Ziel verfehlt

Trotz Einwohnerrekord: Stadt baut mehr als 500 Wohnungen zu wenig – wie kann das sein?

+
Heidelberg hat so viele Einwohner wie nie. Nur an Wohnraum mangelt es. 

Heidelberg - Eigentlich sollten in Heidelberg jährlich mehr als 800 neue Wohnungen gebaut werden. Eigentlich. Tatsächlich liegt die Zahl weit darunter. Woran das liegen könnte: 

Heidelberg wächst und wächst und wächst. Zum Stichtag, dem 31. Dezember 2017, zählt das statistische Landesamt Baden-Württemberg erstmals mehr als 160.000 Einwohner. Ganz genau sind es 160.601. In nur sechs Jahren ist die Stadt somit um 12.186 Einwohner oder 8,2 Prozentpunkte gewachsen. Rekordwert im ganzen Bundesland. Man ist geneigt zu fragen: Wie machen die Neu-Heidelberger das nur? Herziehen und auch noch eine Wohnung finden? Ist Wohnraum in der Stadt der Romantik doch wenig bis fast gar nicht vorhanden. Trotz Konversion und einer Vielzahl neuer Bauprojekte wird sich dies auch in naher Zukunft wohl auch nicht ändern. 

Nur 272 neue Wohnungen in 2017

So lesen sich jedenfalls die Zahlen aus dem städtischen Bautätigkeitsbericht 2017, der am Mittwoch (12. September) im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss vorgestellt wurde. Daraus geht hervor, dass während des vergangenen Jahres in Heidelberg weniger als 300 Wohnungen, nämlich gerade mal 272 fertiggestellt wurden. Der Wert liegt somit nicht nur unter denen aus den Vorjahren. Er verfehlt das Ziel, jährlich 800 neue Wohnungen zu bauen deutlich! 

Stadtrat Felix Grädler fragt, wie das sein kann: „Die Stadt verfügt über eine eigene Wohnungsbaugesellschaft, die Bahnstadt wird weiterentwickelt, das Mark-Twain-Village ist mitten im Konversionsprozess, andere Flächen stehen in den Startlöchern, die Zinsen stehen schon lange auf Rekordtief und daraus entstehen gerade einmal 272 Wohnungen auf einem mehr als angespannten Wohnungsmarkt. Hier läuft etwas gehörig schief!“ 

Gründe und Lösungsansätze für den Wohnungsmangel in Heidelberg 

Stadtrat Manuel Steinbrenner sieht das Problem bei den langsam mahlende Mühlen der Bürokratie und sagt: 

„Eine Erhöhung der Geschwindigkeit vor allem bei der Umsetzung der Konversionsflächen, aber auch bei der Genehmigung von kleineren Bauvorhaben würde schneller für zusätzlichen Wohnraum sorgen. Hierfür muss das Personal in der Bauverwaltung aufgestockt werden, da die vielen Bauprojekte in der Stadt die städtischen Mitarbeiter*innen an ihre Grenzen bringen.“ 

Dem fügt er hinzu, dass die Stadt ihre Möglichkeiten der Einflussnahme nicht ausschöpfe:

„Um mehr preiswerten Wohnraum zu schaffen, sollte (nämlich) auch das Engagement der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GGH ausgeweitet werden. Und jedes Mal, wenn neues Baurecht geschaffen wird, sollte die Stadt ihre Einflussmöglichkeiten konsequent nutzen, um dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Dies könnte beispielsweise mithililfe der „flexiblen Quote“ geschehen, deren Umsetzung wir im letzten Gemeinderat beantragt haben.“

Stadtrat Felix Grädler sieht die Lösung ebenfalls in einem Mehr und vor allem in geeigneterem Personal in der Stadtverwaltung, denn:

„Da scheint eine Stelle zu fehlen, an der die vielen Fäden aus den einzelnen Ämtern zusammenlaufen. Deshalb wäre es gut, in der Stadtverwaltung eine verantwortliche Position mit entsprechenden Kompetenzen zu schaffen, die alle Ämter zu diesem Thema koordiniert und die Querschnittsaufgaben betreut.“ 

Egal ob eine neu eingerichtete Position, eine Beschleunigung der Baugenehmigungen oder der aktuell vollzogenen Bauprojekte die Lösung ist - vielleicht ist es ja auch etwas von allem. 

In jedem Fall muss das Bauvolumen kräftig nach oben geschraubt werden, um ein rückläufiges Wachstum zu vermeiden. Zudem würden mehr Wohnung mehr Angebot bedeuten, wodurch ganz nebenbei vielleicht auch die Schaffung - wenigstens einigermaßen - bezahlbaren Wohnraumes erreicht werden könnte. 

chh

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare