Drei Tote nach Schüssen in Hochhaus

Abschiedsbrief gefunden: Neue Details zum Familiendrama im Emmertsgrund!

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Im 15. Stock eines Gebäudes am Otto-Hahn-Platz spielt sich in der vergangenen Nacht ein Familiendrama mit drei Toten ab. 

Heidelberg-Emmertsgrund - Großeinsatz der Polizei, SEK, Hubschrauber und Hundestaffel: Es fallen Schüsse in einem Hochhaus! Jetzt ist klar: Es handelt sich um ein Familiendrama. Alle Entwicklungen:

+++UPDATE (21. Dezember 17:15 Uhr)

Einzig die Kerzen vor der Eingangstür des Wohnblocks am Otto-Hahn-Platz erinnern an die schrecklichen Szenen des 19. Dezembers.

Drei Tage nach dem schrecklichen Familiendrama mit drei Toten am Otto-Hahn-Platz: Wie gehen die Nachbarn mit dieser Tragödie um? Wie sicher fühlen sie sich jetzt noch im Emmertsgrund?  

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+++ UPDATE (21. Dezember): 

So viele Waffenbesitzer leben in Heidelberg

Der Mann, der sich selbst, seine Ehefrau und seinen Sohn tötete, war Mitglied im Schützenverein. Die Tatwaffe besaß der 71-Jährige legal, mit Waffenschein. Nach Angaben der Stadt Heidelberg gibt es in der Stadt aktuell 1.511 Waffenbesitzer und insgesamt 2.380 ausgestellte Waffenscheine. Bei 491 Heidelberger Waffenbesitzern handelt es sich um Sportschützen.

Wer eine private Waffe besitzt, sei an gesetzlich definierte Vorschriften gebunden, so eine Sprecherin der Stadt. In der Regel seien Waffenschränke oder -tresore erforderlich, die eine vorgegebene Sicherheitsklassifizierung aufweisen müssen. Die Aufbewahrung dieser privaten Waffen würde von den Waffenbehörden regelmäßigen Kontrollen unterzogen. Dies könne auch unangekündigt geschehen.

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20. Dezember, 16:40 Uhr:

Wie die Polizei am Tag nach dem Familiendrama mitteilt, habe die Obduktion der Leichen den bislang angenommenen Tatablauf bestätigt. Demnach habe der 71-Jährige zunächst seine Ehefrau und den Sohn mit einer Pistole erschossen und sich danach selbst das Leben genommen. Die Pistole habe er legal besessen.

Bei dem Familienvater sei ein Abschiedsbrief gefunden worden. Darin gibt er wohl seine schwere Erkrankung als Motiv seines Handelns an. Die Frage, ob es sich dabei um eine psychische oder eine physische Erkrankung handelt, kann ein Sprecher der Polizei auf HEIDELBERG24-Anfrage nicht beantworten. 

Die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg und des Dezernats Kapitalverbrechen der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg dauern an.

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15 Uhr:

Der Schock in der Nachbarschaft rund um das Hochhaus am Otto-Hahn-Platz sitzt tief. Viele Bewohner des Wohnblocks konnten während des Einsatzes nicht in ihre Wohnungen – zu ihrer eigenen Sicherheit. „Ich bin nach Feierabend nach Hause gekommen und mir wurde einfach nur gesagt dass ich nicht hoch darf, da jemand mit einer Waffe rumläuft. Und dass es viel zu gefährlich für die Leute wäre, da jetzt einfach hochzulaufen", erzählt Anwohnerin Özge Kumlu von der Schreckensnacht. 

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Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen ist davon auszugehen, dass der 71-Jährige seine Frau (75) und seinen Sohn (43) getötet hat und sich anschließend selbst das Leben nahm. Der mutmaßliche Täter hatte einen Waffenschein.

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11 Uhr:

Am späten Dienstagabend ruft eine Frau kurz vor 22 Uhr bei der Polizei an. Grund sind Schüsse, die in einer Wohnung fallen. Der Bereich um den Wohnkomplex wird großräumig abgesperrt. Am Morgen (19. Dezember) ist davon kaum noch etwas zu sehen. Vor Ort sprechen mit dem Hausmeister und wissen nun, dass es sich bei der Bluttat definitiv um ein Familiendrama handelt, dass sich so nicht abgezeichnet hat:  

„Ich bin um 22:45 Uhr gerufen worden über die Polizei, dass ich her muss, dass hier das SEK vor der Türe steht und bin dann auch her weil ich die Schlüsselgewalt habe und das Hausrecht habe, musste ich den Herrschaften dann hier öffnen, damit die auf die Dächer können", erzählt uns Hausmeister Ingo Ellerhold.

Im Anschluss nimmt die Polizei das Gebäude ein. Der Hausmeister muss sich zurückziehen. Erst später wird er in den 15. Stock gerufen und berichtet: „Da war ich schon ein bisschen geschockt, weil ich ja nicht genau wusste, wo das ist und weil die Familie eigentlich recht nett war oder zumindest die Frau. Das hat mich schon getroffen, vor allem, weil ich die am Freitag noch gesehen habe, die Frau, die bei mir im Büro war.“

Gegen 00:45 Uhr kommt es zur Sprengung der Wohnungstür. Ingo Ellerhold muss noch bis in die frühen Morgenstunden um 4 Uhr vor Ort bleiben. Er sieht sogar eine der drei Leichen und blickt ergriffen zurück auf die letzte Nacht„Ich bin schon mitgenommen von der Sache hier. Das Objekt liegt mir ja auch am Herzen eigentlich. Und vor allem tut es mir halt Leid um die Leute.“ 

Bei diesen handelt es sich, wie Ingo Ellerhold uns berichtet, um eine dreiköpfige Familie. Das Ehepaar, der Ehemann 71, die Frau 75 Jahre alt, wohnt in einer Vier-Zimmer-Penthouse-Wohnung im 15. Stock. Ihr Sohn (43) ist wohl nur zu Besuch und Mitglied im Schützenverein. Wie die Polizei mitteilt, hat auch der Vater einen Waffenschein. 

Zudem sprechen wir mit einem Anwohner, der erst am Morgen von der Bluttat erfährt. Nur kurze Zeit später fällen er und seine Frau eine Entscheidung: „Wir haben wirklich Angst. Familie und drei Kinder. Das ist zu viel. Wir wollen umziehen. Ich habe gerade eben mit meiner Frau geredet und so geht‘s nicht weiter.“

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Die Erstmeldung (19. Dezember, 6 Uhr):

Am Dienstagabend (18. Dezember) kurz vor 22 Uhr ruft eine Frau bei der Polizei an: Schüsse sollen in einer Wohnung in einem Hochhaus im Stadtteil Emmertsgrund gefallen sein. Der Bereich um den Wohnkomplex wird großräumig abgesperrt.

Aufgrund der unklaren Lage rückt das Spezialeinsatzkommando der Polizei Baden-Württemberg (SEK BW) an. Auch ein Polizeihubschrauber und eine Hundestaffel sind im Einsatz. 

Nach Schüssen in Wohnung: Großeinsatz der Polizei in Heidelberg

Um 23:45 Uhr trifft ein Rettungswagen und ein Notarztfahrzeug am Hochhaus an

Gegen 0:30 Uhr zünden die Einsatzkräfte des Spezialeinsatzkommandos eine Blendgranate und stürmen die Wohnung. Darin entdecken die Beamten die Leichen von drei Personen.

Dabei handelt es sich um zwei Männer und eine Frau. Aufgrund der derzeitigen Erkenntnisse gehen die Ermittler davon aus, dass sich der Täter unter den Toten befindet. 

Die Umstände der Tat sind noch völlig unklar. Die Kriminaltechnik führt derzeit die Spurensicherung durch. Es werde nach ersten Erkenntnissen von einem Familiendrama ausgegangen, sagt ein Polizeisprecher am Mittwoch. 

In der Wohnung im 15. Stock finden die Polizisten auch eine Schusswaffe. Ob die drei gemeinsam in der Wohnung wohnten, war zunächst unklar.

Die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg und des Dezernats Kapitalverbrechen der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg dauern an. 

Noch am frühen Mittwochmorgen sind Spurensicherer in der Wohnung. Der Hausmeister sagt, die Polizei sei in diesem Mehrfamilienhaus öfter im Einsatz. Die Gegend gilt als sozialer Brennpunkt.

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Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111.

pol/pri/kp/dpa/kab

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