eine Mammografie sinnvoll ist, entscheiden die Ärzte gemeinsam mit den Patienten.“

Wann genau soll der Test auf den Markt kommen? „Das können wir leider noch nicht genau sagen.“

Wird der Test zunächst nur in Deutschland oder international auf den Markt kommen? „Der Test soll langfristig möglichst vielen Frauen angeboten werden können.“

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Heidelberger Forscher und Ärzte entwickeln neuen Bluttest zur Brustkrebs-Erkennung

Meldung vom 22. Februar: „Dies ist ein Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“, heißt es in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg und ,Heiscreen‘. Gemeint ist der neue Bluttest,der noch in diesem Jahr in den Markt eingeführt werden soll. Neben dem MRTMammographie-Screening oder Ultraschall soll der neue Bluttest die Diagnosemöglichkeiten erweitern. 

Ärzte versprechen schonendes Verfahren für Patientinnen und schnelle Diagnose

Laut Uniklinik und ,Heiscreen‘ erkrankten im letzten Jahr 70.000 Frauen neu an Brustkrebs. Es ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Das neue blutbasierte Verfahren ist deutlich weniger belastend für Frauen, weil es weder schmerzhaft ist noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht“, so Prof. Dr. Sarah Schott, Sektionsleiterin Translationale Frauenheilkunde und Leiterin für Familiäre Krebserkrankungen an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. 

Für den Test seien nur wenige Milliliter Blut notwendig. Frauen aller Altersgruppen können den Test machen, vor allem Patientinnen unter 50 Jahren oder Frauen mit familiärer Hochrisikosituation für eine Brustkrebserkrankung. „Hier konnte eine Sensitivität von 80 bis 90 Prozent erreicht werden“, so die Mitteilung. 

Die Sensitivität gibt an, zu welchem Prozentsatz erkrankte Patientinnen durch den Test tatsächlich erkannt werden.

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Neuer Test für Brustkrebs-Erkennung: Analyse des Blutes

Im Labor werde der Heiscreen-Test ausgewertet. Das Blut wird dabei auf Biomarker untersucht, die Hinweise auf Tumore geben. So könne neben Brustkrebs auch Eierstockkrebs erkannt werden. 

Prof. Dr. Sarah Schott und Prof. Dr. Christof Sohn leiten zusammen das Projekt.

„Der von unserem Forscherteam entwickelte Bluttest ist eine neue, revolutionäre Möglichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust nicht-invasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen“, so Prof. Dr. Christof Sohn, Geschäftsführender Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg.

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Aktuelle Ergebnisse des Bluttests

2016 wurde erstmalig das Patent des neuen Bluttests angemeldet. Danach wurde er weiterentwickelt und in den letzten 12 Monaten an 900 Frauen getestet – 500 waren bereits an Brustkrebs erkrankt, 400 nicht„Aktuelle Ergebnisse zeigen bei den 500 Brustkrebspatientinnen insgesamt eine Sensitivität von 75 Prozent. Altersabhängige Unterschiede konnten gefunden werden. Hier zeigt sich bei den unter 50-jährigen eine Sensitivität von 86 Prozent beziehungsweise bei den über 50-jährigen von 60 Prozent“, heißt es weiter. 

Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg entwickeln ersten marktfähigen Bluttest für Brustkrebs

Sensation! Heidelberger Mediziner entwickeln neuen Bluttest für Brustkrebs-Erkennung

Erstmeldung vom 21. Februar: Um Brustkrebs festzustellen, lassen Frauen eine Mammographie machen. Doch Ärzte und Forscher des Uniklinikums Heidelberg haben nun eine neue Methode für die Erkennung von Krebs gefunden: Ein Bluttest.

BILD spricht bereits jetzt von einer medizinischen Sensation. Wie es in einem Bericht heißt, könne der Bluttest zu 75 Prozent eine Erkrankung feststellen. Wenn junge Frauen (ab dem 30. Lebensjahr) sich testen lassen, steige sogar die Treffsicherheit.

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Brustkrebs früher erkennen: Viele Vorteile beim neuen Bluttest

Wie Prof. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, der BILD erklärt, werde bei dem neuen Test Botenstoffe, die aktive Zellen bei einer Krebserkrankung ins Blut aussenden, nachgewiesen. Der so genannte ,Heiscreen-Test' sei außerdem weniger aufwändig als eine Mammographie und könne Krebs aufzeigen, noch bevor er mittels bildgebender Verfahren sichtbar sei. Zudem könne er auch Eierstockkrebs erkennen.

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Wann kommt der Bluttest für Brustkrebs-Erkennung auf den Markt? Und was soll er kosten?

Was der Test kostet und ob ihn die Krankenkassen übernehmen, ist nicht klar. Der Test soll noch dieses Jahr auf den Markt kommen.

Die Heidelberger Forscher erreichen einen weiteren Durchbruch in der Krebsforschung. Sie machen Leukämie sichtbar.

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dpa/pm/jol

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