Zwei Teams planen weiter

Masterplan fürs Neuenheimer Feld jetzt auf „Konfrontationskurs“?

Ein Luftbild von Heidelberg, auf dem der Stadtteil Neuenheim und der Unicampus Neuenheimer Feld zu sehen sind. Im Neuenheimer Feld ist neben Instituten der Ruprecht-Karls-Universität auch das Universitätsklinikum Heidelberg angesiedelt.
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Luftbild von Neuenheim und dem Neuenheimer Feld.

Heidelberg - Der Gemeinderat hat über den Fortgang beim Masterplan für das Neuenheimer Feld entschieden. Zwei Büros sollen konkurrierende Planungen für den Campus der Zukunft erarbeiten.

  • Der Masterplan für das Neuenheimer Feld soll in die nächste Phase gehen.
  • Vier Planungsbüros haben Entwürfe für die städtebauliche Entwicklung des Neuenheimer Felds in Heidelberg vorgelegt.
  • Mit ihrem Favoriten ignorieren die Projektträger die Empfehlung des Bürgerforums.
  • Zwei Büros sollen konkurrierende Entwürfe erarbeiten, über die der Gemeinderat im Frühjahr 2021 entscheiden will.

Update vom 24. Juli: Eine Mammut-Sitzung mit über 100 Tagesordnungspunkten muss der Gemeinderat Heidelberg in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause am Donnerstag (23. Juli) bewältigen. Allein die Vorstellung und Wahl des neuen Klimaschutz-Bürgermeisters dauerte zwei Stunden. Zum Masterplanverfahren für das Neuenheimer Feld beschließt der Gemeinderat, dass mit Astoc und Höger zwei Planungsbüros konkurrierende Entwürfe für die nächste Phase entwickeln werden. Dabei sollen explizit Ideen der beiden aus dem Verfahren geschiedenen Planer Møller und Heide integriert werden. Im Frühjahr 2021 wird man sich dann für einen Entwurf entscheiden.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Masterplan Neuenheimer Feld: Auch Höger darf weiter planen - was macht die Uni?

In der Aussprache zum Masterplanverfahren Neuenheimer Feld wird vor allem von der bürgerlichen Seite des Gremiums die Befürchtung geäußert, die Uni könnte als Projektträger das Verfahren verlassen, wenn in der Konsolidierungsphase zwei Teams an konkurrierenden Entwürfen arbeiten sollten. Das hatte der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss Anfang Juli vorgeschlagen. Dr. Jan Gradel (CDU) erinnert daran, dass die Universität in den 1960ern „größtmöglichen Handlungsspielraum“ für ihre Entwicklung im Neuenheimer Feld bekommen habe und der aktuelle Exzellenz-Status auch daher rühre. Diesen Status sieht Gradel bedroht, da „Flächenanmeldungen und Zukunftsszenarien in Frage gestellt“ würden. Wenn das Team Höger im Verfahren bleibt, verursache das nicht nur zusätzliche Kosten im sechsstelligen Bereich, so Gradel. Er „befürchtet auch, dass die Uni dann aussteigt.

Michael Eckert (FDP) hat mit dem Verbleib der Züricher Architektin Kerstin Höger im Planungsprozess rechtliche Bedenken: Höger habe die räumlichen Vorgaben bspw. bei Gebäudeabständen zum Neckar nicht eingehalten. Zudem seien „Arbeitsplätze im Untergeschoss rechtlich nicht drin“. Höger setze auf „riesige Hochhäuser“, um mit einer Nicht-Bebauung des Hühnersteinszu punkten“. Den vorzeitigen Ausschluss einer fünften Neckarquerung oder der Bebauung des Hühnersteins aus den Planungen sieht Wolfgang Lachenauer (Heidelberger) als die Durchsetzung von „Denkverboten“: Statt mit den Plänen von Astoc als Basis „alle Fragen zu beantworten“, manövriere man das Masterplanverfahren auf „Konfrontationskurs, wenn Höger als zweites Büro weiter kommt.“ Mit diesem Schritt werde der Prozess „politisiert“, findet Lachenauer. Auch Baubürgermeister Jürgen Odszuck empfindet den Fortgang mit zwei Büros als unnötige „Zuspitzung“.

Masterplan Neuenheimer Feld: Zwei Büros als Kompromissvorschlag

Grüne, Linke, GAL und Bunte Linke sehen zwei Büros in der Konsolidierungsphase dagegen als „Kompromiss“. Man habe intern lange diskutiert und wolle die Zukunftsfragen für das Neuenheimer Feld gern an beide Büros geben, sagt etwa Grünen-Fraktionschef Derek Cofie-Nunoo. Mit Höger habe man zumindest „eine nachhaltige Variante“ im weiteren Planungsprozess, argumentiert Bernd Zieger (Linke). In den Wachstumsprognosen sei beispielsweise nicht einberechnet, wie sich die Corona-Krise auf das Arbeiten der Zukunft auswirkt. Da müsse die Uni neue Zahlen liefern, wie sich der Raumbedarf mit Blick auf zunehmendes Home Office verändert, fordert Sören Michelsburg (SPD).

Arnulf Weiler-Lorentz (Bunte Linke) kritisiert die Behauptung, Höger habe die Bedingungen nicht erfüllt. Die geforderte Bruttogeschossfläche sei sehr wohl erreicht. Ohnehin habe man im Verfahren bereits „enorme Zugeständnisse an die Uni gemacht.“ Jetzt stehe man eben vor der Frage, ob man ökologisch vertretbare Stadtentwicklung wolle oder nicht. Auch Christoph Rothfuß (Grüne) verteidigt die Entwürfe von Höger. es sei ja noch gar nicht klar, wie die Keller und Untergeschosse genutzt werden. Zudem müsse man bezüglich der Bebauung der Neckarufer sprachlich nachschärfen: Dort heißt es jetzt, dass die 60-Meter-Zone zwischen Neckar und Neuenheimer Feld nicht bebaut werden „darf“.

Masterplan für das Neuenheimer Feld wird von zwei Büros weiterentwickelt

Update vom 23. Juli, 20:30 Uhr: Jetzt ist es amtlich: Das Masterplanverfahren für das Neuenheimer Feld wird mit zwei Büros in die „Konsolidierungsphase“ gehen. Der Gemeinderat Heidelberg hat am Donnerstag (23. Juli) mehrheitlich beschlossen, dass die Büros Astoc und Höger zwei konkurrierende Entwürfe erarbeiten sollen. Die Ruprecht-Karls-Universität soll mit Blick auf verstärktes Heim-Arbeiten als Folge der Corona-Pandemie ihren Raumbedarf neu bewerten. Durch die Entscheidung des Gemeinderats wird sich das Masterplanverfahren um mindestens sechs Monate verlängern. Auch die Kosten werden deutlich steigen. Bislang haben Stadt und Universität rund 2,6 Millionen für den Masterplanprozess ausgegeben.

Masterplan Neuenheimer Feld: Was passiert mit Zoo und Hühnerstein?

Update vom 23. Juli, 12:30 Uhr: In wenigen Stunden soll der Gemeinderat Heidelberg entscheiden, wie es im Masterplanprozess für das Neuenheimer Feld weitergeht. Der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss hatte Anfang Juli beantragt, in der „Konsolidierungsphase“ mit Astoc und Höger zwei Teams separat an dem Masterplan weiterplanen zu lassen. Aber gerade die Entwürfe von Höger kommen bei den Projektträgern Stadt, Uni und Land wohl nicht so gut an. Das Züricher Büro will auf eine Bebauung des Hühnersteins komplett verzichten und setzt in seinen Entwürfen auf Hochhäuser und Nachverdichtungen um DKFZ, Kliniken und Uni.

Masterplan Neuenheimer Feld: Was passiert mit Zoo und Hühnerstein?

Hochhäuser mit bis zu 20 Stockwerken sieht Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner im Neuenheimer Feld allerdings kritisch: „Ich halte den Entwurf Höger für zu hoch, zu dicht und zu abgeschottet gegenüber seiner Umgebung. Das Konzept setzt am stärksten von allen auf Hochhäuser. Sie sollen bis zu 20 Stockwerke haben. Das sind sieben Stockwerke mehr als unser bislang höchstes Gebäude, der SRH-Tower.“ Zudem stelle das Konzept von Höger den Zoo Heidelberg vor eine ungewisse Zukunft, da er auf Flächen verzichten müsste. „Wir können nicht unserem eigenen Zoo die Luft abschnüren“, so das Stadtoberhaupt.

Indes dürfte sich das Areal Hühnerstein als Knackpunkt im weiteren Verfahren erweisen. Die Uni besitzt bereits Baurecht auf der Fläche. Anwohner, Kleinbauern und Umweltschützer befürchten eine Bebauung des Handschuhsheimer Felds, sollte der Hühnerstein erstmal „angefasst“ werden. OB Würzner: „Der Gemeinderat hat in der Rahmenvereinbarung zugesichert, dass das Baurecht auf dem Hühnerstein nicht angetastet wird. Diese Zusage dürfen wir nicht brechen.

Masterplan Neuenheimer Feld: Kommt jetzt doch die Straßenbahn durch den Campus?

Geht es nach den Projektträgern, werden die Entwürfe des Kölner Büros Astoc als Grundlage für die weiteren Planungen dienen. „Der Entwurf von ASTOC ist offen, flexibel und integrativ. Er schafft die Basis für einen attraktiven Campus. Er sorgt für eine bessere Erreichbarkeit und eine gute Durchgrünung des Areals“, erklärt Würzner. „Gute Ansätze“ der anderen Planungsbüros sollen einfließen, alle Büros weiter beteiligt bleiben.

Immerhin haben sich Land Baden-Württemberg, Uni und Stadt inzwischen darauf geeinigt, dass eine Straßenbahn auf einem „Campusring“ durch das Neuenheimer Feld fahren soll. Dabei will man sich an der vom Team Möller vorgeschlagenen Streckenführung orientieren. Abzuwarten bleibt, wie der Gemeinderat am Abend entscheidet. trotz ablehnender Haltung seitens der Träger ist es durchaus vorstellbar, dass in der nächsten Masterplan-Phase zwei Büros konkurrierende Entwürfe erarbeiten.

Masterplan Neuenheimer Feld: Gehen zwei Büros in die nächste Runde?

Grundtext vom 2. Juli: Die zweite Phase des Masterplanverfahrens für das Neuenheimer Feld steht vor dem Abschluss: Am 23. Juli soll der Gemeinderat entscheiden, mit welchem der vier Entwürfe der Planungsbüros in die Konsolidierungsphase gegangen werden soll. Dabei haben sich die Projektträger (Land Baden-Württemberg, Ruprecht-Karls-Universität und Stadt Heidelberg) auf die Planungen des Büros Astoc festgelegt - und ignorieren damit die Empfehlungen des Bürgerforums. Der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss (SeVA) will mit Höger ein zweites Büro weiter planen lassen.

Masterplan Neuenheimer Feld: Träger wollen Entwurf von Astoc als Basis

Im Februar hatten sich die Projektträger darauf verständigt, dass die Ansätze des Kölner Planungsbüros Astoc die Grundlage für die weitere Entwicklung des Masterplanprozesses sein soll. Dieses könne „flexibel" mit Ansätzen der anderen Planungsbüros Höger, Möller und Heide kombiniert werden. So könnten beispielsweise weitere Verdichtungspotenziale auf dem Campus mit dem Ansatz von Höger vertieft und grüne Übergänge zwischen nördlicher Bebauung und dem Handschuhsheimer Feld (Heide, Möller) geprüft werden.

Eine innere Erschließung könnte über den Aufbau eines Mobilitäts-Hubs und einer „Campus-Flotte“ (Astoc) erfolgen. Der kontroverseste Verkehrsaspekt ist eine Straßenbahn durch das Neuenheimer Feld. Sie wird von Höger und Möller als Campus-Ring vorgeschlagen oder als Stichstrecke von der Berliner Straße über die die Straßen „Im Neuenheimer Feld“ und Tiergartenstraße zum Sportzentrum Nord (Heide). Die Grundlage von Astoc könnte nach Meinung der Projektträger auch mit einer Seilbahn kombiniert werden. Der Frankfurter Planer Ferdinand Heide hatte vorgeschlagen, eine Seilbahn von einem P&R-Platz beim S-Bahnhof Pfaffengrund-Wieblingen durch das Neuenheimer Feld bis zur Berliner Straße zu führen. Auch das Patrick-Henry-Village (PHV) scheint die Stadt exklusiv fördern zu wollen: Im August findet dort das „Metropolink“-Festival statt. Am Dienstag (21. Juli) begannen im Hauptbahnhof Heidelberg zwei spanische Künstler die Nordwand der Bahnhofshalle für ein Projekt zu grundieren – unter der Schirmherrschaft des „Metropolink“-Festivals.

So könnte eine Seilbahn durch das Neuenheimer Feld aussehen.

Masterplan Neuenheimer Feld: Knackpunkte Straßenbahn und Klima?

Mit der Festlegung auf den Entwurf von Astoc stellen sich die Projektträger gegen das Votum des Bürgerforums. Das hatte sich nach der Vorstellung der dritten Entwürfe durch die Planungsbüros im Dezember 2019 klar positioniert. Im Forum wurde der Ansatz von Kerstin Höger (Zürich) am besten bewertet (s. Grafik unten). In der Gesamtschau belegte Astoc bei der Beurteilung durch das Bürgerforum nur den dritten Platz. Lediglich beim Teilaspekt Infrastruktur lagen die Kölner Planer vorn. Bei den Faktoren Städtebau und Freiraum überzeugte Höger klar, im Bereich Mobilität das Planungsteam Heide.

Bewertung der dritten Entwürfe für den Masterplan Neuenheimer Feld durch das Bürgerforum.

Auffällig: In den vier Bewertungsbereichen erhielt der Entwurf von Astoc keinen Widerstand (0) durch die fünf Mitglieder der Projektträger. Sie votierten allerdings drei Mal mit voller Ablehnung (10) und einer 8,6 deutlich gegen den Ansatz Högers, die auch aus Sicht von Dieter Teufel und Petra Bauer vom Umwelt- und Prognose-Institut (UPI) das „nachhaltigste Konzept“ für die Entwicklung des Neuenheimer Felds hat. Es sehe die „optimale Verdichtung und Vernetzung der Funktionen vor“, komme ohne die Bebauung des Hühnersteins und ohne zusätzliche Neckarquerung aus. Zudem lasse Högers Verkehrskonzept „die höchsten Umsteigeeffekte vom Auto auf den Umweltverbund erwarten“.

Einen Ausschlag für die Entscheidung der Projektträger für Astoc dürfte die Straßenbahn durch das Neuenheimer Feld gegeben haben. Sie ist aus dem dritten Entwurf von Astoc komplett verschwunden, nachdem die Planer das Verkehrsmittel im zweiten Entwurf noch als beste Lösung propagiert hatten. Dafür sehen die Kölner in ihren Entwürfen die meisten PKW-Stellplätze vor - fast 15.000 auf Campus und nahen P&R-Plätzen. So lassen sich die „Klimaschutzziele der Stadt Heidelberg nicht erreichen“, mahnen Teufel und Bauer. Und auch in Sachen Stadtklima kommt der Entwurf von Astoc nicht gut weg: Ein Gutachten hatte ergeben, dass der Entwurf die meisten Flächen mit Extremtemperaturen über 41° Celsius hat. Über ein Viertel der Campusflächen wären nachts von einer Überwärmung mit mehr als 19° Celsius betroffen.

Masterplan Neuenheimer Feld: Stadträte wollen auch Höger weiterplanen lassen

Am Mittwoch (1. Juli) hat der SeVA beschlossen, auch das Team Höger weiter am Masterplan für das Neuenheimer Feld planen zu lassen. Die Stadtverwaltung hatte zuvor moniert, die Entwürfe von Höger hätten den geforderten Flächenzuwachs von 800.000 Quadratmetern nicht erfüllt. Dabei liegt Höger in Sachen Bruttogeschossfläche sogar darüber. In einem gemeinsamen Antrag fordern SPD, GRÜNE, GAL, BL, Linke und HiB, die Ansätze der Teams Astoc und Höger als Grundlage für die weiteren Entwicklungsentwürfe zu nehmen. Zudem soll der zusätzliche Grundflächenzuwachs innerhalb des blauen Bereichs (s. Karte) 818.000 Quadratmeter nicht überschreiten. Der Bestand „im Feld“ lag 2017 bei knapp 1,1 Millionen Quadratmetern.

Um den Verkehr im Campus zu reduzieren soll in den Planungen zudem der Anteil von Wohnen für Beschäftigte und Studierende deutlich erhöht werden. Ein Mobilitäts-Hub oder eine Campus-Flotte soll gleichberechtigt mit der Erschließung über eine Straßenbahn, eine Seilbahn oder andere Mobilitätsvarianten geprüft werden. Alle Varianten sollen zudem anhand „CO2- Gesamtemissionen (gesamte Fahrstrecken), Leistungsfähigkeit der Verkehrserschließung, Nutzersicherheit, Investitions- und Unterhaltskosten und weiterer umweltrelevanter Fragen verglichen“ werden. Eine Erhöhung der Geschlossflächenzahl im Neuenheimer Feld soll außerdem an die Reduktion des Autoverkehrs gekoppelt werden.

Das letzte Wort hat allerdings der Gemeinderat Heidelberg. Am 23. Juli (16:30 Uhr, Rathaus) entscheidet das Gremium darüber, ob ein oder mehrere Planungsbüros an der weiteren Ausgestaltung des Masterplans für das Neuenheimer Feld beteiligt sein werden. (rmx)

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