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Heidelberg: Lange Haft wegen versuchten Mordes – Täterinnen gehen in Revision

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Eliran Kendi

Versuchter Mord soll wie ein Suizid aussehen – Prozess am Landgericht Heidelberg beginnt (Archivbild).

Versuchter Mord soll wie ein Suizid aussehen – Prozess am Landgericht Heidelberg beginnt (Archivbild). © HEIDELBERG24/Nicole Suberlak

Heidelberg/Rhein-Neckar-Kreis - Wegen versuchten Mordes wurden zwei Frauen am Landgericht zu langen Haftstrafen verurteilt. Gegen den Richterspruch ziehen beide jetzt vor den BGH:

Update vom 6. Mai: Das Landgericht Heidelberg verurteilte am Mittwoch (28. April) zwei Frauen wegen versuchten Mordes zu langen Gefängnisstrafen. Gegen das Urteil haben beide Frauen Revision am Bundesgerichtshof eingelegt, teilte das Landgericht auf dpa-Anfrage mit. Sollte der BGH den Fall zulassen, wird er nicht mehr neu aufgerollt. Das Gericht prüft dann lediglich das Urteil darauf, ob das Recht richtig angewendet wurde.

Frauen wollten Handwerker umbringen, um an Erbe zu kommen

Eine 36-Jährige und ihre 58-jährie Komplizin sollen aus Habgier ein Mordkomplott gegen den Ehemann der jüngeren Angeklagten geschmiedet haben: Um an das Erbe des vermögenden Handwerkers aus Angelbachtal zu kommen, machten sie ihn im Mai 2020 mit einem mit Medikamenten versetzten Likör bewusstlos, anschließend schnitt die Ältere dem Mann mit einem Kochfeldschaber die Pulsadern am Unterarm auf. Die Tat sollte wie ein Selbstmord aussehen. Der Mann wurde durch den Schmerz wach und schrie, worauf die Komplizin der Ehefrau floh. Das Opfer konnte durch eine Notoperation gerettet werden. Auslöser für die Tat soll gewesen sein, dass der Handwerker zuvor eine neue Partnerin in die Familie eingeführt hat.

Der Fall hatte für viel Aufsehen gesorgt, geraten doch Frauen eher als Opfer ‒ nicht als Täterinnen ‒ in die Schlagzeilen. Die Zahl der verdächtigen Frauen bei den Delikten Mord und Totschlag pendelt nach Angaben des Landesinnenministeriums in Baden- Württemberg seit Jahren um die 40 ‒ 2020 waren es 45, im Jahr davor 37. Die Zahl der verdächtigen Männer liegt weit höher mit 334 im vergangenen und 372 im Jahr davor. Auch die Opferzahlen sind bei den Männer größer: 2020 wurden 276 (2019: 272) Männer getötet. 2020 wurden 115 Frauen umgebracht, im Jahr davor 99.

Heidelberg: Mordversuch als Suizid getarnt – lange Haftstrafen für Täterinnen

Update von 28. April, 14:33 Uhr: Harte Haftstrafen hängt am Nachmittag das Landgericht Heidelberg verhängt: Für den versuchten Mord an ihrem Ehemann ist die 36-jährige Ehefrau des Opfers zu elf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ihre Komplizin (57) bei der Bluttat ist zu neuneinhalb Jahren verknackt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslänglich gefordert.

Für die Richter gilt als erwiesen, dass die Frau des Opfers und ihre Ex-Angestellte den Mann zunächst mit präpariertem Likör betäubt haben, um ihn dann zu töten. Die Schreckenstat sollte wie ein Selbstmord aussehen. Der perfide Plan platzte jedoch, als der Mann aufwachte - just als ihm die Mitangeklagte mit einem Ceranfeldschaber die Pulsader aufschnitt. Eine Not-OP rettete dem Opfer schließlich das Leben. Und das alles nur, um an das Erbe des Mannes zu kommen.

Landgericht Heidelberg: Mordversuch als Suizid getarnt – heute Urteil für zwei Frauen

Update vom 28. April, 9:37 Uhr: Im Prozess um einen vorgetäuschten Suizid das Landgericht Heidelberg am Mittwoch gegen 14 Uhr sein Urteil über die angeklagten Frauen verkünden. Die beiden sollen laut Staatsanwaltschaft versucht haben, den 57-jährigen Ehemann der einen umzubringen, um an sein Erbe zu gelangen. Dabei hätten sie die Tat als Suizid kaschieren wollen. Dafür fordert die Anklagebehörde lebenslange Haft für die Ehefrau und ihre ehemalige Angestellte.

Die Verteidigung forderte einen Freispruch für die Ehefrau (57), die im Prozess angegeben hat, nichts mit der Tat im Mai 2020 zu tun gehabt zu haben, und damit die Täterschaft auf die mutmaßliche Komplizin schob. Für letztere sah deren Verteidigerin den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung als gegeben an und plädierte auf eine milde Strafe, ohne konkret zu werden. Es liege kein Tötungsvorsatz vor. Die Ehefrau Mitte 30 solle wegen eines fingierten Überfalls, der die Spuren für die Tat auf Dritte lenken sollte, eine Geldstrafe zahlen, schlug ihr Verteidiger vor.

Landgericht Heidelberg: Angeklagte (57) gesteht Mordversuch – schockierende Details

Update vom 31. März: Prozessauftakt am Landgericht Heidelberg: Mit über den Kopf gezogener Jacke betritt die Angeklagte den Saal. In dem Prozess wird ihr und einer Freundin unter anderem versuchter Mord vorgeworfen – mit vergiftetem Likör und einem Ceranfeldschaber. Erst als die Fotografen abziehen, zeigt die 57-jährige Beschuldigte ihr Gesicht. Wenige Stunden später wird sie das Verbrechen gestehen, es ist der Schlusspunkt einer ganzen Reihe von Straftaten: „Ich bereue, was ich getan habe, zutiefst.

Aus Angst vor Schlägen habe sie die Forderung ihrer Freundin erfüllen wollen, deren Ehemann (57) zu töten, heißt es in einer von der Verteidigerin der 57-Jährigen verlesenen Erklärung am Dienstag (30. März). Es geht um das, was laut Anklage am Abend des 10. Mai 2020 in Angelbachtal geschah: Die Ehefrau besuchte ihren Mann und brachte ihm ein Kartoffelgratin und einen mit Medikamenten versetzten Likör mit. „Wenn er auch davon noch gegessen hätte, wäre er wahrscheinlich nicht aufgewacht“, so sein Anwalt vor Gericht.

Nachdem sie ihren Mann zum Trinken des giftigen Gebräus verleitet hatte, brachte sie ihn noch zu Bett und verließ die Wohnung, wobei sie ein Fenster öffnete. Durch dieses stieg die Komplizin nachts ein – und griff den schlafenden Ehemann der Freundin mit einem Ceranfeldschaber an.

München/Harras: 21-Jähriger greift Männer mit Ceran-Schaber an

Mit einem Ceranfeldschaber wurde dem Opfer aufgeschnitten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa / Andrea Warnecke

Landgericht Heidelberg: Geständige Angeklagte mit langem Vorstrafenregister

Die häufig aggressive und hysterische Ehefrau des Opfers habe befürchtet, aus der Ehe ohne Geld herausgehen zu müssen, lässt die Angeklagte nun vor Gericht verlauten. Deshalb habe ihre 36 Jahre alte Freundin den getrennt von ihr lebenden Mann umbringen wollen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau und ihre Freundin den geplanten Tod wie einen Suizid aussehen lassen wollten und bewertet die Tat als heimtückisch und habgierig. Zudem beschuldigt sie das Duo der gefährlichen Körperverletzung und des Vortäuschens einer Straftat.

Sie habe den aus ihrer Sicht immer freundlichen und hilfsbereiten Mann nicht töten wollen und ihn deshalb extra an einer Stelle verletzt, die sie für ungefährlich hielt. Zudem habe sie befürchtet, dass sie den Kontakt zu der von ihr sehr geliebten gemeinsamen Tochter des Paares verlieren würde, wenn sie die Anweisungen ihrer Freundin nicht befolgen würde. Die Geständige ist allerdings kein unbeschriebenes Blatt: Laut Bundeszentralregister ist sie mehr als 30 Mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen; meist wegen Diebstahls, wobei zuletzt Verfahren wegen Schuldunfähigkeit eingestellt worden waren.

Landgericht Heidelberg: So skrupellos sollte der Mann getötet werden

Aber wie ging es weiter an jenem Abend im Mai? Der vom Likör betäubte Mann wachte bei einem ersten Schnitt nicht auf. Als ihn die Frau mit dem Ceranfeldschaber einen 15 Zentimeter langen Schnitt in den Unterarm zufügte, schreckte er auf. Der lebensgefährlich Verletzte schleppte sich zu Nachbarn, wo er bewusstlos zusammenbrach – während die Frau die Flucht ergriff.

Vor dem Geständnis der 57-Jährigen hatte sich bereits die Ehefrau zu ihrer Beziehung mit dem Mann geäußert. Mit diesem habe sie zwölf Jahre quasi nebeneinander her gelebt. Sie habe sich um Haushalt, die gemeinsame Tochter und ihr kleines Reinigungsunternehmen gekümmert – trotz der Diagnose Multiple Sklerose. Von der Familie ihres Ehemanns habe sie sich nie akzeptiert gefühlt, sagte die gelernte Einzelhandelskauffrau mit italienischen Wurzeln.

Landgericht Heidelberg: Mord-Versuch als Suizid getarnt? Zwei Frauen ab Dienstag auf Anklagebank

Meldung vom 27. März: Mit einem außerordentlich perfiden Plan sollen zwei Frauen versucht haben einen Mann zu töten und die Tat wie einen Suizid aussehen zu lassen. Bei dem Opfer handelt es sich um den getrennt lebenden Ehemann einer der beiden mutmaßlichen Täterinnen. Durch die heimtückische Tat haben die 36-Jährige und ihre 57-jährige Ex-Kollegin an das Erbe kommen wollen – so lautet die Anklage. Wegen versuchten Mordes am Ehemann der jüngeren Angeklagten müssen sie sich von Dienstag (30. März) an vor dem Landgericht Heidelberg verantworten.

Heidelberg: Mann (57) kommt nach heimtückischer Tat knapp mit dem Leben davon

Laut Anklage an, haben die beiden Frauen angenommen der Endfünfziger werde wohl bald die Scheidung einreichen und damit die finanziellen Zuwendungen an seine Frau verringern. Das wiederum weisen die beiden Frauen auf der Anklagebank zurück und bestreiten, dass sie den Mann aus Angelbachtal (Rhein-Neckar-Kreis) haben umbringen wollen.

Demgegenüber stellt die Staatsanwaltschaft Heidelberg das Geschehen am Abend des 10. Mai 2020 so dar: Die Ehefrau besucht zunächst ihren Mann und bringt ihm neben einem Kartoffelgratin einen mit Medikamenten versetzten Likör mit. Nachdem sie ihren Mann zum Trinken verleitet hat, verlässt sie die Wohnung, wobei sie ein Fenster öffnet. Durch dieses steigt die Komplizin heimlich um Mitternacht ein. Der betäubte Mann wacht aber auf, als ihm die unbekannte Frau einen Längsschnitt in den Unterarm zufügt.

Während die Frau vom Tatort flieht, kann sich der lebensgefährlich Verletzte noch zu Nachbarn schleppen – eine Notoperation rettet ihn schließlich das Leben. Um den Verdacht von sich abzulenken, soll die 36-Jährige einen Monat nach der Tat ihre Entführung vorgetäucht haben. Es sollte so aussehen, als ob ihr Mann dahinter stecke.

Heidelberg: Mann (57) kommt nach heimtückischer Tat knapp mit dem Leben davon

Zunächst tappen die Ermittler im dunkeln und gehen einem anderen Verdacht nach. Doch ausgerechnet der als Likör getarnte Betäubungscocktail bringt die Fahnder auf die richtige Spur. Am 30. Juni 2020, keine zwei Wochen nach der Tat, wird das Duo festgenommen. Die nun angeklagten Ex-Kolleginnen einer Reinigungsfirma bestreiten, dass sie den Mann aus Angelbachtal (Rhein-Neckar-Kreis) töten wollten.

Zum Auftakt des auf acht Verhandlungstage festgesetzten Prozesses am Landgericht Heidelberg werden die beiden Angeklagten befragt. Insgesamt 22 Zeugen sind vor die Schwurgerichtskammer geladen. (esk mit dpa)

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