Stadt darf Lokal nicht zurückkaufen

Streit um den „Alten Kohlhof“: Landgericht Heidelberg fällt überraschendes Urteil 

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Heidelberg - Nach langjährigem Rechtsstreit um den „Alten Kohlhof“ liegt nun die Entscheidung des Landgerichts vor – und die dürfte den ein oder anderen überraschen!

Nach drei langen Jahren im Rechtsstreit können die Besitzer und Bewohner des „Alten Kohlhofs“ aufatmen: Sie dürfen weiterhin auf dem Grundstück auf dem Königsstuhl wohnen und das Gourmet-Restaurant „Oben“ betreiben – der Rückkauf durch die Stadt ist somit endgültig vom Tisch! Das entschied das Landgericht Heidelberg am Mittwoch (5. Juni). Vorausgegangen war ein Streit zwischen der Stadt Heidelberg und Restaurant-Betreiber Florian Hofbauer.

Nachdem die alten Betreiber des „Alten Kohlhofs“ die Gaststätte in den finanziellen Ruin treiben, entscheiden sie sich die Immobilie im Juni 2015 zu verkaufen – unter der Voraussetzung, dass hier eine Gaststätte betrieben wird – diese ist gemäß des Grundbucheintrags bis Mitte 2022 zu führen. 

Heidelberger Landgericht: Entscheidung im Kohlhof-Prozess

Doch bis 2018 ist laut Stadt von einer Gaststätte nichts zu sehen und es scheint, als würden die Hofbauers das Grundstück nur für Wohnzwecke nutzen. Hofbauer aber beteuert, dass er seit Anfang 2017 sein Lokal „Oben“ hier betreibt, obwohl ihm die Stadt lange Zeit keine Alkoholkonzession genehmigt haben soll, wie er im Gespräch mit HEIDELBERG24 sagt. 

Seit Ende 2018 kann es selbst die Stadt nicht mehr leugnen: Im Restaurant „Oben“ herrscht gastronomischer Betrieb. Anfang 2019 wird das Lokal sogar mit einem Michelin Stern ausgezeichnet, wo Gäste von Küchenchef Robert Rädel bekocht werden. Mit dem urigen „Alten Kohlhof“ hat das „Oben“ allerdings nichts mehr zu tun: Ein Menü kostet hier 120 Euro und der dazugehörige Wein 9 Euro pro Gang! Das „Oben“ öffnet von Mittwoch bis Samstag jeweils ab 18:30 Uhr seine Pforten und kann lediglich 20 Gäste bewirten.

Urteil zum „Alten Kohlhof“: Kein Rückkauf für Stadt

Wenn das Gericht der Stadt recht gegeben hätte, wäre der nächste Skandal vorprogrammiert. Denn die Familie Hofbauer kauft 2015 das Grundstück für einen siebenstelligen Betrag – doch nach den Umbauarbeiten am „Alten Kohlhof“ wird der Wert der Immobilie auf über zwei Millionen Euro geschätzt!

Nach langem Hin und Her beschließt das Gericht am Dienstag, dass es nicht Aufgabe der Stadt Heidelberg ist, dafür zu sorgen, dass jemand eine Gaststätte betreibt. Auch nicht, wenn es im „wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen“ Interesse der Gemeinde liegt. Somit kann Florian Hofbauer weiterhin auf dem „Alten Kohlhof“ leben und sein Gourmet-Restaurant „oben“ betreiben. 

Die Stadt Heidelberg überlegt nun den nächsten Schritt. Ein Berufungsverfahren ist wahrscheinlich. Damit ist trotz des Urteils keine Ende im Dauerstreit in Sicht.  

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass die Familie Hofbauer das Grundstück für 600.000 Euro erworben hätte. Wie der Anwalt der Familie Hofbauer jedoch mitteilt, handelt es sich bei diesem Betrag um die Summe, die die Stadt seinen  Mandanten als Entschädigung für den Wiederverkauf angeboten habe. 

mw

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