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Die Untere Straße in Heidelberg.

Mamdouh Butt im Interview

Jugendgemeinderat für kürzere Sperrzeiten!

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Heidelberg-Altstadt - Der Jugendgemeinderat hat die Verwaltungsvorlage abgelehnt, nach der Gaststätten früher schließen sollen. Der Vorsitzende erklärt im Interview, warum.

Sperrzeiten in der Heidelberger Altstadt – nicht nur bei Anwohnern und Gaststättenbetreibern ein brisantes Thema. Mit über 160 Gaststätten und vier Clubs ist die Altstadt ein begehrter Ort zum Ausgehen, der Einheimische und Touristen gleichermaßen anzieht. Sehr zum Verdruss der Anwohner, die sich seit Jahren über den Lärmpegel beschweren.

Um den unterschiedlichen Interessen aller Parteien gerecht zu werden, hat die Stadtverwaltung eine Verwaltungsvorlage zum Thema Sperrzeiten vorgelegt (>>> HEIDELBERG24 berichtete). 

Die Vorlage sieht vor, dass Gaststätten in der Kern-Altstadt werktags bereits um 1 Uhr schließen sollen – eine Stunde früher als bislang. Am Wochenende sollen die Kneipen, Bars und Clubs weiterhin bis drei Uhr geöffnet bleiben können.

Jugendgemeinderat für längere Öffnungszeiten

In seiner Sitzung am 20. November hat der Jugendgemeinderat einstimmig diese Verwaltungsvorlage zum Thema Sperrzeiten abgelehnt. Stattdessen brachte der Jugendgemeinderat einen eigenen Antrag ein, der sich in Sachen Sperrzeiten an der Landesregelung orientiert. Diese erlaubt es Betreibern, ihre Gaststätten werktags bis drei, am Wochenende bis fünf Uhr zu öffnen. 

Im Interview mit HEIDELBERG24 erklärt Mamdouh Butt, Vorsitzender des Jugendgemeinderats Heidelberg, warum das Gremium sich für längere Öffnungszeiten ausgesprochen hat. 

Mamdouh Butt (19) ist Vorsitzender des Jugendgemeinderats der Stadt Heidelberg.

Zur Person:  Mamdouh Butt (19) hat an der Willy-Hellpach-Schule Abitur gemacht, absolviert derzeit ein Praktikum und nimmt im Sommersemester ein Studium auf. Butt ist seit fünf Jahren Mitglied des Heidelberger Jugendgemeinderats. Seit drei Jahren sitzt er diesem vor. Gemeindepolitik liegt bei den Butts in der Familie: Mamdouhs Vater Waseem ist Stadtrat für die CDU.

Wieso hat der Jugendgemeinderat die Verwaltungsvorlage, Gaststätten in der Kernaltstadt werktags schon um ein Uhr zu schließen, abgelehnt?

Es gibt so einige Gründe, die wichtigsten wären: Wir wollen eine attraktive und spannende Stadt. Wenn das Herzstück Heidelbergs so früh schließen muss, was bleibt da noch? Mit dreieinhalb Millionen Touristen im Jahr und rund 40.000 Studenten muss die Stadt darauf hinarbeiten, attraktiver zu wirken anstatt Verbote aufzustellen. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass eine Sperrzeitenverlängerung keine positiven Auswirkungen auf den Lärm in der Altstadt haben wird, da größere Menschenmassen früher aus den Bars und Kneipen raus müssen und die Party dann ganz bestimmt auf den Altstadt-Straßen weiter geht. Mit der Verwaltungsvorlage müssten die Betreiber in der Altstadt mit wirtschaftlichen Einbußen von 20 bis 90 Prozent rechnen – wollen wir demnächst sehen, wie eine Bar nach der anderen schließt? Ein weiterer Satz zur Wettbewerbsfähigkeit: Es wäre unfair, die Kneipen, die in dem Gebiet der Sperrzeiten liegen, um ein Uhr schließen zu lassen, während die Bars, die knapp außerhalb des Gebiets liegen, nicht unter diese Regelung fallen würden. 

Der Jugendgemeinderat hat sogar den Antrag eingereicht, die Sperrzeiten an die Landesordnung anzugleichen, nach der Gaststätten werktags bis drei Uhr, am Wochenende bis fünf Uhr geöffnet haben dürfen. Was sind die Gründe für den Gegenantrag?

Wir sind davon überzeugt: Wenn Gaststätten länger geöffnet sind, wäre der Geräuschpegel in den „Kneipenstraßen“ deutlich geringer. „Feierwütige Gruppen“ könnten ihr Potenzial bis fünf Uhr in den Bars ausleben und stünden nicht nach drei Uhr ausschließlich auf den Straßen. Die Landesregelung macht Heidelberg als kulturellen Standort für junge Erwachsene attraktiver. Und das Wichtigste für uns als gewählte Vertreter: Wir setzen uns für den Willen unserer Wähler ein, die nun mal größtenteils feiern gehen wollen.

Manche Kommentatoren werfen dem Jugendgemeinderat vor, Ablehnung der Verwaltungsvorlage und Gegenantrag seien typisch für eine feierwütige „Generation Rücksichtslos“, der das Ruhebedürfnis der arbeitenden Bevölkerung egal sei. Was entgegnen Sie?

Ziehen Sie nicht mitten in die Stadt, wenn Sie ein Verlangen nach Ruhe haben!

Befürworter der verlängerten Sperrzeiten (also der früheren Schließzeiten) behaupten, dadurch ließen sich Alkoholexzesse unter Jugendlichen besser eindämmen. Wie sehen Sie die Situation?

Das sehe ich nicht so. Ich bin mir sicher, dass die betroffenen Anwohner von verlängerten Sperrzeiten am wenigsten profitieren. Nach ein Uhr ist eine betrunkene Gruppe bestimmt nicht bereit, nach Hause zu gehen – nach drei oder fünf Uhr eher. Möchte man Probleme mit Verschmutzung durch öffentliches Urinieren, Erbrechen und Randale durch alkoholisierte Gruppen eindämmen, so soll man nicht die Bars bestrafen, sondern mit der Aufstockung von Ordnungsbeamten reagieren. Deshalb haben wir in der Sondersitzung des Jugendgemeinderats den Vorschlag der Verwaltung zugestimmt, die Zahl der Kommunalen Ordnungsbeamten von acht auf zwölf zu erhöhen.
Abschließend: Die Stadt würde sich keinen Gefallen tun, wenn die Bars früher schließen. Die Mehrheit in Heidelberg – seien es Jugendliche, Studenten oder Touristen – wollen das Nachtleben genießen. Wir als moderne, offene und kulturelle Stadt dürfen nicht mit retuschierter Feierkultur in Verbindung gebracht werden.

Herr Butt, wir danken Ihnen für das Gespräch!

rmx

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