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Heidelberg: Uniklinik verschickt Corona-Tests per Post – mit diesem Ziel

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Von: Josefine Lenz

Heidelberg - Das Uniklinikum startet eine Studie mit Bewohnern vom Rhein-Neckar-Kreis. Dafür werden neu entwickelte Corona-Tests per Post verschickt.

Wer in den kommenden Tagen seine Post aus dem Briefkasten holt, wird dabei möglicherweise einen Brief vom Universitätsklinikum Heidelberg finden. In dem Umschlag befindet sich entweder ein Corona-Fragebogen oder ein Röhrchen mit Kochsalzlösung. Außerdem enthält der Brief eine wichtige Bitte um die Teilnahme an einer Studie zur Coronavirus-Überwachung. Wie die Uniklinik Heidelberg mitteilt, soll die Studie „Virusfinder“ neue Erkenntnisse zu Covid-19 liefern. Ziel ist es, eine leicht umzusetzende und gleichzeitig kostengünstige Teststrategie zu finden, mit der ein Ansteigen der Infektionszahlen in der Bevölkerung großflächig überwacht werden kann. Das ist insbesondere zu Beginn der Grippe- und Erkältungssaison wichtig, um Test- und Bettenkapazitäten der Region zu schonen, wie es in der Pressemitteilung der Fakultät heißt.

FakultätUniversitätsklinikum Heidelberg
Gründung1388
Mitarbeiter13.732

Heidelberg: Corona-Studie vom Uniklinikum – Probanden erhalten Corona-Test per Post

Seit dem 19. November werden über 28.000 Einwohner von Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis angeschrieben. Die Auswahl dieser Personen ist vollkommen wahllos, es spielen weder Alter noch Geschlecht eine Rolle. Wer einen Fragebogen erhält, der soll bei einer kurzen Online-Befragung zu Covid-19-Symptomen mitmachen. Bei Hinweisen auf eine mögliche Corona-Infektion werden die Teilnehmer anschließend um die Speichelprobe gebeten.

Wer ein Röhrchen mit Kochsalzlösung im Briefumschlag findet, der soll wiederum eine Speichelprobe schicken. Wichtig: Diese stollte auf nüchternen Magen vor dem Frühstück entnommen werden. Bei der Probe wendet die Uniklinik ein anderes Verfahren statt des „normalen“ Corona-Tests mit Rachenabstrich an. Die Probanden müssen gurgeln und dann die Speichelprobe in das beigefügte Röhrchen geben. Die neue Methode, die in Heidelberg mitentwickelt wurde, „ist ähnlich zuverlässig wie der gängige PCR-Nachweis aus einem Rachenabstrich, ist aber einfacher zu handhaben und deutlich kostengünstiger“, so das Uniklinikum Heidelberg. Wichtig ist, dass die Probanden nach dem Gurgeln sofort die Speichelprobe ins Labor schicken, um eine aussagekräftige Analyse überhaupt möglich zu machen.

Heidelberg: Corona-Studie der Uniklinik – „Ausbreitung der Pandemie besser verstehen“

Die Wissenschaftler wollen anhand der Speichelproben verschiedene Corona-Überwachungsstrategien für die Allgemeinbevölkerung hinsichtlich ihrer Aussagekraft und Kosteneffizienz testen. „Wir benötigen Flächentestungen, um die Rolle der symptomlosen SARS-CoV-2-Infektionen bei der Ausbreitung der Pandemie besser verstehen und Hotspots früh identifizieren zu können. Nur wenn wir die tatsächliche Ansteckungsrate kennen, werden wir in der Lage sein, rechtzeitig und, wenn möglich, lokal begrenzte Gegenmaßnahmen zu treffen“, erläutert Studienleiter Dr. Andreas Deckert vom Heidelberger Institut für Globale Gesundheit am Universitätsklinikum Heidelberg. „Ansonsten schlittern wir auch zukünftig möglicherweise von einem Lockdown in den nächsten.“ Wissenschaftler vermuten, dass rund 40 Prozent aller Corona-Infektionen ohne Symptome verlaufen und größtenteils unerkannt bleiben. Das macht eine Abschätzung der genauen Infektionslage und Prognosen zur Auslastung des Gesundheitssystems sehr schwierig.

Die Studie läuft bis kurz vor Weihnachten. Die Strategie im Rahmen der Studie aus Heidelberg soll bei Bedarf so schnell wie möglich 2021 flächendeckend eingeführt und die Auswertung der Studienergebnisse publiziert werden. „Diesen Fahrplan können wir nur einhalten, wenn sich möglichst viele der angeschriebenen Probanden an der Studie beteiligen. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Kontrolle der Pandemie“, betont Dr. Deckert. Wer keinen Brief erhält, der kann sich nachträglich nicht für die Studie melden. (jol/pm)

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