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Hotels in Heidelberg in der Corona-Krise: Lage noch viel dramatischer als befürchtet

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Von: Florian Römer

Oberbürgermeister Eckart Würzner im Gespräch mit Mathias Schiemer (Heidelberg Marketing) und Stephan Sporer (NH Hotel).
Oberbürgermeister Eckart Würzner im Gespräch mit Mathias Schiemer (Heidelberg Marketing) und Stephan Sporer (NH Hotel). © Florian Römer/HEIDELBERG24

Heidelberg - Neben Kultureinrichtungen und Gastronomie bangen auch Hotels in der Universitätsstadt um die Existenz. Sicher ist selbst am „Top-Standort“ Heidelberg nicht viel:

Es sind erwartbare, aber dennoch ernüchternde Ausführungen, die Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner am Mittwoch (31. März) im Rahmen eines Pressegesprächs macht: „Die Hotellerie in Heidelberg befindet sich in einer ganz schwierigen Situation“, berichtet das Stadtoberhaupt im Foyer des NH Hotels in der Bergheimer Straße. Zuvor hatte sich Würzner mit Hoteliers im „Bayrischen Hof“ am Bismarckplatz und im „Qube Bergheim“ unterhalten.

Es ist eine katastrophale Lage“, bestätigt Stephan Sporer. Sein Haus mit rund 350 Betten beherberge aktuell 15 bis 20 Gäste, verrät der Geschäftsführer des NH Hotels. Die Auslastung liegt auch in den anderen Hotels der Stadt seit Monaten teils deutlich unter zehn Prozent, ergänzt Würzner. In der öffentlichen Wahrnehmung finde der „verlorene Berufsstand Hotellerie“ mit den drastischen Veränderungen für die Belegschaft nicht statt, so Würzner. Für Heidelberg sei der Tourismus sehr wichtig und spiele eine „enorme Rolle“, deshalb habe die Stadt großes Interesse, wie es mit der Hotellerie weitergehe.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019/Eurostat)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
Anzahl Beherbungsbetriebe91 (2019)

Heidelberg: 32.000 Arbeitsplätze in Gastro und Hotellerie

Mathias Schiemer, Geschäftsführer von Heidelberg Marketing, verweist auf eine Erhebung, nach der „der Tourismus Heidelberg jährlich rund 750 Millionen Euro ‚Income‘ bringt. In Gastronomie und Hotellerie gibt es etwa 32.000 Arbeitsplätze in der Stadt.“ Vor allem Studenten fehle jetzt eine „Ergänzungsperspektive“ in den Branchen, sagt Rathauschef Würzner ‒ die Gastro ist seit November im Lockdown, viele Mini-Jobber haben mittlerweile ihren Job verloren. Aber auch in der Hotellerie gebe es „Beschäftigungsverhältnisse, die man so nicht sieht.

Auch wenn Heidelberg aktuell „stabile Infektionszahlen um die 80“ habe, glaubt Oberbürgermeister Würzner nicht, „dass die Hotellerie auf schnelle Besserung hoffen kann“. Durch die Corona-Krise sei die Zahl internationaler Touristen in Heidelberg stark rückläufig ‒ vor allem die Gäste aus USA oder Korea fehlten. Im letzten Sommer habe es dafür aber viele Reisende aus Deutschland gegeben, sagt Heidelberg Marketing-Chef Schiemer: „Sobald Öffnungen möglich sind, wollen wir wieder eine nationale Werbekampagne fahren.“ Bis zum Sommer rechneten die Hoteliers allerdings nicht mit einer echten Erholung, weil sie zu sehr vom internationalen Markt abhängig seien. Stephan Sporer setzt jedenfalls fest darauf, dass „Leute eine Sehnsucht haben, privat hierher zu reisen.“ Das sei im Sommer 2020 auch schon so gewesen.

Heidelberg: Hotels an „Top-Standort“ relativ sicher

Die Hoteliers sind froh, in Deutschland zu sein und auf Staatssicherung zurückgreifen zu können“, stellt Oberbürgermeister Eckart Würzner klar. Dennoch bürgt selbst ein „Top-Standort“ wie Heidelberg nicht für eine Existenz-Garantie. Davon zeugen die Corona-bedingten Schließungen des traditionsreichen Hotel Ritter in der Altstadt oder des Crowne Plaza in der Kurfürstenanlage.

Auch das Star-Inn Hotel an der Speyrer Straße musste Anfang März die Segel streichen ‒ das habe aber nichts mit der Pandemie zu tun gehabt, erklärt Schiemer. Der Hotelmarkt in der Universitätsstadt sei ohnehin schon „überhitzt“ bekräftigt Würzner erneut. Mitte März hatte sich das Stadtoberhaupt deutlich gegen einen geplanten Erweiterungsbau des Marriott-Hotels am Neckar ausgesprochen. „Wir können keinen Konkurrenzschutz machen, aber wir müssen bestimmte Prozesse auch nicht aktiv unterstützen“, findet Würzner.

Für die Erweiterung des Marriott-Hotels in Heidelberg-Bergheim sollen Teile des Penta-Parks bebaut werden.
Für die Erweiterung des Marriott-Hotels sollen Teile des Penta-Parks bebaut werden. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Heidelberg: Apps und Massentestungen sollen Öffnungen ermöglichen

Im NH Hotel sollen ab kommender Woche Mitarbeiter regelmäßig getestet werden. Einen elektronischen Check-in wie im Bayrischen Hof sei derzeit noch nicht angedacht, dafür will man auch im NH Hotel die Luca-App implementieren, sagt Stephan Sporer. Für die Stadt Heidelberg ist die App ein wichtiger Baustein, um in der Pandemie wieder Freiheiten zu ermöglichen. Sobald die Inzidenzen das erlauben, will Oberbürgermeister Würzner auch die Außengastronomie wieder ermöglichen. „Dazu müssen wir massenhaft in die Testungen gehen“, so Würzner. Klar sei aber auch, dass man momentan am Anfang einer dritten Welle stehe und Öffnungen kein Thema sind.

Angesprochen auf das Tübinger Modell erklärt der Rathauschef, er finde die Idee eines „Bonus fürs Testen“ im Ansatz gut, will ihn aber erweitern. „Solche Modelle sollten idealerweise regional sein“, sagt Würzner. Heidelbergs Stadtoberhaupt schwebt ein flächendeckendes „Screening“ vor, bei dem Verwaltungsmitarbeiter, Uniangestellte, Arbeitnehmer und Schüler in Heidelberg regelmäßig getestet werden. So könnten Infektionen schnell aufgedeckt und „Bereiche geöffnet werden, die momentan null Perspektive haben.“ Würzner denkt neben Gastro und Hotels primär an den Kulturbereich. Man wolle sich um ein entsprechendes Modellvorhaben beim Land bewerben und sei auch mit Kultureinrichtungen im Gespräch, erklärt der OB. Konkrete Pläne will die Stadt aber noch nicht nennen. Zunächst müssten erst „große Teststrukturen“ aufgebaut und weitere „Erfassungssysteme“ implementiert werden, so Würzner. Zunächst müssen aber erstmal die Infektionszahlen sinken ... (rmx)

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