„Kitas und Schulen ganz öffnen“-Initiative

Zweite Demo am Uniplatz in Heidelberg: Elterninitiative kämpft weiter für Kitas & Schulen

Heidelberg - Seit Wochen sind die Schulen und Kitas geschlossen. Sowohl Eltern als auch Kinder leiden darunter. Jetzt fordert eine Elterninitiative die Öffnung aller Einrichtungen:

  • Seit zwei Monaten sind die Schulen in Baden-Württemberg geschlossen.
  • Für Eltern und Kinder stellt dies eine große Herausforderung dar.
  • Die „Kitas und Schulen ganz öffnen“-Initiative aus Heidelberg fordert jetzt die Öffnung aller Schulen und Kitas.

Update vom 29. Mai, 16:34 Uhr: Am Samstag (30. Mai) wird wiederholt gegen die aktuelle Lage an Schulen und Kitas in Baden-Württemberg demonstriert. Eltern, Schüler und Lehrer treffen sich um 11 Uhr am Uniplatz in Heidelberg, um ihren Unmut gegenüber der Landesregierung und Kultusministerin Eisenmann kund zu tun. Denn trotz der angekündigten Öffnung der Kitas, fühlen sich viele Eltern im Stich gelassen.

Im Gespräch mit HEIDELBERG24 sagt die Initiatorin, Dr. Hilberer, dass die Entscheidung der Landesregierung die jüngsten Kinder als Erstes zu versorgen, prinzipiell richtig sei; dennoch fehle ihr ein Zukunftsplan für alle Kinder. „Es reicht einfach nicht“, macht Dr. Hilberer klar. „Die Situation einfach auszusitzen, ist kein Konzept.

Am 30. Mai trifft sich die Elterninitiative am Uniplatz in Heidelberg, um zu demonstrieren.

Bei aller Wut und Frust, bekräftigt Dr. Hilberer allerdings immer wieder, dass der Protest der Elterninitiative sich nicht gegen die Corona-Verordnung richte. Keiner der Eltern dort würde die Maßnahmen oder gar die Pandemie infrage stellen und Dr. Hilberer möchte keine Demonstration, wie in Stuttgart, wo die Leute „eng an eng stehen“ und sich mit Verschwörungstheoretikern solidarisierten.

Heidelberg: Den Eltern reicht's: Initiative kämpft für Öffnung von Kita und Schule

Erstmeldung vom 22. Mai: Die vergangenen Monate haben unsere Gesellschaft auf eine Probe gestellt, wie sie keiner von uns je erlebt hat. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurden Geschäfte geschlossen, die Arbeit niedergelegt und die Schulen pausiert. Auch wenn die Corona-Krise längst nicht vorbei ist, wagen Politik und Gesellschaft die ersten Schritte in die viel zitierte „neue Normalität“: Die Geschäfte öffnen, die Bundesliga läuft an und es ist wieder möglich im Restaurant Essen zu gehen. Zwar herrscht noch das Kontaktverbot und vielerorts die Maskenpflicht, doch diese „neue Normalität“ fühlt sich nichtsdestotrotz besser an als Isolation in den eigenen vier Wänden.

NameHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl160.355 (Stand 31. Dezember 2018)
Fläche108,84 Quadratkilometer
OberbürgermeisterEckart Würzner (parteilos)
Hochschulen und UniversitätenRuprecht-Karls-Universität, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, SRH Hochschule Heidelberg

Für all die Väter und Mütter in Deutschland bleibt allerdings nicht viel Zeit, um diese „neuen“ Errungenschaften im Kampf gegen Corona zu genießen. Denn sie müssen noch immer den Spagat zwischen Beruf, Haushalt und das Home-Schooling ihrer Kinder hinbekommen. Denn Schulen und Kitas bleiben für den Großteil der Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg weiterhin geschlossen, während in den Fußgängerzonen der Städte wieder reger Betrieb herrscht. Für viele Eltern ist diese paradoxe Entwicklung unerklärlich: Während der Rest der Gesellschaft in die neue Normalität schreitet, werden Familien links liegen gelassen. Eine Initiative aus Heidelberg will jetzt, dass Eltern in Baden-Württemberg entlastet werden und den Kindern wieder Bildung und Betreuung genießen können.

Heidelberg: Elterninitiative fordert „sofortigen Strategiewechsel in der Bildungspolitik“

In einem offenen Brief an das baden-württembergische Kultusministerium prangern die Sprecherinnen der Elterninitiative „Kitas und Schulen ganz öffnen“ den Umgang mit Schulen und Kitas an und fordern einen „sofortigen Strategiewechsel in der Bildungspolitik“. Die beiden Autorinnen, Dr. Lydia Hilberer und Dr. Anja Titze, berufen sich dabei sowohl auf internationales Recht als auch auf deutsche Rechtssprechung. Denn nach UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht auf Teilhabe und Bildung und nach deutschem Gesetz hat der Staat diesen Bildungsauftrag zu erfüllen.

Die einhergehenden Probleme, die flächendeckende Schulschließungen mit sich ziehen, werden ebenfalls von der Elterninitiative thematisiert. Für viele Kinder bildet Schule und die Kindertagesstätte die einzige Förderung und Bildung im Leben. Kinder aus bildungsfernen Familien würden benachteiligt werden und der spätere Werdegang maßgeblich beeinflusst. „Die Krise drängt gerade diese Kinder weiter ins Abseits“, argumentieren die Autorinnen. Außerdem sei für viele Kinder, die Opfer von häuslicher Gewalt sind, die Schule der einzige sichere Rückzugsort.

Auch für die Väter und Mütter in Baden-Württemberg sei die Corona-Krise eine überwältigende Belastung, findet die Elterninitiative. Wenn Schulen gegen Ende Juli wieder den Betrieb aufnehmen sollen, stehen die Sommerferien unmittelbar vor der Tür. Wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise mussten aber viele Eltern schon ihren Jahresurlaub nehmen und stehen jetzt vor dem Dilemma: Arbeiten oder sich um ihre Kinder kümmern? „Wir Eltern haben keine Schulferien, sofern wir nicht selbst Lehrer sind. Nur die wenigsten berufstätigen Mütter und Väter haben (noch) so viele Urlaubstage“, klagen die Initiatoren.

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Die „Kitas und Schulen ganz öffnen“-Initiative sieht außerdem die fehlende soziale Interaktion zwischen Kindern und Lehrer als großes Problem in der aktuellen Lage. „Ein Tablet ersetzt das nicht“, sagt Dr. Hilberer im Gespräch mit HEIDELBERG24. Gerade für Kinder und Jugendliche sei eine persönliche Bindung zum Lehrer maßgeblich für den schulischen Erfolg. Die einhergehenden technischen Probleme ganz zu schweigen: Denn eine Voraussetzung für den digitalen Unterricht sei eine gute Infrastruktur; doch nicht alle Familien haben stabile Internetverbindungen oder ausreichende Hardware für ihre Kinder.

Elterninitiative aus Heidelberg: Forderungen an die Landesregierung

Die Elterninitiative fordert die baden-württembergische Landesregierung auf „die Verantwortung für die Bildung zu übernehmen, anstatt sie auf die einzelnen Schulen, Lehrer und Eltern abzuwälzen.“ Denn momentan sollen alle Schulen selbst darüber entscheiden, wie sie Situation handhaben, erklärt Dr. Hilberer im Interview mit HEIDELBERG24. Dies sei eine sehr impraktikable Lösung für Eltern, die Kinder in verschiedenen Schulen haben und sich mit verschiedenen Regelungen auseinandersetzen müssen. Dr. Hilberer, die selbst drei Kinder hat, findet, dass die Landesregierung es sich damit zu einfach macht und fordert eine landesweite Regelung für alle Schulen und Kitas.

In ihrem offenen Brief an das Kultusministerium macht die „Kitas und Schulen ganz öffnen“-Initiative vier grundlegende Forderungen: „Nehmen Sie alle Lehrer in die Pflicht“; „Kippen Sie die Altersgrenze von 60 Jahren“; „Rekrutieren Sie zusätzliches Lehrer- und Kitapersonal“ und „Sorgen Sie dafür, dass Städte und Landkreise zusätzliche Räumlichkeiten schaffen“.

Unterricht in einer Mannheimer Werkrealschule nach der Coronapause.

Konkret fordert die „Kitas und Schulen ganz öffnen“-Initiative, dass die Landesregierung die Lehrer in die Pflicht nimmt und diese einsetzt, um den Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg eine Bildung trotz Corona zu ermöglichen. „Wir lassen es nicht mehr zu, dass sich manche Lehrer bei vollem Gehalt einzig darum bemühen, die Krise auszusitzen und die Verantwortung auf die Eltern abzuwälzen“, beschweren sich die Autorinnen in ihrem offenen Brief.

Zusätzlich zu der Personalaufstockung befürwortet Dr. Hilberer den Ausbau der Räumlichkeiten für Kitas und Schulen. Hierbei seien provisorische Container, Hallen oder Räume in Volkshochschulen denkbar, um kleinere Klassengrößen unterrichten zu können. Für sie ist ein regulärer Präsenzunterricht die einzige Lösung für die Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg.

Elterninitiative plant Demonstration am Uniplatz in Heidelberg

Die Forderungen der Elterninitiative sind groß, auch wenn die Gruppe noch in Kinderschuhen steckt. Im Gespräch mit HEIDELBERG24 erklärt Dr. Hilberer, dass die 50 bis 100 Unterstützer hauptsächlich befreundete Eltern seien, deren Kinder gemeinsam in die Schule gehen. Der Frust über die „halbseitigen Lösungen der Landesregierung, mit der sie sich von Woche zu Woche hangelt“ habe dann schließlich das Fass zum Überlaufen gebracht. In einer WhatsApp-Gruppe kommuniziert Dr. Hilberer mit anderen gefrustete Eltern und gründete schlussendlich die Initiative „Kitas und Schulen ganz öffnen“.

Am Samstag (23. Mai) versammelt sich die Elterninitiative am Uniplatz in Heidelberg, um ihren Unmut gegenüber der Landesregierung kund zu tun. Ab 11 Uhr können sich Eltern, Schüler und Sympathisanten in der Heidelberger Innenstadt versammeln, um für die Öffnung aller Schulen und Kitas zu demonstrieren. Doch Dr. Hilberer macht dabei deutlich, dass sich ihre Protest-Aktion von den Corona-Demonstrationen in Stuttgart abgrenzt. Die Initiative „Kitas und Schulen ganz öffnen“ stellt weder die Pandemie noch den Lockdown infrage und sie befürwortet die gängigen Hygiene- und Abstandsregeln. „Wir distanzieren uns von Verschwörungstheoretikern“, macht Dr. Hilberer deutlich. „Aber wir setzen uns für die Zukunft unserer Kinder ein.“

Weitere Neuigkeiten zu Kita und Schulen in Heidelberg

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