Interview mit DELTA Soundworks

Ausgezeichnet! Heidelberger Sound-Experten geben den Ton an

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Ana und Daniel sind die glücklichen Gewinner der Auszeichnung „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“.

Heidelberg – Im deutschlandweiten Rennen um den Titel „Kultur- und Kreativpiloten" haben sich die Sounddesigner Ana und Daniel durchgesetzt. Wie sie die Jury überzeugt haben? Wir haben nachgefragt:  

Am 23. November stauben die Heidelberger Jungunternehmer Ana und Daniel von DELTA Soundworks in Berlin den begehrten Preis ab. Überreicht von Brigitte Zypries, Staatssekretärin beim Wirtschaftsministerium, und Dr. Günter Winands, Ministerialdirektor bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Doch was ließ sie aus der Masse der ganzen Bewerber herausstechen? Wir haben bei Ana Monte und Daniel Deboy nachgefragt:  

Frage: Wie sieht eure innovative Geschäftsidee aus?  

Ana und Daniel: „DELTA Soundworks bietet als eines der ersten Unternehmen in Deutschland einen kompletten Workflow für Audio Post-Produktion im Bereich Virtual Reality. Wir kreieren dazu passende 3D-Klangwelten mit Sound Design und Musik. Das Hören ist neben dem Sehen der wichtigste Sinn für ein immersives Erlebnis und darf nicht unterschätzt werden. Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, vom 360°-Film über Hörspiele bis zu interaktiven Erlebnissen den guten Ton zu liefern. Zu unserem Portfolio gehören aber auch traditionelle Formate wie Spielfilm, Dokus und Werbung.“

Ist Heidelberg eurer Meinung nach eine gute ‚Gründerstadt‘?

„Virtual Reality (VR) ist momentan ein stark von der Technologie getriebener Markt und Deutschland muss aufpassen, den Anschluss nicht zu verpassen. In Baden-Württemberg hat sich schon eine recht lebendige VR-Szene gebildet, Förderer wie die Medien und Filmgesellschaft (MFG) oder auch die Filmakademie spielen hierbei eine tragende Rolle. Heidelberg ist für technologische Entwicklung ein guter Standort und gemeinsam mit der starken Kreativwirtschaft des gesamten Rhein-Neckar-Deltas fühlen wir uns hier sehr gut aufgehoben. Übrigens hat uns das auch zu unserem Namen inspiriert.

Schwierig ist in Heidelberg das begrenzte Raumangebot. Daniel hat im letzten Jahr einen Platz in der „Alten Zigarrenfabrik“ in Sandhausen gefunden, wo wir uns wenig später kennengelernt haben. 

Das Studio bildet nun auch die Basis für DELTA Soundworks, wir können dort von der Sprach- bis zur Orchesteraufnahme alles umsetzen und haben ein fantastisches Netzwerk mit sehr netten Kollegen an unserer Seite. Jetzt suchen wir nach einem Büro in Heidelberg zur Ergänzung, damit unsere neue Kreativpiloten-Trophäe bald einen schönen Platz bekommt.“

Wann habt ihr DELTA Soundworks gegründet und was war die Motivation dahinter? 

„Den Grundstein haben wir im Frühjahr 2016 gelegt, als wir gemeinsam mit befreundeten Kollegen überlegt haben, welche Synergien aus einer Zusammenarbeit im Bereich Filmton entstehen könnten. Zu der Zeit waren gerade die ersten 360° Videos auf YouTube zu finden und wir haben uns das mit Begeisterung angeschaut. Nach nächtelanger Recherche lag die Geschäftsidee dann klar auf der Hand und wir haben uns schon gefragt, warum wir darauf nicht früher gekommen sind. Wir mussten nichts weiter tun als unsere Kompetenzen zusammenzulegen: Daniel hat sich schon 2010 in seiner Diplomarbeit tiefgreifend mit der technischen Seite von 3D-Sound befasst und Ana brachte als Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg die kreative Seite mit ins Spiel. Dazu kommen Komponisten und Tonmeister, die sich unserem Team als Freelancer angeschlossen haben.“

Was bedeutet die Auszeichnung für euch? Ging die Auszeichnung mit einer finanziellen Förderung einher?

„Die Auszeichnung als Kultur- und Kreativpiloten ist für uns eine große Motivation, um unsere Ideen mit der nötigen Energie weiterzuverfolgen. Wir werden ein Jahr lang von zwei Mentoren zur Entwicklung unseres Unternehmens begleitet und nehmen gemeinsam mit allen 32 Titelträgern an Workshops Teil. Hier findet Erfahrungsaustausch statt und es werden konkrete Fragestellungen diskutiert und Lösungswege gefunden.“

Was hattet ihr schon für Aufträge, welche Projekte sind in Planung?

„Unser erstes Projekt war - in Kooperation mit der Firma NAU HAU – ein Ork am Lagerfeuer, der eine Geschichte erzählt. Das kurze Beispiel zeigt sehr schön, wie sich der Ton zusammen mit dem Bild bewegt. Für den Regisseur Philipp Maas haben wir eine 3D Mischung des 360°-Kurzfilms „SONAR“ gemacht. Zusammen mit dem stereoskopischen Bild erzeugt der Sound ein packendes Erlebnis.

Das Feedback ist bisher sehr positiv und wir freuen uns, dass das Soundupgrade auch bald für Samsung's Gear VR und Google's Daydream veröffentlicht wird. Zur Zeit arbeiten wir an einem Projekt, bei dem die virtuelle Realität interaktiv von außen durch andere beeinflusst werden kann. Mehr dürfen wir dazu leider noch nicht verraten.“

Wie sieht eurer Meinung nach die Zukunft des Sounddesigns aus?

„Virtual Reality bricht die Sound-Klischees, die wir in traditionellen Filmformaten gewohnt sind, komplett auf. Der Zuschauer sitzt jetzt mitten im Geschehen und kann sogar Teil der Geschichte werden. Das erfordert auch ein Umdenken im Sound Design: So kann zum Beispiel ein richtig platzierter Ton genutzt werden, um den Blickwinkel des Zuschauers zu lenken. Im Gegensatz zu unseren Augen können die Ohren nämlich jederzeit die komplette Umgebung wahrnehmen.

Aus technischer Sicht sind wir auch vor neue Herausforderungen gestellt. Es gibt noch keinen standardisierten Workflow und die ersten kommerziellen Tools kommen gerade erst auf den Markt. Wir arbeiten eng mit Herstellern von Soft- und Hardware zusammen, um direktes Feedback aus der Produktionssicht einfließen zu lassenund hoffen so auch darauf, die Entwicklung mit voranzutreiben. Letztendlich ist Virtual Reality als Format im Moment noch eine große Spielwiese und es kann viel experimentiert werden. Das macht für uns den besonderen Reiz aus und wir sind gespannt, wo die Reise hingeht.“

kp

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