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Heidelberger Gastgewerbe: Job-Alarm! Jeder Fünfte hat die Branche verlassen

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Von: Robin Eichelsheimer

Die Altstadt von Heidelberg gleicht am Freitagabend einer Geisterstadt.
Jeder Fünfte hat das Gastgewerbe im Corona-Jahr in Heidelberg verlassen. © HEIDELBERG24/Uli Hillenbrand

Heidelberg – Aufgrund der Corona-Pandemie verzeichnen Hotels und Gaststätten eine dramatische Abwanderung von Fachkräften. Auch Heidelberg wurde massiv getroffen.

Kaum eine Branche hat die Corona-Krise mit all ihren Auswirkungen so hart getroffen wie das Gastgewerbe. Innerhalb des vergangenen Jahres haben in Heidelberg rund 1.400 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt – das ist mehr als jeder fünfte Beschäftigte der Branche, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter Berufung auf jüngste Zahlen der Arbeitsagentur mitteilt.

StadtHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Fläche108,84 km²
Einwohnerzahl161.485 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Corona in Heidelberg: Weitere Zuspitzung der Gastrogewerbe-Krise durch weitern Lockdown in 2021

Elwis Capece, Geschäftsführer der NGG-Region Mannheim-Heidelberg, befürchtet, dass sich der Personal-Schwund angesichts weiterer Lockdowns bis in den Mai bis heute weiter zugespitzt haben. „Viele Menschen schätzen es, nach langen Entbehrungen endlich wieder essen zu gehen oder zu reisen. Aber ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können“, so Capece.

Für die Lage macht der Gewerkschafter insbesondere die Einkommenseinbußen durch die Kurzarbeit verantwortlich: „Gastro- und Hotel-Beschäftigte arbeiten sowieso meist zu geringen Löhnen. Wenn es dann nur noch das deutlich niedrigere Kurzarbeitergeld gibt, wissen viele nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.“

Der Mitarbeiter einer Gaststätte rollt einen Stapel Stühle auf den Marktplatz in Heidelberg
Der Mitarbeiter einer Gaststätte rollt einen Stapel Stühle auf den Marktplatz in Heidelberg. Nach monatelangem Lockdown ließ der Südwesten die Zügel bei den Corona-Regeln Mitte Mai deutlich lockerer. Ab Samstag sind Öffnungen in der Gastronomie, im Tourismus und in der Freizeit möglich. © Uwe Anspach

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Heidelberg: Fachkraft-Abgänge in andere Branchen

Wenn die gut ausgebildeten Fachkräfte in Anwalts- oder Arztpraxen die Büroorganisation übernehmen oder in Supermärkten zwei Euro mehr pro Stunde verdienen als in Hotels und Gaststätten, dürfe es niemanden überraschen, dass sich die Menschen neu orientierten, so Capece weiter. „Schon vor Corona stand das Gastgewerbe nicht gerade für rosige Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden, ein rauer Umgangston und eine hohe Abbruchquote unter Azubis sind nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt.“

Wirte und Hoteliers, für die die Lage viel dramatischer als befürchtet war und weiterhin ist, hätten nun die Chance, die Branche neu aufzustellen. Zwar seien viele Firmen nach wie vor schwer durch die Pandemie getroffen. Doch wer künftig überhaupt noch Fachleute gewinnen wolle, müsse jetzt umdenken und sich zu armutsfesten Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen bekennen. Dazu seien Tarifverträge unverzichtbar, unterstreicht Capece: „Am Ende geht es um einen Kulturwandel. Auch Servicekräfte haben ein Recht darauf, vor dem Dienst zu wissen, wann Feierabend ist. Sie haben Anspruch auf eine anständige Bezahlung – unabhängig vom Trinkgeld. Und auf eine faire Behandlung durch den Chef.“

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Gastronomen, die das Mittagessen so günstig anböten, dass sie davon das Personal nicht mehr bezahlen könnten, machten ohnehin grundsätzlich etwas falsch. „Viele Gäste sind durchaus bereit, ein paar Cent mehr für die Tasse Kaffee zu bezahlen – gerade jetzt, wo den Menschen bewusst geworden ist, dass der Besuch im Stammlokal ein entscheidendes Stück Lebensqualität ist“, so Capece. 

Corona in Heidelberg: Gewerkschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen in Hotels und Gaststätten

Die Gewerkschaft NGG verweist auf die umfassenden Finanzhilfen des Staates für angeschlagene Betriebe. So können sich Hotels und Gaststätten im Rahmen der Überbrückungshilfen in diesem Monat bis zu 60 Prozent der Personalkosten bezuschussen lassen, wenn sie Angestellte aus der Kurzarbeit zurückholen (Restart-Prämie). „Klar ist: Köchinnen, Kellner & Co. freuen sich darauf, endlich wieder Gäste empfangen zu können. Viele arbeiten mit großer Leidenschaft im Service. Auf diese Motivation können die Betriebe bauen – und sollten das Personal nicht erneut durch prekäre Löhne und schlechte Arbeitszeiten verprellen“, so Capece weiter.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit beschäftigte das Hotel- und Gaststättengewerbe in Heidelberg zum Jahreswechsel 4.854 Menschen. Genau ein Jahr zuvor – vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie – waren es noch 6.216. Damit haben innerhalb von zwölf Monaten 22 Prozent der Beschäftigten die Branche verlassen. (PM/rob)

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