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Heidelberg: Absage an Celonic – CureVac stellt Impfstoff woanders her

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Von: Florian Römer

Das Unternehmen Celonic in Heidelberg
Das Unternehmen Celonic in Heidelberg produziert doch nicht den Corona-Impfstoff für CureVac. © HEIDELBERG24/Florian Römer

Heidelberg - Jetzt also doch nicht. Weil ihr Impfstoff weniger nachgefragt wird als erwartet, wird die Tübinger Biotech-Firma Curevac das Corona-Vakzin nicht in Heidelberg produzieren: 

Der Corona-Impfstoff von Curevac wird doch nicht in Heidelberg hergestellt. Das teilte das Biotech-Unternehmen am Dienstag (14. September) mit. Entsprechende Produktions-Verträge mit der Schweizer Pharma-Firma Celonic und Wacker Chemie (München) würden gekündigt, hieß es aus Tübingen. Grund für die Entscheidung sei die „geringere kurzfristige Spitzennachfrage nach Impfstoffen im Anschluss an die erste Welle der Pandemie-Impfanstrengungen“. Dies habe zu einer „veränderten Nachfrage“ von Curevacs Impfstoff CVnCoV geführt.

Curevac: Impfstoff mit niedriger Wirksamkeit

Das mRNA-Vakzin der ersten Generation wird aktuell von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA geprüft. Ob die EMA den Impfstoff zulassen wird, ist indes weiterhin offen. Ende Juni hatte Curevac bekannt gegeben, dass die Wirksamkeit seines Impfstoffkandidaten CVnCoV niedriger sei als die anderer Impfstoff. Das Tübinger Biotechunternehmen war Anfang Juli davon ausgegangen, dass die EMA den Impfstoff trotz geringer Wirksamkeit zulassen wird.

UnternehmenCurevac
SitzTübingen
gegründet2000
Mitarbeiterca. 580
LeiterFranz-Werner Haas

Das Curevac-Präparat hatte einer finalen Analyse zufolge eine Wirksamkeit von 48 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung über alle Altersgruppen hinweg gezeigt. Die Bundesregierung hatte den Curevac-Impfstoff ursprünglich für die Impfkampagne eingeplant. An Curevac ist auch der Bund indirekt über die Staatsbank KfW zu 16 Prozent beteiligt. Auf diese Weise wollte die Politik das Unternehmen gegen eine mögliche Übernahme aus dem Ausland absichern.

Heidelberg: Curevac kündigt Produktionsvertrag mit Celonic

Laut Angaben von Curevac werden die „bestehenden Verträge mit Celonic für die Herstellung und Formulierung des mRNA-Wirkstoffs von CVnCoV gekündigt.“ Dr. Malte Greune, COO von Curevac: „Die Entwicklung von einer sehr hohen, kurzfristigen Pandemienachfrage hin zu einer langfristigen und breiten Verfügbarkeit von Impfstoffen hat uns dazu veranlasst, unsere unmittelbaren Anforderungen an die Produktionskapazitäten neu zu bewerten, um diese an den tatsächlichen kommerziellen und klinischen Kapazitätsbedarf für CVnCoV anzupassen.“ Finanzielle Details zu den Folgen wurden nicht bekannt.

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Auf Wacker Chemie hat die Kündigung des Vertrags keine größeren Auswirkungen, teilte der Münchner Konzern mit. Für den Geschäftsbereich Wacker Biosolutions habe das keinen wesentlichen Einfluss auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Wacker will die freiwerdenden Kapazitäten seiner niederländischen Impfstoffproduktion für andere Kunden nutzen.

Heidelberg: Celonic produziert doch keinen Curevac-Impfstoff

Da absehbar war, dass die eigenen Produktionsmöglichkeiten begrenzt sein würden, hat Curevac 2020 mit dem Aufbau eines externen europäischen Produktionsnetzwerk begonnen. Neben Celonic und Wacker sollte der Impfstoff auch von Rentschler Biopharma und Novartis hergestellt werden. Die Verträge mit den anderen Produktionspartnern bleibe bestehen, erklärte Curevac.

Das Unternehmen Celonic in Heidelberg
Das Pharma-Unternehmen Celonic in Heidelberg sollte den Corona-Impfstoff von CureVac herstellen. © HEIDELBERG24/Florian Römer

In Heidelberg sollte Celonic 100 Millionen Impfdosen produzieren, alleine 2021 waren 50 Millionen Dosen geplant. Etwa 160 neue Jobs wollte das Schweizer Pharma-Unternehmen am Czernyring schaffen, der Standort sollte auf rund 400 Mitarbeiter wachsen. An den Wachstumsplänen wolle man aber trotz der Kündigung durch Curevac festhalten, erklärte Celonic-Chef Konstantin Matentzoglu gegenüber der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Man sei sich sicher, dass man die freiwerdenden Produktionskapazitäten in Heidelberg anderweitig auslasten könne. Deshalb erwartet Matentzoglu „keine größeren Auswirkungen für den Standort.

Curevac entwickelt weiteren Corona-Impfstoff

Neben dem Vakzin CVnCoV arbeitet Curevac an einem weiteren Impfstoff: Ende 2021 soll eine Studie zu „CV2CoV“ beginnen. Dabei handelt es sich um einen Impfstoff der zweiten Generation, den Curevac gemeinsam mit GlaxosmithKline entwickelt. Den größten Anteil an Curevac hält der SAP-Mitbegründer und Investor Dietmar Hopp über die Dievini Hopp Biotech Holding.

Bei Dievini ist man weiterhin davon überzeugt, dass Curevac Erfolg haben wird. Zum Firmen-Portfolio von Dievini zählt auch „Apogenix“. Das Heidelberger Biotech-Unternehmen soll künftig Bundesfördermittel für die Forschung an einem Covid-19-Medikament erhalten. (rmx mit Material von dpa)

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