Prozess gegen Johann N.

„Ich habe den Tod von Julia zu verantworten“

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Gericht eröffnet Prozess gegen Lebensgefährten von der getöteten Julia B.

Heidelberg - Monatelang hat Johann B. geschwiegen. Zu Prozessbeginn am Heidelberger Landgericht gibt der Angeklagte zu, am Tod von Julia B. schuld zu sein! Neues zum Fall:

+++UPDATE: Getötete Julia B. (†26): Moderne Technik wurde Angeklagtem zum Verhängnis! +++

Am Freitag (16. Februar) um 9 Uhr eröffnet das Heidelberger Landgericht den Prozess gegen den Lebensgefährten der getöteten Julia B.. Er ist wegen Totschlags angeklagt. 

Johann N. soll seine damalige Freundin „geschlagen und heftig gewürgt“ oder durch „eine sonstige Gewalteinwirkung für einen Zeitraum von mehreren Minuten die Luft zum Atmen genommen“ haben, so das Gericht wenige Tage vor dem Prozessbeginn

Johann N. gesteht

Lange hat der Angeklagte über den Tod von Julia geschwiegen. Auch im Gericht sagt N. nichts, blickt während der Verhandlung fast ausschließlich auf seine Hände. Dafür lässt er seine Anwälte aber ein Statement verlesen. Darin gibt er zu, dass er „den Tod von Julia zu verantworten“ habe. Er bereue die Tat.

Ich wollte nicht, dass sie stirbt! Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als es ungeschehen zu machen, verliest seine Anwältin im Namen von N. – „Ich entschuldige mich bei ihrer und meiner Familie.

Beziehung war bereits ein Scherbenhaufen

Mit seiner schriftlichen Einlassung bestätigt N. weitgehend die Vorwürfe der Anklage. Julia B. wollte nach einer ersten zwischenzeitlichen Trennung im April die Beziehung endgültig verlassen, war bereits auf Wohnungssuche und wollte sich am Tattag (12. August) die Wohnung einer Arbeitskollegin anschauen.

Zudem wollte sie sich am betreffenden Wochenende mit einem anderen Mann treffen. Das habe N. am Vortag der Tat erfahren, als er ein Telefonat von Julia B. mit einer Freundin belauschte. Er habe gewartet bis B. eingeschlafen war und daraufhin ihr Smartphone kontrolliert. Dabei sei er auf Chats mit einem „Dirk“ aus Hessen gestoßen. Diesen wollte sie am Sonntag (13. August) besuchen. 

Da er die 26-Jährige zuvor mehrfach gefragt habe, ob sie ihn noch liebe und ob in der Beziehung alles in Ordnung sei, habe ihn seine Erkenntnis sehr getroffen. Er habe die Nacht kein Auge zugemacht. 

Nach tödlichem Streit in „Notfallmodus“ geschaltet

Am Morgen habe er B. schließlich mit seinem Wissen konfrontiert. Der Streit eskalierte, die beiden hätten sich gegenseitig geohrfeigt. Anschließend sei es zu einer Rangelei gekommen, in deren Verlauf N. seine Lebensgefährtin gepackt, geschüttelt und geschubst habe. Dann habe er ihr einen harten Schlag gegen den Kopf versetzt. Daraufhin sei B. mit dem Kopf gegen einen Tisch oder einen Stuhl gekracht – und leblos zu Boden gefallen. 

Als er festgestellt habe, dass B. tot ist, seien dem Angeklagten seine beiden Kinder durch den Kopf gegangen. Aus Angst, sie durch eine lange Gefängnisstrafe nicht mehr sehen zu können, habe er in einen „Notfallmodus“ geschaltet. Als Sanitäter beim Bund habe er gelernt, in Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren. 

Er schaffte die Leiche von B. in den Kofferraum ihres Dienstwagen (Mercedes Kombi) und fuhr auf die A5. Bei Zwingenberg fand er unweit der Autobahn ein Gebüsch, in dem er den Körper versteckte. Anschließend habe er das Auto in den Quadraten in Mannheim abgestellt und sei mit dem Zug zurück nach Heidelberg gefahren. Julias Handy habe er in den Neckar geworfen, wo genau, wisse er nicht mehr.

Die Aussage bezüglich des Todes von B. erscheinen fragwürdig, schließlich ist das Opfer nach Erkenntnissen der Ermittler durch Erstickung gestorben.

Mutter: Julia hat eine komplette Wandlung vollzogen

Während ihrer Aussage bricht die Silke B., die Mutter von Julia, immer wieder in Tränen aus. Sie beschreibt, dass ihre Tochter eine „360-Grad-Wandlung“ vollzogen habe. Als Jugendliche sei B. ein „schwieriges, störrisches und bockiges Kind“ gewesen, habe für zwei Tage ins Heim gehen müssen. 

Als Julia 18 Jahre war, habe Silke B. ihre Tochter rausgeschmissen. Daraufhin habe ihre Tochter ihr Leben komplett umgedreht. Sie habe mehrere Jobs gehabt, habe sich immer wieder um ihre Zwillingsschwestern gekümmert. Und dass, obwohl der leibliche Vater der Zwillinge sich 50 oder 60 Mal an Julia verging, als sie sieben oder acht Jahre alt war! Der Mann wurde 2013 wegen schwerem sexuellen Missbrauch zu drei Jahren und zwei Monaten verurteilt.

Sie habe als Fahrerin für ein Heidelberger Personenbeförderungs-Unternehmen, nebenbei in einer Anwaltskanzlei und auch für eine Pizza-Kette gearbeitet. Dort habe sie 2015 auch Johann N. kennengelernt, mit dem Julia kurze Zeit später auf dem Emmertsgrund zusammen zieht. Auch für dessen Kinder sei ihre Tochter da gewesen, berichtet die Mutter.

„Ihr habt mich alle verarscht!“

Zwischen Julias Mutter und „ihrem Schwiegersohn“, entsteht ein familiäres Verhältnis. Er ruft sie häufig an, heult sich bei ihr über Beziehungsstreitigkeiten bei ihr aus, nennt sie sogar „Mutti“! Auch wenn sie anfangs von ihm erschrocken gewesen sei, war Silke B. zunächst froh, dass Julia Johann habe, gibt die Mutter zu: „Er tat ihr gut.

Im April 2017 bekommt die Beziehung Brüche. Julia gesteht ihrer Mutter, dass sie „nicht mehr könne, dass sie Johann nicht mehr liebe, dass sie nicht aus Mitleid mit ihm zusammen sein könne. Der macht gar nix mehr – liegt auf der Couch rum wie ‚faules Gemüse‘.“ Julia trägt ihrer Mutter auf, nach einer Wohnung für sie zu suchen. Auch ein gemeinsamer Wellnessurlaub kann die Beziehung zwischen dem Angeklagten und Julia B. nicht mehr kitten.  

Am Morgen der Tat ruft N. bei Silke B. an, er wolle Sachen von Julia vorbeibringen. Kurz darauf kommt der Angeklagte bei Silke B. vorbeigefahren, knallt Julias Sachen vor das Auto. Auf die Nachfrage, was los sei, bricht es aus N. heraus: „Ich dachte, Ihr seid Familie. Ihr seid das Letzte! Ihr habt mich alle verarscht!

Wie geht es weiter?

Insgesamt sind neun weitere Prozesstage angesetzt. Es werden für die Beweisaufnahme 58 Zeugen und neun Sachverständige geladen. Das Urteil soll voraussichtlich am 22. März gesprochen werden.

Hintergrund

Julia B. wurde am 13. August vermisst gemeldet. Beamte der Kripo fanden am 1. September die Leiche der Heidelbergerin in stark verwestem Zustand in der Nähe der A5 bei Zwingenberg. 

Frauenleiche auf Feldweg gefunden!

Der Angeklagte sitzt seit August in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft soll er B. „im Rahmen eines Beziehungsstreits in der gemeinsamen Wohnung in Heidelberg-Emmertsgrund vorsätzlich getötet“ haben. Danach soll der Angeklagte die Leiche in ein Auto gebracht haben und an die Ausfahrt Zwingenberg gefahren sein, „wo er den Leichnam in einem nahegelegenen Gebüsch abgelegt habe“, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. 

pm/dpa/jol

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