„Erfahrungen sammeln“

Corona: Heidelberg testet Einsatz von Luftreinigern in Klassenzimmern

Heidelberg - Regelmäßiges Lüften gilt derzeit als wichtigstes Mittel gegen Corona-Infektionen an Schulen. Die Stadt will „versuchsweise“ in sechs Klassenzimmern Luftreiniger installieren:

  • Wegen der Corona-Pandemie soll an Schulen regelmäßig stoßgelüftet werden.
  • Diese Regel gilt auch an den 54 Schulen in Heidelberg.
  • Manche Eltern wollen Luftreinigungsgeräte aufstellen und haben an einer Grundschule Erfolg:

Update vom 25. November: HEIDELBERG24 hatte schon darüber berichtet, wenige Stunden später bestätigt die Stadt Heidelberg am Dienstagnachmittag (24. November) eine Übereinkunft mit dem Elternbeirat: In sechs Klassen der Bahnstadt-Grundschule werden „moderne Luftfiltergeräte eingesetzt“. In den betreffenden Klassen werden „Kinder mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung unterrichtet“. Eltern an der Schule hatten sich fast zwei Monate für die Luftreinigungsgeräte eingesetzt und wollten die Anschaffungskosten selbst tragen, erzählt Elternbeiratsvorsitzende Anne-Grit Albrecht. Jetzt können sie sich an den Kosten mit einer Spende beteiligen. Eine Fachfirma soll jetzt Betrieb und Wartung der Geräte übernehmen.

Laut Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner will man die Luftfiltergeräte „in dieser Ausnahmesituation versuchsweise“ aufstellen. „Einige Kinder in der Bahnstadt-Schule gehören zu den besonders vulnerablen Gruppen“, erklärt das Stadtoberhaupt. Auch wenn Luftreiniger eine „sinnvolle Ergänzung“ sein könnten, habe an allen Schulen in Heidelberg das Stoßlüften weiterhin oberste Priorität. Mit den Luftfiltergeräten an der Bahnstadtschule will die Stadt „Erfahrungen sammeln, auswerten und nutzen“.

Corona: Erste Heidelberger Schule bekommt Luftreiniger

Update vom 24. November, 13:30 Uhr: Als „Ergänzung zum Lüften“ wollen Eltern und Lehrer an mehreren Schulen in Heidelberg Luftreinigungsgeräte in Klassenzimmern aufstellen. Seit mittlerweile eineinhalb Monaten setzt sich beispielsweise eine Elterninitiative in der Bahnstadt dafür ein, private Mittel zu sammeln, um in der Grundschule am Gadamerplatz Luftreiniger anzuschaffen und aufzustellen. Auch in anderen Stadtteilen gibt es ähnliche Bestrebungen. Bislang hatte die Stadtverwaltung den Initiativen aber noch keine Genehmigung erteilt.

Die Bahnstadt-Grundschule am Gadamerplatz.

Am Dienstag (24. November) gibt es für die Elterninitiativen wohl einen ersten Teilerfolg: Nach Informationen von HEIDELBERG24 soll sich die Verwaltung bereit erklärt haben, sechs Klassenzimmer der Bahnstadtschule mit Luftreinigunsgeräten auszustatten. In den betreffenden Räumen werden Klassen mit bis zu fünf Inklusionskindern unterrichtet. Eltern können sich finanziell an der Anschaffung der Geräte beteiligen, heißt es. Es sei toll, dass die Stadt sich bewege und das finanziere, lautet es aus Elternkreisen. Die Geräte sollen wohl zunächst probeweise aufgestellt werden.

Luftreiniger an Schulen: Kommen jetzt auch weitere Initiativen zum Zug?

Was aber ist mit den anderen Schulen in Heidelberg, an denen es ähnliche Initiativen gibt? In einer anderen Schule soll eine Lehrerin beispielsweise auf eigene Kosten gut ein Dutzend Luftreinigungsgeräte angeschafft haben ‒ das Aufstellen der Geräte wird ihr aber bislang von Amtswegen untersagt. Man sei im Austausch mit der Stadt, erklärt Andrea Dittmar, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Heidelberg: „Es ist wichtig, dass die Diskussion weiter geht“.

StadtHeidelberg
Einwohner 160.355 (2019)
Schülerca. 22.000
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner

Mit der Corona-Pandemie sei man in einer Ausnahmesituation, die alle so noch nicht erlebt hätten, findet Dittmar. Die Krise zeige, dass man mit „alten Lösungsansätzen“ nicht weiter komme. Wenn die Finanzierung von das Lüften ergänzenden Luftreinigungsgeräten für Schulen das Problem sei, könne man „neue Wege“ nutzen. Die Elternbeiräte können sich etwa ein „Crowdfunding“-System vorstellen, mit der die Anschaffung der Geräte für alle Heidelberger Schulen finanziell unterstützt werden könnte. „Die Hilfsbereitschaft der Eltern ist groß“, ist sich Dittmar sicher, schließlich gehe es „um die Zukunft unserer Kinder“.

Aus dem Kreis der Elternbeiräte kommen auch andere Vorschläge zum flächendeckenden Einsatz von Luftreinigern an Schulen. Um die Finanzierung zu sichern, könne man das Aufstellen verschiedener Lüftertypen in unterschiedlichen Räumen auch für Forschungszwecke nutzen, schlägt beispielsweise die Neuenheimer Bezirksbeirätin Anja Boto (CDU) vor. Ein ähnliches Pilotprojekt wird derzeit in Stuttgart durchgeführt. „Wieso soll das nicht auch in der Wissenschaftsstadt Heidelberg möglich sein?“, so Boto.

Corona an Schulen: Keine Luftreiniger in Klassenzimmern – blockt die Stadt?

Erstmeldung vom 19. November: Es wirkt bisweilen wie ein absurdes Theater: Im Kampf gegen die zweite Corona-Welle greift Deutschland wieder zu härteren Maßnahmen. Restaurants und Kneipen, Kultur, Sport- sowie Freizeiteinrichtungen werden geschlossen, Kontakte erneut stark eingeschränkt. Erklärtes Ziel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): Schulen und Kindergärten so lange es geht offen zu halten. Damit das Infektionsrisiko an Schulen möglichst gering gehalten wird, sollen Klassenzimmer regelmäßig gelüftet werden. So soll gewährleistet werden, dass Aerosole schnell zu Boden sinken und sich in den Räumen keine erhöhte Viruslast aufbaut, sollte ein Schüler oder Lehrer infiziert sein.

Was im Spätsommer und Herbst noch ein gangbarer Weg ist, dürfte in den kalten Wintermonaten an vielen Schulen zu einem Belastungstest werden ‒ auch in Heidelberg. Denn das regelmäßige Stoßlüften bei Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt wird dafür sorgen, dass Klassenzimmer auskühlen. So viel ist sicher. Die Folge: Schüler nehmen in dicken Winterjacken und Mützen am Unterricht teil, mancherorts sind auch Decken erlaubt. Dennoch steigt damit das Risiko für eine Erkältung, fürchten einige Eltern und setzen sich für zusätzliche Maßnahmen ein.

Heidelberg: Eltern wollen Luftreiniger anschaffen ‒ Stadt blockt

Dabei ließe sich in Zeiten der Corona-Pandemie die Sicherheit von Schülern und Lehrern erhöhen, wenn man das Lüften durch den Einsatz von Luftreinigungsgeräten ergänzt. Selbst kleine Geräte können einen Großteil an Bakterien, Viren und Schadstoffen aus der Luft filtern und ein Gesundheitsrisiko minimieren helfen. Umgesetzt wurde das eigentlich gar nicht so revolutionäre Konzept jüngst in Altlußheim. Als erste Kommune im Rhein-Neckar-Kreis stattete die kleine Gemeinde bei Schwetzingen Schule, Hort und Kindergärten mit entsprechenden Geräten aus ‒ zur Zufriedenheit aller Beteiligten und wohl auch zu überschaubaren Kosten.

Die Schulen in Heidelberg kommen bislang ohne Luftreiniger aus, auch da die Landesregierung den Einsatz der Geräte als nicht umsetzbare Lösung im Kampf der Pandemie ansieht. Dabei wollen es viele Eltern von Schulkindern in Heidelberg aber nicht bewenden lassen. Aktuell gibt es in mindestens drei Stadtteilen Initiativen, die privat Luftreinigungsgeräte für Klassenzimmer anschaffen wollen. Stadtrat Alexander Föhr (CDU) bemängelt, dass die Verwaltung den Initiativen der Elternschaft gegenüber nicht zugänglich ist.

Heidelberg sieht Bemühungen um Luftreiniger „kritisch“

Warum blockt die Stadt Heidelberg die Privatinitiativen in Sachen Luftreiniger für Klassenzimmer? Das lässt sich aus der Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage von Föhr herauslesen: Man wisse „um entsprechende Überlegungen an verschiedenen Schulen, sieht diese aber kritisch“, heißt es dort. Zur Begründung wird unter anderem eine Stellungnahme des Umweltbundesamts (UBA) vom 22. Oktober angeführt, das den Einsatz „mobiler Luftreiniger in Schulen nur im Ausnahmefall als sinnvoll erachtet“. Das UBA stuft Luftreiniger aber inzwischen als sinnvolle Ergänzung zum Lüften ein. Die Stadt verweist auch auf eine Handreichung der Kultusministerkonferenz (KSK), die auf ein „regelmäßiges und richtiges Lüften aller Räume“ abhebt.

Zudem sieht die Verwaltung wohl den Gleichheitsgrundsatz in Gefahr: „Bei der Ausstattung einzelner Schulen oder gar nur einzelner Klassen innerhalb einer Schule könnte sehr schnell der Eindruck einer Ungleichbehandlung und eines scheinbar geringeren Gesundheitsschutzes für Schüler an Schulen mit weniger zahlungskräftigen Eltern/Großeltern entstehen.“ In den Schulen, in denen der Einsatz der Luftreiniger angedacht ist, will man sich zunächst nicht zum Thema äußern. „Die Initiative ist aber ausdrücklich zu begrüßen, denn jedes Gerät verringert die Infektionswahrscheinlichkeit und hilft die Pandemie einzudämmen“, findet Stadtrat Föhr und wünscht sich „eine Kultur des Ermöglichens.

Stadträte wollen ergänzenden Einsatz von Luftreiniger in Schulen

Um alle rund 1.000 Klassenzimmer der 35 Schulen in städtischer Trägerschaft mit „empfehlenswerten Geräten“ auszustatten, kommen Kosten von rund 4 Millionen Euro auf die Stadt zu, schätzt man in der Verwaltung. Stolzer Preis für ein Einzelgerät: rund 4.000 Euro. Die von den Stadtwerken Heidelberg empfohlenen „High-end“-Geräte sollen derzeit eine Lieferzeit von rund zwei Wochen haben. Aus Elternbeiratskreisen ist aber auch zu hören, das der Einsatz kleinerer Geräte ‒ ergänzend zum Lüften ‒ ausreiche. Hier liegen die geschätzten Kosten bei rund 350 Euro pro Stück.

Die Anlagen filtern auch andere Viren und machen daher auch perspektivisch Sinn, um Schulen noch sicherer zu machen“, sagt Alexander Föhr. Sinken durch das Lüften die Raumtemperaturen im Winter zu stark, „sollte der Einsatz von Luftreinigern erwogen werden, so dass ein Stoßlüften in der Pause ausreichen sollte“, ergänzt Stadträtin Alissa Winter-Horn (Heidelberger).„Wenn nun Elterninitiativen einspringen (müssen), um solche Geräte zu beschaffen ist das schlichtweg ein Armutszeugnis“, ärgert sich Sahra Mirow (Linke). Um den Präsenzunterricht zu gewährleisten, sind Luftfilter für Mirow eine „wichtige Maßnahme, die auch öffentlich finanziert werden muss.“ „Bedauerlich“, findet Karl Breer (FDP), „dass der Bund bislang nur den Einbau von Virenfiltern in fest installierten Lüftungsanlagen in Schulen subventioniert, nicht jedoch mobile Geräte.

Auch bei den Grünen im Heidelberger Gemeinderat fordert man, den flächendeckenden Einsatz von Luftreinigungsgeräten schnell zu prüfen. „Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Schulen mehr eigenen Gestaltungsspielraum bei der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen bekommen, um kurzfristig kreative Lösungen zu entwickeln, die an die Gegebenheiten vor Ort angepasst sind“, so Gemeinderätin Anja Gernand. Björn Leuzinger (Partei) hält die Diskussion um Luftreiniger für müßig: „Da verschiedene Landtage, der Bundestag und einige Gemeinden bereits welche beschafft haben, können sie nicht so überflüssig sein.

Heidelberg: Keine Luftreiniger für Schulen, aber für andere städtische Gebäude

Für bestimmte Zimmer in städtischen Gebäuden scheint die Verwaltung Luftreiniger übrigens dennoch für sinnvoll zu halten: So plant man, in „größeren städtischen Sitzungs- und Besprechungsräumen 16 Luftreinigungsgeräte einzusetzen.“ Auch das geht aus der Antwort der Stadt Heidelberg auf die Anfrage von Föhr hervor. Weitere Informationen zur Stadt Heidelberg gibt es auf unserer Themenseite. (rmx)

Rubriklistenbild: © HEIDELBERG24/Robin Eichelsheimer

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