Im Wert von 500.000 Euro  

Kunstgegenstände von Seniorin ergaunert: Freispruch für 30-jährigen Angeklagten! 

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Der Angeklagte wird im Landgericht Heidelberg freigesprochen. (Archivbild) 

Heidelberg - In Heidelberg ergaunerte eine Bande falscher Polizisten tütenweise Kunstgegenstände. Warum ein 30-Jähriger trotzdem freigesprochen wurde: 

Im Prozess um einen Beutezug falscher Polizisten, die eine Seniorin um Kunst im Wert von Hunderttausenden Euro gebracht haben sollen, hat das Landgericht Heidelberg einen 30-Jährigen freigesprochen. 

Gegen den Angeklagten habe es keine objektiven Beweise gegeben, sagte Richter Christian Mühlhoff am Mittwoch bei der Urteilsverkündung. Zudem sei es bei der Aussage des Opfers zu Widersprüchen gekommen

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, mit zwei bislang unbekannten Komplizen meist ältere Menschen angerufen und betrogen zu haben.Die Anrufer hätten sich als Polizisten und Staatsanwälte ausgegeben, der 30-Jährige sei ein sogenannter Abholer gewesen. Die Bande habe ihren Opfern vorgespielt, dass nur sie Geld und Wertgegenstände vor Einbrechern schützen könne. 

So auch im Fall der Seniorin aus Heidelberg. „Die wussten, dass ich gerade alleine bin, Bilder besitze und dass ich einen Safe bei der Bank und ein Konto im Ausland habe. Einfach alles", sagte die heute 71-Jährige vor Gericht. Sie sei die ganze Nacht wach gewesen und habe dauernd telefoniert. „Die haben mich nicht losgelassen.“

Dem Angeklagten habe sie am frühen Morgen dann mehrere Tüten mit Kunst übergeben. Darunter mehrere Ikonen aus Israel und Russland, Plastiken sowie Zeichnungen aus Indien. In der Verhandlung gab die Kunsthistorikerin den Wert der Gegenstände mit etwa 500.000 Euro an.

„Im Zweifel für den Angeklagten“ 

Erklären kann sie sich ihr Verhalten heute nicht mehr:„Wenn es um meine Bilder geht, werde ich eben zittrig.“ An der Tat habe es keine Zweifel gegeben, sagte Richter Christian Mühlhoff. Bei der Beschreibung des Täters habe sich die Seniorin aber in Widersprüche verstrickt. Bei der ersten Vernehmung gab sie demnach an, dass der Täter etwa 1,80 Meter groß ist und rot-blonde Haare hat. 

Auf Fotos identifizierte sie später den angeklagten 30-Jährigen. Dieser ist jedoch deutlich kleiner und sieht anders aus. „Eine Verurteilung kann sich auch auf eine einzige Aussage stützen. Dann muss sie aber wasserdicht und über jeden Zweifel erhaben sein“, sagte Richter Mühlhoff. 

Die Aussage des Opfers habe diese Kriterien aber nicht erfüllt. Deshalb sei nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ entschieden worden. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre und zehn Monate Haft gefordert. 

Zusammenhang mit Taten in München, Stuttgart und Friedrichshafen 

Der Heidelberger Fall soll den Ermittlern zufolge auch mit Taten in München, Stuttgart und Friedrichshafen zusammenhängen. Zum Beispiel hätten die Betrüger bei mehreren Taten dieselben Handynummern benutzt. 

Der 30-Jährige war letztes Jahr vom Amtsgericht Stuttgart wegen einer ähnlichen Tat zu einer Strafe von einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt worden. Dem Landeskriminalamt zufolge steigt die Zahl solcher Betrugsfälle stark an. Der Großteil der Taten bleibe aber im Versuchsstadium stecken, sagte ein LKA-Sprecher. 

Im Jahr 2017 wurden demnach 1.955 Fälle gemeldet, in denen sich Kriminelle für Polizisten ausgegeben haben. Bei 1.843 blieb es bei einem Versuch. Allein 2017 entstand dabei ein Schaden von über fünf Millionen Euro.

dpa/kp

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