Drei Varianten in der Diskussion

Standortsuche für Betriebshof: Keine Mehrheiten und ein Rüffel von der RNV 

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Neubau oder Umzug? Keine Mehrheiten für Betriebshof-Standort (Archivfoto). 

Heidelberg - Seit vielen Jahren wird in der Stadt über den Betriebshof und einen möglichen Alternativstandort diskutiert. Die Entscheidungsfindung gestaltet sich schwierig:

Alter Standort an der Bergheimer Straße, Großer Ochsenkopf oder doch das Airfield?

Über diese Standortfrage für den Betriebshof streiten die Stadträte am Mittwoch (24. Oktober) im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss (SEVA). Das Ergebnis nach über zwei Stunden hitziger Diskussion: Keiner der drei denkbaren Standorte findet eine Mehrheit!

Während die SPD einen Neubau am bisherigen Standort befürwortet, sprechen sich CDU, FDP und ‚Heidelberger‘ für den Großen Ochsenkopf aus. Die Grünen schlagen hingegen das Airfield als neuen Standort für den Betriebshof vor.

In einer Sondersitzung, in der es eigentlich um die Straßenbahn nach Schwetzingen ging, hatten sich die Bezirksbeiräte aus Kirchheim und Pfaffengrund vehement gegen einen Betriebshof auf dem Airfield ausgesprochen, berichtet Oberbürgermeister Eckart Würzner. Der Bezirksbeirat Bergheim hatte zwei Wochen zuvor für das Airfield votiert.

Die Standort-Diskussion

Ihre Fraktion beantragt einen Betriebshof-Neubau an der Bergheimer Straße mit begrüntem Dach (nach den Plänen von 2014), erklärt Anke Schuster (SPD). Die Grünfläche am Ochsenkopf sei hoch zu bewerten, auch wenn sie nicht als solche ausgewiesen sei. Und das Airfield habe als „Herzstück eines Landschaftsparks“ á la Luisenpark nichts in der Betriebshof-Diskussion zu suchen. Die große, zusammenhängende Grünfläche rund um das Airfield könnte zu einem großen Stadtpark für Heidelberg werden, sagt Schuster.

Dabei könne man mit dem Betriebshof auf dem Airfield-Gelände einen „Gordischen Knoten lösen“, findet Christoph Rothfuß (Grüne). Schließlich stünde man in Bergheim vor dem Dilemma zwischen Betriebshof am alten Standort erhalten und dem Wunsch, den Stadtteil mit Blick auf Wohnen, Geschäfte und Grünflächen zu entwickeln. Das Thema Betriebshof auf dem Airfield könne zudem den Straßenbahnbau nach PHV (und weiter nach Schwetzingen) beschleunigen, so Rothfuß. 

Michael Eckert (FDP) widerspricht: „Mit einem Betriebshof in der grünen Landschaft verbauen wir uns die Entwicklungsmöglichkeiten dort draußen. Das Airfield ist zu weit weg und auch nicht zukunftsfähig.“ Der Betriebshof solle deshalb am Ochsenkopf neu errichtet werden, der ohnehin schon als Gewerbegebiet ausgewiesen sei. 

Innerstädtische Entwicklungspotenziale sprechen für Larissa Winter-Horn und Karlheinz Rehm (beide HD‘er) für einen Neubau am Ochsenkopf, der ohnehin „nicht mehr als eine Hundewiese“ (Rehm) sei. Bei dem Betriebshof auf dem Airfield würden gut 60.000 Quadratmeter Grünfläche zerstört, resümiert Winter-Horn.

Das Airfield sei finanziell gesehen besser als ein Neubau an der Bergheimer Straße, argumentiert Peter Holschuh (Grüne). Immerhin liegen die geschätzten Entwicklungskosten für das Airfield (65 Millionen Euro) über 20 Millionen Euro unter den geplanten Neubaukosten für einen Betriebshof an der Bergheimer Straße (87 Millionen Euro). „Deshalb wollen wir, dass das Airfield auf die gleiche Planungstiefe gebracht wird, wie die beiden anderen Standorte“, fordert Holschuh.

Es ist absolut unverantwortlich, heute das Airfield weiter zu planen“, entgegnet Schuster. „Es hängt an den Grünen, wenn wir jetzt keine Entscheidung bekommen!“ Eine schnelle Entscheidung sei mit Blick auf die Arbeitssicherheit der Menschen wichtig, die im aktuellen Betriebshof arbeiten, ergänzt Bernd Zieger (Linke), der den SPD-Antrag unterstützt.

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Keine Mehrheiten und ein Rüffel von der RNV

Nach fast fünf Jahren der Diskussion ist es jetzt an der Zeit, eine Entscheidung zu fällen, dafür ist das Gremium da!“, appelliert Oberbürgermeister Würzner vor der Abstimmung an die Stadträte. 

Eine Entscheidung fällt der Ausschuss allerdings nicht. Der Vorschlag, das Airfield weiter zu prüfen (3 Ja/11 Nein/1 Enthaltung) wird ebenso abgelehnt wie der aktuelle Standort an der Bergheimer Straße (6/9) und ein Neubau am Großen Ochsenkopf (6/9), obwohl dieser mit Planungskosten von 62 Millionen Euro die günstigste der drei Varianten ist. 

Sichtlich angefressen reagiert RNV-Geschäftsführer Martin in der Beek auf die Abstimmung: „Das geht so nicht!“, macht in der Beek seinem Ärger Luft. „So können wir bei der RNV nicht weiterarbeiten!“ Man befinde sich mitten in der Verkehrswende und wolle als Unternehmen gute Qualität liefern – das sei nicht möglich, wenn man „zehn Jahre weiter wurschtelt“, so in der Beek.

So gehts weiter

Das Thema beschäftigt am 7. November (17:30 Uhr) den Haupt- und Finanzausschuss ehe der Gemeinderat (22. November, 16:30 Uhr) über den Standort für den Betriebshof entscheiden soll. Eine Mehrheit für eine der drei Varianten zeichnet sich derzeit nicht ab.

rmx

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