Warten auf Gutachten

Motiv unklar! Amokfahrer (35) schweigt weiter

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An dieser Stelle fuhr der 35-jährige Verdächtige drei Passanten um, tötete einen Mann (73).

Heidelberg – Wird er sich jemals zu seiner schrecklichen Bluttat äußern? Ein Gutachten soll jetzt zumindest seine mögliche Schuldunfähigkeit prüfen - doch das kann dauern:

Nicht nur ganz Heidelberg wartet gespannt auf die Beweggründe des deutschen Informatik-Studenten, der am 25. Februar auf dem Bismarckplatz mit einem schwarzen Mietwagen in eine Menschenmenge gefahren ist (WIR BERICHTETEN). 

Ein Heidelberger (†73) erlag zwei Stunden später seinen schweren Verletzungen, ein Pärchen (32/29) kam mit Prellungen davon.

Mann nach Amokfahrt niedergeschossen!

Doch jetzt müssen wir alle uns wohl auf längere Ermittlungen einstellen! So zumindest die Einschätzung der zuständigen Justiz.

Die Wohnung wurde durchsucht, das Umfeld befragt, aber er selbst äußert sich weiterhin nicht“, so Heidelbergs Oberstaatsanwalt Romeo Schüssler am Mittwoch (8. März) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. 

Zumindest betrunken sei der Verdächtige zur Tatzeit nicht gewesen – der Drogentest ist noch offen: „Ein Alkoholgehalt von etwa 0,16 Promille wurde im Blut gemessen, der Befund für Betäubungsmittel steht aus.

Mit Sicherheit noch Wochen dauern“ werde laut Schüssler ein Gutachten bezüglich einer eventuellen Schuldunfähigkeit etwa aufgrund einer Depression. Und er schränkt gleich ein: „Nicht jede schwere Erkrankung führt zur Schuldunfähigkeit.“  

Mittlerweile sei ein Pflichtverteidiger für den anderem wegen Mordes und versuchten Mordes unter Haftbefehl stehenden Mannes bestellt. Hinweise auf ein politisches oder religiöses Motiv gebe es nicht. Bis zu seiner Todesfahrt war er noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

Und auch gegen die unzähligen beleidigenden Internet-Kommentare in den sozialen Medien, gegen die sich das Polizeipräsidium aufsehenerregend wehrte, geht die Staatsanwaltschaft vor! „Wir bewerten sie nun nach strafbarem Inhalt“, hat Schüssler ein Auge auf die Tweets und Postings, von denen am Mittwoch die ersten Fälle bei der Justiz eingereicht wurden.

Rückblick

Am 25. Februar lenkt der 35-Jährige kurz vor 16 Uhr einen gemieteten Opel Astra auf den belebten Bismarckplatz, fährt vor einem Bäckerei-Verkaufsstand an der „Galeria Kaufhof“ drei Passanten um – eine vierte Person rettet sich durch einen Sprung beiseite.

Der Fahrer steigt danach aus und läuft mit einem Küchenmesser bewaffnet die Bergheimer Straße entlang in Richtung Thibaut-Straße. An der Haltestelle „Altes Hallenbad“ wird er schließlich von mehreren Polizisten gestellt.

Doch statt sein Messer trotz mehrfacher Aufforderung niederzulegen, bedroht er die Beamten. Nach dem erfolglosen Einsatz von Pfefferspray fällt schließlich ein Schuss aus einer Dienstwaffe, um den potenziellen Angriff zu stoppen. Wie der Oberstaatsanwalt betont, läuft gegen den Polizisten ein Prüfungsverfahren – kein Ermittlungsverfahren!

Mit einem lebensgefährlichen Bauchdurchschuss wird der Student schließlich in einer Heidelberger Klinik erfolgreich notoperiert. Seither schweigt der mutmaßliche Amokfahrer zu den Vorkommnissen, sitzt seit seiner Verlegung im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg.

OB Würzner und Bürger trauern um Opfer

Währenddessen liegt noch bis 10. März im Heidelberger Rathaus ein Kondolenzbuch aus: Montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr zugänglich.

>>> Hier geht‘s zu unserer großen Themenseite zur Amokfahrt in Heidelberg <<<

dpa/pek

Fotos vom brennenden Fiat

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Fotos von „Cook your Future“

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„Cup der Legenden“: Fotos von der Charity-Gala 

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