1. Heidelberg24
  2. Heidelberg

Heidelberg: Teufelsstatue im Höllenstein-Quartier – „unsensibel“ oder „gelungen“?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Florian Römer

Kommentare

Heidelberg - Ein Teufel steht auf dem zentralen Platz im Höllenstein-Quartier und schaut hinter einem Sandsteinfindling hervor. Über die Skulptur regen sich manche Anwohner auf:

Ende 2021 wurde ein großer Sandsteinfindling auf dem zentralen Platz im GGH-Quartier Höllenstein in Heidelberg-Kirchheim aufgestellt. Seither fragten sich viele Anwohner, wie die Skulptur wohl aussehen könnte, die das Kunstwerk komplettiert. Die städtische Wohnbaugesellschaft GGH hielt sich lange bedeckt. Seit Donnerstag (7. April) ist klar: Ein Teufel mit Dreizack schaut am Felsbrocken vorbei auf die Höllenstein-Siedlung.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl158.741 (31. Dez. 2020)
Fläche108,8 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Heidelberg: GGH stellt Teufelsskulptur im Höllenstein-Quartier auf

Die mannshohe Bronze-Skulptur des Salemer Künstlers Oliver Ritter bildet einen Teufel mit goldener Maske ab, der seinen Dreizack neben sich gegen den Findling gelehnt hat. Zwei Hörner hat die Figur, einen Schwanz, einen Huf und einen Menschenfuß. „Wir haben uns bei der Gestaltung der Skulptur an die Höllenstein-Sage angelehnt, in der die Bürger Kirchheims und Rohrbachs einen Bund mit dem Teufel eingehen“, sagt GGH-Geschäftsführer Peter Bresinski.

Gegenstand der Sage ist die Grenzziehung zwischen Rohrbach und Kirchheim nach dem Dreißigjährigen Krieg. Der Legende nach schleppte der Rohrbacher Steinmetz Peterhans einen schweren Grenzstein in Richtung Kirchheim. Dort, wo er ihn fallen ließ, sollte die Grenze verlaufen. Peterhans trug den Stein bis nah an die Häuser Kirchheims, ehe er tot zusammenbrach. Dabei muss es mit dem Teufel zugegangen sein, hieß es später. Der „Höllenstein“ bildete als Grenzstein noch um 1960 die Grenze zwischen den beiden Stadtteilen.

Bewohner über Teufelsstatue: „Unsensibel bis ins letzte Detail“

Schon vor der Installation der Teufelsstatue regte sich bei manchen Höllenstein-Bewohnern Widerstand gegen die Skulptur. Eine Unterschriften-Sammlung wurde gestartet, nachdem durchgesickert war, dass der Teufel auf dem zentralen Platz des Quartiers Einzug halten würde. Das sei die „falsche Repräsentation für ein modernes, internationales Quartier im dritten Jahrtausend“, erklärte ein Anwohner vergangenen Dezember im Gespräch mit HEIDELBERG24.

Und wie fällt das Fazit jetzt aus, da die Skulptur komplett ist? Das Kunstwerk sei „unsensibel bis ins letzte Detail“, sagt der Bewohner bei einem Vor-Ort-Termin am Freitag (8. April). „Warum nimmt man in Zeiten von Klimawandel, Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg ausgerechnet dieses Symbol?“, fragt der Mann, der anonym bleiben möchte. Nicht nur im Christentum, auch im Judentum und im Islam sei der Teufel „Sinnbild für das ultimative Böse“. Und das repräsentiere jetzt das Quartier.

Neugieriger oder Spanner? Detail an Skulptur erregt Gemüter

„Neugierig“ blicke der Teufel hinter dem Stein hervor, heißt es in einer Mitteilung der Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz (GGH). Das Kunstwerk von Oliver Ritter hat die GGH anlässlich der Fertigstellung des Höllenstein-Quartiers gestiftet. Ein Gedicht, das auf einer Plakette am Sandstein angebracht ist, fasst die Intention des Künstlers zusammen:

Der helle Stein

Je weiter die Geschichte reicht,
sieht man, wie ihr das Licht entweicht.
So bleibt auch bei den alten Namen
im Dunklen oft, woher sie kamen.

So auch beim Höllenstein. Die Sage,
die man zu dieser Herkunftsfrage
vorträgt, ist nur schwach belegt,
zumal sie Gänsehaut erregt,
denn Höllen sind ein Teil der Welt,
von dem man lieber Abstand hält.

Der Künstler, der dies sieht, der spricht:
Die Sache muss hinaus ans Licht!
Denn was ins Offene gebracht,
verliert die Illusion der Macht,
und was zuvor als tückisch galt,
zeigt sich in freundlicher Gestalt.

„Der Helle Stein“ steht somit hier
als lichter Treff für das Quartier.
Denn wo sich Mensch zu Mensch gesellt,
ist er es, der die Welt erhellt.
 (Janssen Peters)

Man könne das Kunstwerk aber auch anders interpretieren, meint hingegen der Anwohner: „Da steht ein maskierter Mann mit erigiertem Glied hinter einem Stein und schaut auf den zentralen Platz der Höllenstein-Siedlung. Dorthin, wo Kinder herum hüpfen, Roller fahren oder spielen.“ Auch andere Nachbarn seien „geschockt“. In Zeiten von „MeToo“ und „Black Lives Matter“ müsse man sich fragen, welches Zeichen man setzen wolle.

Eine Teufelsskulptur blickt auf den zentralen Platz des Höllenstein-Quartiers in Heidelberg-Kirchheim.
Eine Teufelsskulptur blickt auf den zentralen Platz des Höllenstein-Quartiers. © Florian Römer/HEIDLEBERG24

Unterschriftensammlung gegen Teufelsstatue geht weiter

Deshalb werde man in den kommenden Tagen weiter Unterschriften gegen die Skulptur sammeln. Gemeinsam mit anderen Familien aus dem Quartier habe man seit Jahresende bereits „etliche“ Signaturen eingeholt ‒ wie viele es genau sind, will der Mann zu diesem Zeitpunkt noch nicht verraten. Mittlerweile werden auch in Kirchengemeinden in der Stadt Unterschriften gegen die Teufelsskulptur gesammelt.

Übrigens: Unser HEIDELBERG24-Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles Wichtige, was in Deiner Stadt und Region passiert.

Man habe sich als Mieter des Höllenstein-Quartiers ein Mitspracherecht gewünscht, erklärt der Mit-Initiator. Immerhin habe die GGH zum hundertjährigen Jubiläum eine Mieteraktion „Gemeinschaft schenken“ ausgerufen. Aber über die geplante Teufelsstatue habe die Wohnbaugesellschaft nicht mit sich sprechen lassen, so der Anwohner.

Teufel im Höllenstein: Skulptur für andere Anwohner „gelungen“

Rund 1.000 Menschen leben im Höllenstein-Quartier. Die GGH hatte die Siedlung an der Grenze von Kirchheim und Rohrbach saniert und in vier Bauabschnitten entwickelt. Dabei sind 335 Wohneinheiten entstanden. Nicht alle Bewohner stoßen sich an dem Kunstwerk: Die Skulptur sei „gelungen“, meint eine Anwohnerin, die ihren Hund Gassi führt und schnell ein Foto mit dem Smartphone macht. Und auch an der eindeutigen Darstellung des Lendenbereichs stört sich die Hundehalterin nicht: „Das sieht man doch auch an etlichen anderen Statuen“, meint die Frau und geht weiter. (rmx)

Auch interessant

Kommentare