Kein Platz im Patrick Henry Village

In Zelt: Polizei nimmt vorübergehend 17 Flüchtlinge auf

+
In diesem Zelt sind die 17 Flüchtlinge - darunter sechs Kinder - vorübergehend untergekommen.

Heidelberg-Kirchheim – Weil 17 Flüchtlinge kurzfristig keinen Platz in der Erstaufnahmestelle im Patrick Henry Village finden, bietet das Polizeirevier Heidelberg-Süd kurzerhand Obdach.

Hut ab vor dieser humanitären Aktion der Polizei Heidelberg!

Gegen 23 Uhr am Mittwochabend kommen 17 Flüchtlinge am Hauptbahnhof Heidelberg an, um bei der Erstaufnahmestelle im Patrick Henry Village um Asyl zu beten. 

Die Hilfsbedürftigen - darunter sechs Kinder im Alter zwischen zehn Monaten und 16 Jahren - können jedoch nicht aufgenommen werden, auch andere Unterbringungsmöglichkeiten gibt es nicht.

Das Polizeirevier Heidelberg-Süd fackelt nicht lange und bietet den 17 Flüchtlingen Unterkunft. Die Ortsgruppe Eppelheim des Deutschen Kreuzes greift ihnen dabei helfend unter die Arme und stellt ein Zelt und Helfer für den Aufbau eines Zeltes, das im Hof des Reviers aufgebaut wird, zur Verfügung. Der Betreiber der Erstaufnahmestelle Heidelberg (European Home Care) stellt Feldbetten und Verpflegung.

Polizei nimmt vorübergehend 17 Flüchtlinge auf

Da die Herkunft der Flüchtlinge noch nicht geklärt war, führen die Beamten noch in der Nacht Identifizierungsverfahren durch. Bei der Unterbringung, dem Aufbau und den erkennungsdienstlichen Maßnahmen bekommt das Revier HD-Süd Unterstützung von Beamten des Polizeireviers HD-Mitte, der Polizeihundestaffel Walldorf und des KDD.

Währenddessen übernehmen die umliegenden Polizeireviere die polizeilichen Tätigkeiten im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers HD-Süd.

Noch im Laufe des Donnerstags sollen die Flüchtlinge zur Landeserstaufnahmestelle nach Karlsruhe gebracht werden.

Land ist gefordert

Jetzt äußert sich Sozialbürgermeister Dr. Joachim Gerner (SPD) zu der Notlösung: „Diese Situation ist für niemanden tragbar. Weder für die Flüchtlinge, noch für die Polizei, noch für die Bürgerinnen und Bürger. Kirchheim trägt mit der überbelegten Notunterkunft auf PHV bereits eine große Belastung. Das gilt auch für die dortige Polizei. Es darf nicht sein, dass die Polizei ausgerechnet dort jetzt auch noch durch völlig fremde Aufgaben gebunden wird.

Auch wenn dies eine „menschlich hochanständige Reaktion“ der Polizei und der weiteren Helfer sei, erwarte man seitens der Stadt, dass das Land Baden-Württemberg „endlich auch in weiteren Städten Aufnahmekapazitäten für Flüchtlinge schafft“. 

Und der Bürgermeister mahnt: „Es kann nicht sein, dass bei uns in Heidelberg bei bereits mehr als 2.000 Menschen in einer provisorischen Einrichtung zusätzlich auch noch ein Polizeihof zum Flüchtlingsquartier umfunktioniert wird, während in dieser Notsituation andere Städte nicht einen einzigen Erstaufnahmeplatz bereitstellen.

Hintergrund: Bereits im Gemeinderat am 25. Juni wurde weiteren befristeten Betrieb eines Notquartiers des Landes zur Erstaufnahme von Flüchtlingen in Patrick-Henry-Village bis 30. April 2016 zugestimmt. Jedoch mit einer Regelbelegung mit 1.000 Personen und einer Belegungshöchstgrenze in begründeten Ausnahmefällen von maximal 2.000 Menschen.

Fatal: Das Land nutzt die Einrichtung derzeit für rund 2.600 Personen!

pol/rob

Fotos: Abriss ‚Lux-Harmonie‘-Kino fast abgeschlossen

Fotos: Abriss ‚Lux-Harmonie‘-Kino fast abgeschlossen

Luxor-Filmpalast: Ein Blick hinter die Kulissen 

Luxor-Filmpalast: Ein Blick hinter die Kulissen 

Öffentlichkeit vom Amokfahrer-Prozess ausgeschlossen

Öffentlichkeit vom Amokfahrer-Prozess ausgeschlossen

Kommentare