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Corona-Testschiff „Alt Heidelberg“: Organisator erklärt das außergewöhnliche Projekt

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Von: Florian Römer

Blick auf den Wartebereich am Corona-Testschiff „Alt Heidelberg“ in der Heidelberger Altstadt.
Das Corona-Testschiff „Alt Heidelberg“. © privat

Heidelberg-Altstadt - Ende März eröffnete auf der „Alt Heidelberg“ das dritte Corona-Schnelltestzentrum der Universitätsstadt. Mitorganisator Philipp Hornung erzählt, wie es dazu kam:

Wir wollen was bewegen, damit wieder Leben möglich ist“, erklärt Philipp Hornung die Idee, ein Corona-Schnelltestzentrum auf einem Fahrgastschiff auf dem Neckar einzurichten. Seit 29. März betreibt die „Weiße Flotte“ gemeinsam mit dem Wiesbadener Unternehmen „Safemeditec“ auf der „Alt Heidelberg“ am Neckarlauer das „Testschiff Heidelberg“. Bis dahin gab es in der 160.000-Einwohner-Stadt zwei Schnelltestzentren im Heidelgarden und im Pfaffengrund. „Wir wollten ein zentrales Testzentrum mitten in der Altstadt“, erzählt Mitorganisator Hornung im Gespräch mit HEIDELBERG24.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (Eurostat, 2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
SehenswürdigkeitenSchloss, Alte Brücke, Heiliggeistkirche

Victor Goll und der Heidelberger Sascha Binder von Safemeditec hatten Hornung zuvor angefragt, ob er wüsste, wo man in Heidelberg ein weiteres Testzentrum eröffnen könne. Hornung, im „normalen“ Leben Gastronom, begab sich im März auf die Suche in der Heidelberger Altstadt, schaute sich „fünf, sechs leer stehende Locations“ an. Hornung berichtet von verstörenden Vermieter-Antworten: „Da war eine Immobilienfirma, die uns eine Location zur Verfügung gestellt hätte ‒ allerdings mit einer Mindestvertragslaufzeit von drei Jahren.“ Als er zufällig an der Weißen Flotte vorbeikam, habe er umgehend den langjährigen Freund Florian Hofstätter angerufen. Hofstätters Vater Karl betreibt seit vielen Jahren das Fahrgastschiffunternehmen, Sohn Florian ist als Prokurist bei der Weißen Flotte tätig. Die Hofstätters waren sofort bereit, eins ihrer Schiffe als Corona-Testzentrum zur Verfügung zu stellen. „Florian hat bei allem mitgezogen und sich richtig engagiert“, betont Hornung.

Heidelberg: Corona-Schnelltests auf Neckar-Fahrgastschiff

Dann ging alles sehr schnell“, sagt Philipp Hornung, der sich um die Organisation und das Personal auf dem Testschiff kümmert. Mitte März sei die Entscheidung gefallen, es auf der „Alt Heidelberg“ zu versuchen. In wenigen Tagen wurde ein Hygienekonzept entwickelt, das Schiff in zwei Nächten zum Testcenter umfunktioniert. Ihm sei es ein Anliegen zu zeigen, „was autark passieren kann, wenn man sein Netzwerk ausschöpft“, bekräftigt Hornung. Von der Stadt Heidelberg habe er sich etwas mehr Unterstützung erhofft ‒ eine Anfrage beim Verkehrsamt nach einer Ampel, um die Testpersonen zu leiten, sei bislang leider unbeantwortet geblieben.

Das Corona-Testschiff der Weißen Flotte auf dem Neckar in der Heidelberger Altstadt.
Das Corona-Testschiff auf dem Neckar in der Heidelberger Altstadt. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Beispielhaft ist hingegen die Unterstützung der Heidelberger“, erzählt Hornung weiter: Marco Panzini habe ohne zu zögern aus dem Joe Molese Plexiglastrennwände für den Empfangsbereich zur Verfügung gestellt. Als für Ostermontag Regen angesagt war, brachte der Chef eines lokalen Getränkeunternehmens am Vorabend mehrere Sonnenschirmen zum Testschiff ‒ „ohne nach einer Gegenleistung zu fragen“, freut sich Hornung. Und wie finden die Heidelberger das Testzentrum in der Altstadt? „Das Schiff hat Charme“, findet eine Frau, die am Mittwoch (7. April) einen Nasenabstrich hat vornehmen lassen, ihren Namen aber nicht nennen möchte: „Zentrale Lage, superfreundliches Personal und ein unkomplizierter Ablauf.

Heidelberg: Kostenlose Corona-Schnelltests auf Testschiff

Die Testpersonen werden in einem Einbahnstraßensystem von der Rezeption am Schiffseingang zu den zwei Teststationen auf dem Mitteldeck geleitet. Eine vorherige Terminbuchung auf testschiff.de ist nicht unbedingt erforderlich. „Man kann sich auch kurzfristig entscheiden und den QR-Code am Schiff einscannen“, erklärt Hornung. Über den Kölner Tickethändler „Ticket i/O“ bekomme man dann seinen persönlichen Ticket-Code, den man zusammen mit seinem Ausweis im Empfangsbereich vorzeigt. Für die verwendeten Antigen-Schnelltests (Sensitivität: 97%, Spezifizität 98%) reiche ein Abstrich der beiden vorderen Nasenflügeln. Das Testergebnis kommt nach etwas mehr als 15 Minuten per Mail aufs Handy. Ticket i/O arbeite gerade an der Verzahnung mit der Luca-App.

Die „Alt Heidelberg“ wurde zum Corona-Schnelltestzentrum umfunktioniert.
Corona-Testschiff Heidelberg auf dem Neckar. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Kosten fallen für den Schnelltest übrigens nicht an. In seiner Corona-Testverordnung vom 8. März hat der Bund festgelegt, dass Bürger sich „im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten mindestens einmal pro Woche“ einem PoC-Antigen-Test unterziehen können (§5). Die Kosten für den Test rechnen die Betreiber direkt über die Kassenärztlichen Vereinigung ab ‒ bis zum 30. April im Einzelfall bis zu 101 Euro , ab dem 1. Mai höchstens 82,96 Euro.

Heidelberg: 2.700 Corona-Tests im Altstadt-Testzentrum

Bislang wurden auf dem Testschiff Heidelberg rund 2.700 Corona-Schnelltests durchgeführt, am Mittwoch gab es die ersten beiden positiven Fälle. In diesem Fall wird die Testperson per Mail aufgefordert, sich unverzüglich in Quarantäne zu begeben und sich bei Hausarzt oder Gesundheitsamt bezüglich eines PCR-Tests zu melden. „Aus Sicherheitsgründen“ übermittelt die Betreiber-Gesellschaft zudem Name und Telefonnummer des/der Positivgetesteten an das zuständige Gesundheitsamt.

Blick auf die zwei Teststationen des Corona-Testschiffs in der Heidelberger Altstadt.
Die beiden Teststationen auf dem Testschiff. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Rund 30 Minijobber arbeiten in mehreren Schichten auf dem Testschiff, die Abstreicher wurden zuvor medizinisch geschult. Mittlerweile plant Hornung aber mit höherem Personalbedarf: Aktuell (8. April) ist ein mobiles Team des Testschiffs auf einer Frankfurter Baustelle im Einsatz und streicht die komplette Belegschaft ab. Auch Heidelberger Unternehmen haben bereits Interesse an Massentestungen ihrer Angestellten bekundet, verrät Hornung.

Heidelberg: Bald weiteres Testzentrum in der Altstadt?

Neben dem Testschiff könnte es bald ein weiteres Corona-Testzentrum in der Heidelberger Altstadt geben. Angedacht ist eine Kooperation von Safemeditec mit einer renommierten Einrichtung, die seit Monaten ungenutzt ist. Konkrete Details will man aber noch nicht nennen. Anfang kommender Woche soll es diesbezüglich nähere Informationen geben. (rmx)

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