Von flachwichsenden Zuhörern und syrischen Erdnüssen

Poetry Slam im DAI: Angriff auf die Lach- und Denkmuskeln

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Florian Cieslik aus Frankfurt
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Christan Offe aus Gießen
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Christan Offe aus Gießen
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Sara Schreiner aus Frankenthal
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Sara Schreiner aus Frankenthal
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Am Ende der ersten Gruppenrunde klatschte das Publikum Christian Offe (m) ins Finale.
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Phriedrich Chiller aus Sandhausen
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Phriedrich Chiller aus Sandhausen

Heidelberg - Wenn französische Esel auf griechische Sagenhelden treffen, dann muss wieder Poetry Slam sein. Im Deutsch-Amerikanischen Institut zündeten neun Künstler ein Feuerwerk der Worte. Word up!

Seit Jahren erobert das Phänomen Poetry Slam durch seinen einmaligen Mix aus Literatur und Performance nicht nur die Bühnen von Kulturhäuser und Clubs, sondern auch die Herzen der Zuhörer. Mittlerweile ist die deutschsprachige Slam-Szene zur größten nach der englischsprachigen avanciert.

Zum vorerst letzten Mal für dieses Jahr präsentierten neun Künstler aus ganz Deutschland vor knapp 250 Zuhörern im Deutsch-Amerikanischen Institut ihre Texte. Die Regeln beim Slam: denkbar einfach. Die Texte müssen selbstgeschrieben sein, es dürfen keine Requisiten benutzt werden und jeder Slammer hat sechs Minuten Zeit. In drei Gruppen à drei, bzw. vier Personen performten die Wortakrobaten um die Gunst des Publikums, das pro Gruppe einen Gewinner durch lautes Klatschen ins Finale beförderte. Die Finalisten traten mit einem weiteren Text dann um den Gesamtsieg gegeneinander an. Auch wenn dieser zweitrangig war, ging es doch in erster Linie um das Wort.

Christian Offe begeisterte das Publikum mit seiner Gesellschaftskritik „mit einfachen Wörtern“.

Als erstes betrat Florian Cieslik die kleine Bühne und dichtete - durch einen Griechenlandurlaub inspiriert - auf komödiantische Weise die Prometheus-Sage um. Am Ende stand für den Frankfurter fest: Es geht doch eigentlich nur darum, was wir mit dem Feuer Prometheus' machen. Christian Offe aus Gießen begeisterte das Publikum mit seiner lethargischen Art - und seiner Gesellschaftskritik „mit einfachen Worten“. Dabei erzählte er über die Schwierigkeit beim Erstellen von To-do-Listen, Spülen und Hindernisse des Alltags, die sich einem noch vor dem Aufstehen in den Weg stellen. Als letzte Slammerin der ersten Gruppe betrat Sara Schreiner die Bühne. Die Frankenthalerin feierte an dem Abend ihren 18. Geburtstag und lieferte den passenden Text über die neugewonnen Privilegien der Volljährigkeit - dazu gehört selbstverständlich auch die Verführung des Klassenlehrers. Das Publikum wählte Christian Offe ins Finale.

Stefan Unser aus Malsch wollte nicht um den heißen (Reis)Brei reden und ging als Sieger der zweiten Gruppe hervor.

Phriedrich Chiller aus Sandhausen eröffnete mit drei Gedichten die zweite Runde. Dabei ging es um rote Fäden, kommerzielles Fleisch und Diskussionen mit seiner Freundin über humane Schlachtungen und schloss treffend ab: „Wenn man oben in der Nahrungskette steht, werden die ganz unten groß gepflegt und dann in Scheiben aufs Brot gelegt.“ Sylvie Le Bonheur aus Mannheim gab eine sexuelle Anekdote zum Besten und stellte dabei die überaus interessante Verbindung aus Taschenlampen, die keine sind, und karamellisierten Erdnüssen aus Syrien her. Stefan Unser, a.k.a. WortArtiG machte dagegen deutlich, dass der Reisbrei nichts für unsere Probleme kann, auch wenn er metaphorisch für alles stehen kann. Dabei ging es dann auch um relative Schönheiten, grundlos fröhliche Menschen, und die Genugtuung, wenn er linksblinkenden Audifahrern die Freude am Überholen zurückbringt. Beim Auftritt von Renato Kaiser wurde es dann wieder ernster - und das, obwohl der Schweizer inständig hofft, dass Schweizerdeutsch bald Englisch ersetzt. In seinem Gedicht „Wie dumm von mir“ erzählte er von einem Gespräch mit seiner Schwester über die eigene Unbelehrbarkeit, Übersensibilität und Schrauben. Das Publikum klatschte Stefan Unser als zweiten Finalisten in die Endrunde.

„Tim Bendzko in hässlich“: Thomas Spitzer beanspruchte die Lachmuskeln des Publikums wie kein anderer an diesem Abend. Der Regensburger durfte als strahlender Sieger des Abends den Schokopokal entgegennehmen. 

Nach der Pause eröffnete Heiner Lange die letzte Vorrunde. Der Münchner ließ sich über die Absurdität des vermeintlichen Individualtourismus aus und sprach dabei zu gleichen Teilen mit Zunge und Körper. Besonders schön: seine Nachahmung, wenn 700 Backpacker gemeinsam einen „Geheimtipp“ aus dem Lonely-Planet-Reiseführer anbeten. Die Messlatte war hochgelegt für die letzte Gruppe am Abend. Und dann kam Thomas Spitzer. Der Regensburger, der sich selbst als „Tim Bendzko in hässlich“ vorstellte, heizte dem Publikum so richtig ein. Er hielt eine flammende Rede über seine Facebook-Posts, die post-ironische Online-Kunst seien, auch wenn seine Freunde das anders sehen. Dabei betonte er, dass ihm Sprache scheißegal sei und er ein neues Lebensmotto hat: Von YOLO zu YOLTE - you only live till Elternsprechtag. Danach ging es um flachwichsende Zuhörer, vorwiegend Germanistikstudenten, die sich über seine Texte auslassen. Doch eines wissen sie mit Sicherheit nicht: dass „Ein Esel hat eine Ananas“ auf Französisch „Un âne a un Ananas“ heißt. Und das soll die Sprache der Liebe sein? Das Publikum hatte seinen Favoriten gefunden. Als letzter Slammer gab Lokalmatador Robert Janson eine frei erfundene Utopie zum Besten, in der er groß und cool sein kann, auch wenn ihn diese Eigenschaften nicht vor nächtlichen Blasenbeschwerden schützen können. Wie zu erwarten war, wählten die Zuhörer Thomas Spitzer ins Finale. 

Dort setzte sich der Regensburger mit seinem Text über das Glücklichsein gegen Christian Offe und Stefan Unser und rundete den Abend mit einem besonderen Mix aus Emotion und Unterhaltung perfekt ab. Sein Gewinn: Gummibärchen und der legendäre Schokopokal!

rob

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