Mitarbeiter legen selbst Hand an

Bordell „Bienenstock“ Heidelberg: Mit Dosenwurst gegen die Corona-Krise

Heidelberg - Wegen der Corona-Krise müssen Bordelle in Deutschland zu machen. Davon ist auch der „Bienenstock“ in Heidelberg betroffen – und wird kreativ.

  • Wegen des Coronavirus müssen zahlreiche Geschäfte schließen – auch Stripclubs und Bordelle.
  • Der „Bienenstock“ in Heidelberg ist ebenfalls von dem Lockdown betroffen.
  • So gehen die Mitarbeiter mit der Corona-Krise um: 

Update vom 18. Mai: „Liebe geht durch den Magen“, sagt ein altes Sprichwort. Das gilt dann wohl auch für die käufliche Liebe. Denn um während der Corona-Krise nicht Pleite zu gehen, hat sich das „Bienenstock Eros Center“ etwas besonderes einfallen lassen. Seit zwei Monaten ist das Etablissement in Heidelberg bereits geschlossen, wodurch es natürlich keine Einnahmen gibt. Doch Bordell-Besitzer Kalle S. hat eine zündende Idee: Der ehemalige Metzger verkauft mit seinem Amüsierbetrieb nun Wein und Dosenwurst

Von einem Freund, der eine Metzgerei hat, beziehe ich die Dosenwurst. Die Security beklebt die, damit wir alle Arbeit haben“, erklärt der 57-Jährige gegenüber „Bild“. Abnehmer ist die Kultkneipe „Zur Ritze“ in Hamburg. Von diesem ist auch das Logo auf den Flaschen und Dosen zu sehen. Nebenher versucht sich der Amüsierbetrieb auch mit Cam-Girls über Wasser zu halten. Doch die Kunden scheinen das noch nicht so ganz verstehen. Laut Kalle S. würden bis zu 100 Personen am Tag anrufen und fragen, wann der Betrieb endlich wieder aufmacht. 

Das Heidelberger Bordell verkauft jetzt Wein und Dosenwurst.

Heidelberg: „Bienenstock“ wegen Corona geschlossen!

Erstmeldung: Seit Beginn des Corona-Lockdowns ist in ganz Deutschland das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen. Innerhalb eines Tages müssen im März tausende Geschäfte schließen. Ganze Berufszweige können nicht mehr arbeiten und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Mittlerweile dürfen jene Läden wieder öffnen, die nicht größer als 800 Quadratmeter sind – doch das gilt nicht für alle. So sind neben Tätowierer, Piercern und Stripclubs auch Bordelle von der Regelung ausgenommen. Wann diese wieder öffnen dürfen, steht noch in den Sternen. Unter den Covid-19-Maßnahmen leidet auch das „Bienenstock Eros Center“ in Heidelberg. So gehen die Mitarbeiter damit um.

Heidelberg: „Bienenstock“ geschlossen – Mitarbeiter ohne Perspektive

Der „Bienenstock“ ist im Jahr 2015 als erstes Passivhaus-Bordell der Welt eröffnet worden. Die Strom- und Wärmeversorgung kommt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien durch das Holz-Heizkraftwerk der Heidelberger Stadtwerke. Daher erhält es auch den Beinamen „Öko-Puff“. Im Oktober 2018 spricht HEIDELBERG24 mit einer Prostituierten über ihre Arbeit im „Bienenstock“ – seitdem hat sich vieles verändert. 

Hier entsteht Heidelbergs ‚Öko-Puff‘!

Durch Sars-CoV-2 muss das Bordell im März plötzlich schließen – alle Mitarbeiter stehen vor dem Nichts. „Es ist alles zusammengebrochen. Man hat Angst, ist nervös und hat Existenzängste“, erklärt Nina. Sie arbeitet normalerweise als Tätowierer und Stripperin – da beides aber momentan verboten ist, nutzt sie ein Zimmer des „Bienenstocks“, um sich vor der Webcam auszuziehen. 

Auch die Prostituierte Jenny ist verzweifelt. „Meine ersten Gedanken waren: Wie soll das jetzt weitergehen? Fragezeichen im Gesicht.“ Aktuell putzt sie die Zimmer, was aber nicht wirklich ausreicht.

Heidelberg: Prostituierte mit Taxis nach Hause gebracht – auch ins Ausland

Solange das Bordell in der Bahnstadt geschlossen ist, machen die verbliebenen Mitarbeiter das Beste aus der Situation. Sie legen selbst Hand an und greifen zum Pinsel – damit das Gebäude nach dem Lockdown wieder in vollem Glanz erstrahlt. 

Derzeit werden vor allem die Treppenhäuser neu gestrichen. Doch wie lange das so weitergehen kann, ist auch für den Bordell-Besitzer Kalle noch unklar. „Man kann das schon eine zeitlang durchhalten, aber ewig natürlich auch nicht. Ich bin leider nicht wegen Hellseherei vorbestraft. Ich kann echt nicht sagen, wann die Behörde die ganze Geschichte wieder lockert.

Während der Corona-Krise muss auch der „Bienenstock“ in Heidelberg schließen.

Direkt nach dem Corona-Lockdown hat sich für die Prostituierten noch ein weiteres Problem ergeben – wie kommen sie nach Hause. Viele der 20 Frauen im „Bienenstock“ kommen aus anderen Städten, teilweise sogar aus anderen Ländern. Da hat Besitzer Kalle kreativ werden müssen. „Wir haben Großraumtaxis organisiert. Und die sind dann mit den Großraumtaxis von heute auf morgen weg, weil ja kein Flieger mehr ging und keine Busse mehr.“

Heidelberg: Kunden sind verzweifelt – und greifen zu illegalen Maßnahmen

Doch nicht nur die Mitarbeiter des Eros Centers leiden unter der Schließung. Auch die Kunden sehnen sich nach dem „ältesten Gewerbe der Welt“ – und würden dafür auch die Covid-19-Maßnahmen ignorieren. 

Die Leute kommen hier nachts und rütteln an den Türen. Sie rufen an, alles mögliche. Sie sagen sie zahlen tausende von Euro, aber wir können halt leider nichts machen“, erklärt Security-Chef Kai. An manchen Tagen würden bis zu 200 Personen anrufen, um sich zu erkundigen. Sobald man den Männern die Situation aber erkläre, würden sie enttäuscht gehen. 

Manche Kunden fragen die Frauen auch nach Privattreffen – was ebenfalls verboten ist. „Ich denke schon, dass einige Kolleginnen das machen. Aber ich selber mache es nicht. Dafür ist mir dann die Gefahr zu groß“, sagt Prostituierte Jenny. 

Für Besitzer Kalle ist eines in dieser Krise aber klar: „Die Welt wird nach Corona komplett anders aussehen. Die Leute werden vorsichtiger werden, die Mädels werden vorsichtiger werden. Das ganze kann man noch gar nicht abschätzen, was da auf einen zukommt.“

pri/dh

Rubriklistenbild: © HEIDELBERG24/PR-Video/Priebe/ Screenshot Bienenstock

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