Gewaltambulanz schlägt Alarm

Dramatische Zahlen aus Heidelberg: Steigende Gewalt gegen Kinder und Frauen während Coronakrise

Heidelberg - Die Gewaltambulanz am Universitätsklinikum schlägt Alarm! Durch den Corona-Lockdown und die Schließung von Kitas und Schulen steigt die Gewalt gegen Kinder dramatisch an!

  • Gewaltambulanz am Uniklinikum Heidelberg schlägt Alarm.
  • Immer mehr Fälle von Gewalt gegen Kinder und Frauen.
  • Schuld ist auch der Lockdown wegen der Corona-Krise.

Durch die Corona-Maßnahmen und den Lockdown in Deutschland müssen zahlreiche Menschen seit März zu Hause bleiben, weil ihre Arbeit, die Schule oder die Kita geschlossen sind. Neben finanziellen Einbrüchen und der Verstärkung von psychischen Problemen kommt noch ein weiteres ernstes Problem dazu – ein Anstieg der Gewalt in den eigenen vier Wänden. Aus diesem Grund schlägt nun die Gewaltambulanz im Universitätsklinikum Heidelberg Alarm. Als Begründung werden drastische Zahlen von Fällen der Kindesmisshandlung genannt.

Heidelberg: Fälle der Kindesmisshandlung haben sich verdreifacht

Durch die Corona-Regeln leben Menschen enger zusammen und sind in vielen Fällen von Zukunftsängsten geplagt“, erklärt Kathrin Yen, Leiterin der Gewaltambulanz. Die Folge: Konflikte, die oft eskalierten. Während der Covid-19-Krise sei die Zahl der Kindesmisshandlungen in Heidelberg und Umgebung gestiegen. Yen könne keine genauen Zahlen nennen, geht aber von einer „vorübergehenden Verdreifachung der Fälle aus“! Diese schockierenden Daten nennt sie am Dienstag (5. Mai) der Deutschen Presse Agentur. 

Die Leiterin der Gewaltambulanz Heidelberg schlägt Alarm. (Symbolfoto)

Aus rechtsmedizinischer Sicht ist eine baldige Öffnung der Kitas wünschenswert“, sagt Kathrin Yen. Es sei sinnvoll, wenn die Kinder sich wieder in einem größeren Umfeld bewegen, in dem Lehrer, Nachbarn oder Erzieher solche Verletzungen wahrnehmen können. Ob die Kitas wieder geöffnet werden und nicht nur weiterhin eine Notfallbetreuung für systemrelevante Jobs gilt, wird wohl am Mittwoch (6. Mai) in einer Bund-Länder-Runde entschieden.

Heidelberg: Auch Gewalt gegen Frauen steigt an

Doch nicht nur die Kindemisshandlungen würden während der Coronakrise zunehmen. Auch bei der häuslichen Gewalt gegen Frauen habe Yen einen Anstieg der Fälle bis hin zu einer Verdopplung registriert! Nach Zahlen der WHO erleidet in Deutschland jede dritte Frau und jedes vierte Kind Gewalt. Alleine im Jahr 2019 versorgten die Heidelberger Experten rund 520 Opfer. Laut der Leiterin der Gewaltambulanz sei es zudem auffällig, dass sich auch immer mehr Männer bei ihnen melden würden. 

Obgleich diese Zahlen erschreckend sind, bringt die Corona-Krise auch das Gute im Menschen hervor:  Foto- und Interview-Projekt zeigt Corona-Helden des Alltags

Heidelberg: Wo bekommt man Hilfe?

Opfer von Gewalttaten können sich in Heidelberg an verschiedenen Orten melden. Neben der Polizei gibt es verschiedene Notrufnummern, Frauenhäuser oder Beratungsstellen. Alle Nummern findest Du hier. Am Universitätsklinikum Heidelberg gibt es zudem die Gewaltambulanz. Diese ist rund um die Uhr geöffnet und kümmerst sich um Verletzungsdokumentation und Spurensicherung nach Gewalttaten. Nach der Untersuchung können Betroffene dann überlegen, ob sie zur Polizei gehen wollen. 

Seit Herbst 2019 können sich Kinder und Jugendliche auch an das Childhood-Haus in Heidelberg wenden. Dieses folgt dem Konzept der interdisziplinären Versorgung und rechtlichen Fallabklärung bei Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch oder massiver Gewalt an Kindern. Die Einrichtung wird von der Childhood-Stiftung finanziert, die von Königin Silvia von Schweden gegründet wurde

dpa/dh

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