„Eine der schwersten Entscheidungen...“

Keine Party mehr in halle02: Bekommen Clubs jetzt regionale Fördergelder?

Heidelberg – Nach der Ankündigung der halle02-Geschäftsführer, keine öffentlichen Veranstaltungen mehr auszurichten, sitzt der Schock in der Stadt am Neckar immer noch tief. Jetzt will Oberbürgermeister Würzner helfen:

  • Paukenschlag in Heidelberg: halle02-Geschäftsführer kündigen an, auch nach der Corona-Krise keine öffentlichen Veranstaltungen mehr auszurichten.
  • Grüne befürchten weitere Clubschließungen durch die Corona-Krise.
  • Wird Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner regionale Fördergelder für die Clubs organisieren können?

Update vom 2. Juli: Auch im Rathaus scheint man von der Ankündigung der halle02, keine öffentlichen Veranstaltungen mehr anzubieten, überrumpelt worden zu sein. Wie die RNZ berichtet, soll Heidelbergs Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner jedoch schon aktiv geworden sein. Der OB soll Kontakt zu verschiedenen Städten und Privatpersonen in der Region aufgenommen haben, um einen regionalen Fördertopf für die Clublandschaft zu realisieren.

Zunächst soll es sich um einen mittleren sechsstelligen Betrag handeln, der aber auch längerfristig ausgebaut werden könnte. Die Idee des regionalen Fördertopfs geht auf den Verband der Clubbetreiber zurück. Schon heute könnte im Ausschuss für Bildung und Kultur in Heidelberg darüber beraten werden.

Heidelberg: Paukenschlag! Keine Partys und Konzerte mehr in der halle02

Erstmeldung com 29. Juni: Diese Nachricht hat in Heidelberg eingeschlagen wie eine Bombe: Am Sonntagabend wird bekannt, dass in der halle02 auch nach der Corona-Pause keine Partys, Ausstellungen und Konzerte mehr stattfinden. Wegen der finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise sehen sich die Geschäftsführer Felix Grädler, Hannes Seibold gezwungen, ihr Geschäftsmodell langfristig zu ändern. In Zukunft wollen und müssen sie sich verstärkt auf Businessvents konzentrieren, die schon in den Jahren zuvor das Defizit aus dem Kulturprogramm ausgeglichen haben.

Eigentlich wollten sie diese Entscheidung ihren Gästen, Mitarbeitern und Freunden erst am Montag mitteilen. Doch die Nachricht ist zu brisant, zu weitreichend die Konsequenzen für die Kulturlandschaft in der gesamten Region. Es kommt wie es kommen muss: Die Nachricht sickert schon im Vorfeld zur Presse durch.

Die Entscheidung den Kulturbetrieb komplett zu pausieren, sei den halle02-Geschäftsführern sehr schwer gefallen. Durch Corona hätte jedoch ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Die Mehrheit der halle02-Veranstaltungen sind unbestuhlt. Den Flair macht der Kontakt zwischen den Menschen aus. Nur so entstünden „emotionale Gemeinschaftserlebnisse“, so Grädler und Seibold. Auch wenn bereits sehr viele Maßnahmen gelockert worden sind, seien sich Experten einig, dass Veranstaltungen ohne Abstandsregeln erst mit einem Impfstoff oder eines wirksamen Covid-19-Medikaments wieder möglich seien. Sogar dann bleibe die Unsicherheit in welche Richtung sich das Ausgehverhalten der Menschen entwickelt wird. Wollen sie überhaupt noch dicht gedrängt in der halle02 tanzen?

18 Jahre halle02 war und ist für uns ein emotionales Auf und Ab und dies sicherlich eine der schwersten Entscheidungen in unserer Geschichte.

Felix Grädler und Hannes Seibold

Nicht zu vergessen sei natürlich auch der finanzielle Aspekt: Im aktuellen Rettungspaket der Bundesregierung ist eine Milliarde Euro für die Rettung der Kulturbranche vorgesehen, die den Zeitraum bis August 2020 abdecken soll. Wenn man bedenkt, dass die Lufthansa Hilfen von neun Milliarden Euro ausgezahlt bekommt, erscheint die Unterstützung jedoch sehr gering. Auch mit dem Mieterlass der Stadt Heidelberg für sechs Monate, den Einnahmen der Startnext-Kampagne und die Einnahmen der Öffnung des Außenbereichs „Kleine Freiheit“, reicht das Geld hinten und vorne nicht aus.

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Liebe Freunde der halle02, schweren Herzens müssen wir euch mitteilen, dass es die halle02 in gewohnter Form bis auf weiteres nicht mehr geben wird. Ein Großteil unseres Programms kann unter den Auflagen zur Eindämmung des Corona-Virus nicht kostendeckend bzw. überhaupt nicht durchgeführt werden; und eine Lockerung, die auch einen Clubbetrieb wieder möglich macht, ist noch nicht abzusehen. Wir werden Konzept und Marke unserer geliebten halle02 und damit den Veranstaltungsbetrieb auf unbestimmte Zeit pausieren und uns auf andere Geschäftsmodelle fokussieren, um die Existenz unseres Betriebes zu sichern. Einen Link zu einem ausführlichen Statement findet ihr auf meiner Homepage. Wir bedanken uns bei allen Gästen und Unterstützer*innen, die uns in dieser Phase unterstützt haben. Weitere Infos folgen. Bleibt gesund. ❤ eure halle02.

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Über die Jahre sei aus dem Projekt halle02 ein Heidelberger Unternehmen mit 120 Mitarbeitern geworden. Vor der Corona-Krise fanden in den Güterhallen jährlich mehr als 450 Veranstaltungen mit über 20.000 Besuchern statt. „Wir sehen in dieser Lage kein Szenario, das unser bisheriges ökonomisches wie kulturelles Betriebskonzept in einer Mit-/ Post-Corona-Phase wirtschaftlich erscheinen lässt. Und, glaubt uns, wir haben dutzende dieser Szenarien durchgespielt“, so die Geschäftsführer.

Heidelberg: Grüne fürchten weitere Club-Schließungen

Die Nachricht, dass die halle02 ihr Kulturprogramm einstellen muss, ist ein harter Schlag für Heidelberg. Der Wegfall einer der größten Kultureinrichtungen der Stadt stellt einen herben Verlust für die Gesellschaft dar. Die Grüne-Fraktion rechnet damit, dass noch weitere Clubs der Corona-Pandemie zum Opfer fallen werden und fordert deswegen Unterstützung für die Club-Kultur.

Clubs sind gesellschaftsrelevant. Sie sind relevant für eine freie, offene und pluralistische Gesellschaft und verdienen ebenso Unterstützung wie andere kulturelle Einrichtungen“, so Grünen-Stadträtin Marilena Geugjes. Grünen-Stadträtin Kathrin Rabus betont: „Die Macher*innen der halle02 haben aus einer abgerockten Industriebrache ein pulsierendes Zentrum für Gegenwartskultur gemacht, mit einem beeindruckenden Konzertprogramm, einer lebendigen Clubszene und immer einem offenen Ohr für Trends und neue Formate. Wir danken der halle02 für diesen großartigen Beitrag zum Heidelberger Kulturleben und hoffen, dass es doch bald wieder weitergeht.“

Auch nach der Corona-Krise wird es keine Party und Konzerte mehr in der halle02 in Heidelberg geben.

Der Clubkultur sei es vor der Corona-Krise schon nicht gut gegangen. Da sie nicht nur identitätsstiftend, sondern auch Wirtschaftsmotor in der Region ist, müsste die Politik ihr endlich die adäquate Wertschätzung zukommen lassen, die sie verdient Dazu gehört für die Grüne-Fraktion neben wirtschaftlichen Hilfen in Corona-Zeiten auch eine generelle, strukturelle Unterstützung, wie beispielsweise die Anerkennung von Clubs als Kulturorte, die Aufnahme in die kulturelle Förderung sowie die Reduzierung von Auflagen.

Heidelberg: Diese Herausforderungen hat die halle02 in der Vergangenheit schon bewältigt

„18 Jahre halle02 war und ist für uns ein emotionales Auf und Ab und dies sicherlich eine der schwersten Entscheidungen in unserer Geschichte“, so die Geschäftsführer. Die halle02 hat in ihrer 18-jährigen Geschichte tatsächlich schon einige Hindernisse überwunden: Wegen unzureichender Dachstatik sollte die halle02 im Jahr 2005 geschlossen, im Zuge der Bahnstadtentwicklung sogar abgerissen werden. Auch die langwierige Sanierung der halle02 2014/15 wurde bewältigt und der Wegfall des Kulturzuschusses mit Mehreinnahmen aus dem Konferenzgeschäft kompensiert. Erst Corona zwingt die halle02 in die Knie.

Heidelberg: halle02 pausiert Kulturveranstaltungen – gibt es nicht doch noch Hoffnung?

Doch wer weiß – vielleicht gibt es doch noch Hoffnung: Die halle02-Geschäftsführer arbeiten laut eigener Aussage mit aller Kraft an „einer Perspektive, diese Hürden zu überwinden und in neuer Form zurückzukommen! Das können wir jedoch nicht aus eigener Kraft, aber wir fühlen uns mitverantwortlich, einen konstruktiven Prozess zu initiieren und engagierte Partner dafür zu finden.“

Heidelberg: Grüne fürchten weitere Club-Schließungen

Die Nachricht, dass die halle02 ihr Kulturprogramm einstellen muss, ist ein harter Schlag für Heidelberg. Der Wegfall einer der größten Kultureinrichtungen der Stadt stellt einen herben Verlust für die Gesellschaft dar. Die Grüne-Fraktion rechnet damit, dass noch weitere Clubs der Corona-Pandemie zum Opfer fallen werden und fordert deswegen Unterstützung für die Club-Kultur. Das Cave54 in Heidelberg steht schon kurz vor der Insolvenz.

Clubs sind gesellschaftsrelevant. Sie sind relevant für eine freie, offene und pluralistische Gesellschaft und verdienen ebenso Unterstützung wie andere kulturelle Einrichtungen“, so Grünen-Stadträtin Marilena Geugjes. Grünen-Stadträtin Kathrin Rabus betont: „Die Macher*innen der halle02 haben aus einer abgerockten Industriebrache ein pulsierendes Zentrum für Gegenwartskultur gemacht, mit einem beeindruckenden Konzertprogramm, einer lebendigen Clubszene und immer einem offenen Ohr für Trends und neue Formate. Wir danken der halle02 für diesen großartigen Beitrag zum Heidelberger Kulturleben und hoffen, dass es doch bald wieder weitergeht.“

Der Clubkultur sei es vor der Corona-Krise schon nicht gut gegangen. Da sie nicht nur identitätsstiftend, sondern auch Wirtschaftsmotor in der Region ist, müsste die Politik ihr endlich die adäquate Wertschätzung zukommen lassen, die sie verdient. Dazu gehört für die Grüne-Fraktion neben wirtschaftlichen Hilfen in Corona-Zeiten auch eine generelle, strukturelle Unterstützung, wie beispielsweise die Anerkennung von Clubs als Kulturorte, die Aufnahme in die kulturelle Förderung sowie die Reduzierung von Auflagen. (kp)

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