Bedeutende Künstlerin

Karikaturistin Marie Marcks (†92) gestorben!

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Bedeutende Karikaturistin Marie Marcks am Sonntag in Heidelberg gestorben

Heidelberg - Marie Marcks war die berühmteste deutsche Karikaturistin und eine Vorkämpferin der Frauenbewegung. An ihrem 90. Geburtstag wurde sie als Chronistin der Bundesrepublik gewürdigt.

Die Karikaturistin Marie Marcks ist tot. Sie sei am Sonntagmittag im Alter von 92 Jahren gestorben, sagte ihr Sohn der Deutschen Presse-Agentur und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". 

Wer Marie Marcks am Schluss noch gesehen hat, konnte nur staunen über ihre ungebrochene Geistesgegenwart. Bisweilen konnte sie ungeduldig sein, wenn ihr ihre Gesprächspartner begriffstutzig zu sein schienen, oder Marie Marcks mit Marie Marcks unzufrieden war. Außerhalb ihres Heidelberger Domizils war sie auf den Rollstuhl angewiesen, aber jeder der sie kannte, war verblüfft über die Lebendigkeit der kleinen Dame jenseits der neunzig, so schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. 

Karikatur von Marie Marcks

Geboren wurde Marcks 1922 in Berlin, hinein in eine kunstsinnige Familie. Prominentestes Mitglied war ihr Onkel der Bildhauer Gerhard Marcks. Mit Papier und Stiften war Marie Marcks von klein auf vertraut - ihre Mutter leitete eine Kunstschule. Dort absolvierte Marie Marcks auch eine Ausbildung. Während des Zweiten Weltkriegs studierte sie einige Semester Architektur. Sie arbeitete nach dem Krieg in ihrer neuen Wahlheimat Heidelberg als Graphikerin. In den 60er Jahren begann sie dann als Karikaturistin für Zeitungen und Zeitschriften zu zeichnen. Für die politische Zeitschrift „Atomzeitalter“, dann die „Süddeutsche Zeitung“, den „Vorwärts“, „Stern“ und „Spiegel“ und die Satirezeitschrift „Pardon“ und die „Titanic“ zeichnete sie, und war dabei lange die einzige Frau in diesem Metier. 

Das caricatura museum frankfurt hatte Marcks anlässlich einer Ausstellung zu ihrem 90. Geburtstag als Chronistin der Bundesrepublik gewürdigt. Grund: Ihre breite Themenpalette, die von Rüstung, Militär und Rechtsextremismus über Bildung und Erziehung bis zu Emanzipation sowie Alter und Jugend reichte.

Neben ihren politischen Themen hatte Marie Marcks auch ein privates Anliegen, das nicht minder politisch war und immer noch ist: die Frauenemanzipation. Als alleinerziehende Mutter von fünf Kindern wusste sie, wie es um die soziale Akzeptanz von Frauen in ihrer Situation stand. Als sich die Frauenbewegung in den siebziger Jahren endlich etablieren konnte, hatte Marie Marcks längst die Basis dafür gelegt. 

Noch bis vor wenigen Jahren zeichnete sie und 2013 konnte mit der Hilfe der Kulturstiftung der Länder ihr riesiger und karikatur- wie kunsthistorisch höchst bedeutsamer Vorlass für das Hannoveraner Wilhelm Busch Museum für Karikatur und Zeichenkunst angekauft werden.

Marcks arbeitete auch als Buch- und Kinderbuch-Illustratorin. Außerdem wirkte sie bei der Produktion von Kurz- und Trickfilmen mit.

dpa/tin

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