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Holocaust-Gedenktag: Zeitzeuge erzählt aus seinem Leben

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Von: Florian Römer

Heidelberg - Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit. Seit 1996 wird an diesem Tag den Opfern des NS-Regimes gedacht. Auch Heidelberg begeht den Gedenktag:

Angesichts eines wieder erstarkenden Antisemitismus und immer noch verbreiteten Rassismus ist der internationale Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus ein wichtiges Datum. Am 27. Januar 1945 wurde das NS-Vernichtungslager Auschwitz befreit. 1996 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust ins Leben gerufen. Die Stadt Heidelberg gedenkt jährlich der NS-Opfer mit einer Veranstaltung, bei der jeweils andere Gruppen von Verfolgten im Mittelpunkt stehen.

Heidelberg: Weiße Rosen zum Gedenken an Opfer

2021 stehen die Sinti und Roma in Heidelberg im Mittelpunkt des Gedenktages. Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner, Dotschy Reinhardt vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma mit Sitz in Heidelberg und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, werden an einer Gedenkstätte in der Steingasse gemeinsam der NS-Opfer gedenken und dort weiße Rosen ablegen. In der Steingasse 9 gibt es an der Hausfassade ein Sandsteinrelief zum Gedenken an die Heidelberger Sinti, die dem NS-Völkermord zum Opfer fielen.

Dotschy Reinhardt vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma betont in ihrem schriftlichen Vortrag anlässlich des diesjährigen Gedenktages: „500.000 Sinti und Roma fielen den Nationalsozialisten zum Opfer. Hinter dieser abstrakten Zahl verbergen sich die Schicksale der Männer, Kinder und Frauen, an die wir heute erinnern. Vergessen werden wir sie niemals, aber auch nicht die Verbrechen ihrer Peiniger. Uns allen obliegt die Verantwortung, für Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit einzutreten und Antiziganismus, Antisemitismus und Rassismus zu ächten.

Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner ergänzt: „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich Menschen in unserem Land, in unserer Stadt, unsicher fühlen, weil sie dunkle Haut haben, weil sie eine Kippa tragen, weil sie als Mann einen Mann lieben oder weil sie Sinti oder Roma sind. Wir dürfen nicht zulassen, dass andere sie anfeinden, sie beleidigen oder gar körperlich angreifen. Das ist und bleibt verabscheuungswürdig – heute genauso wie vor 60, 70 oder 80 Jahren.“ Die vollständigen Reden von OB Würzner und Dotschy Reinhardt findet man auf der Homepage der Stadt Heidelberg.

Holocaust-Gedenken in Heidelberg: Zoom-Interview mit Zeitzeugen

Zum internationalen Holocaust-Gedenktag findet am Mittwoch (27. Januar, 19 Uhr) auch ein Zoom-Interview mit einem Zeitzeugen statt. Ephraim Eisenmann wird bei der Online-VeranstaltungMemories in the Living Room“ aus seinem Leben erzählen. Seine Familie konnte sich vor den Nationalsozialisten verstecken und wanderte später nach Israel aus. Das Interview wird auf Englisch geführt. Die Heidelberger Partnerstadt Rehovot organisiert und moderiert das Interview. Zu Beginn wird OB Würzner ein kurzes Grußwort sprechen. An der Veranstaltung werden zudem Oberbürgermeister Rahamim Malul und Bürgermeister Yaniv Markowitz aus Rehovot teilnehmen.

Wer dem Zoom-Meeting live beiwohnen möchte, meldet sich bis Mittwoch (27. Januar, 12 Uhr), per E-Mail bei Malena Arnold vom Referat des Oberbürgermeisters (malena.arnold@heidelberg.de). Sie sendet dann per E-Mail die Zoom-Zugangsdaten. Die Veranstaltung ist im Nachgang online abrufbar unter www.heidelberg.de/partnerstaedte.

Heidelberg: Karlstorbahnhof streamt Holocaust-Ausstellung

Der Karlstorbahnhof streamt zum internationalen Gedenktag die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ des Mannheimer Künstlers Luigi Toscano. In „Gegen das Vergessen“ porträtiert Toscano über 400 Überlebende des Holocaust und Opfer der Verfolgung durch das NS-Regime. 200 dieser Porträts werden derzeit an den Zäunen des UNESCO-Hauptquartiers in Paris ausgestellt. Der Livestream ist hier abrufbar.

Erstmals wurde „Gegen das Vergessen“ im Herbst 2015 in Mannheim gezeigt. Anschließend war die Ausstellung in der Ukraine, in Berlin, in den USA und in in Wien zu sehen. Dort wurde die Ausstellung zuerst mit Hakenkreuzen beschmiert, dann wurden die Portraits der Zeitzeugen mutwillig zerschnitten. Menschen aller Kulturen und Religionen kamen anschließend zusammen um die Werke zu beschützen. (rmx/pm)

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