Neuenheimer Feld

Masterplan: Architekt darf Seilbahn weiterplanen, aber… 

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So könnte eine Seilbahn durch das Neuenheimer Feld aussehen.

Heidelberg - Darf ein Architekt Gebäude für die Seilbahn Flächen außerhalb des Planungsraums einplanen oder nicht? Darüber entscheidet am Donnerstag der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss:

Update vom 3. Mai: „Wird die Seilbahn beerdigt oder nicht?“ – über diese Frage diskutiert am Donnerstag (2. Mai) der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss (SEVA) über zwei Stunden lang. Ergebnis: Architekt Ferdinand Heide (Frankfurt) darf weiter mit an seinem Entwurf arbeiten, der das Neuenheimer Feld über eine Reihe von „Seilbahnhöfen“ vernetzt. Allerdings muss sich Heide bei seinen künftigen Planungen im vorgegebenen Betrachtungsraum (Karte: blaue Fläche) bewegen. Das beschließen die Stadträte einstimmig (zwei Enthaltungen). 

Daneben stimmt das Gremium (11 Ja-, 4 Nein-Stimmen) für eine einstufige Fortführung der Konsolidierungsphase. Die Bezirksbeiräte aus Neuenheim, Handschuhsheim, Bergheim und Wieblingen hatten in einer Sondersitzung am Montag (29. April) eine zweistufige Phase vorgeschlagen.      

Würzner: Handschuhsheimer Feld wird nicht angefasst

Bei all der Diskussion um die Seilbahn werde fast vergessen, „dass das ‚Großthema‘ Handschuhsheimer Feld bei allen Varianten aus dem Spiel ist“, erinnert Oberbürgermeister Eckart Würzner die Anwesenden an Befürchtungen zu Beginn des Masterplanverfahrens. 

Nicht verstehen“ kann das Stadtoberhaupt hingegen die Diskussion um die Seilbahn. Damit das Team Heide seine Entwürfe für die Konsolidierungsphase bis Herbst 2019 weiter vertiefen kann, hatte die Verwaltung vorgeschlagen, die Sportflächen zwischen Jugendherberge und Tiergartenschwimmbad (Karte: gelbe Fläche) ausnahmsweise in den Planungsraum aufzunehmen. „Sonst ist die Seilbahn in seiner jetzigen Planung de facto aus dem Rennen“, mahnt Würzner. 

Im aktuellen Entwurf plant Heide eines seiner „Hotspot-Gebäude“, das auch als Seilbahnhof fungieren soll, auf den Flächen außerhalb des Betrachtungsraums. Von dort soll die Seilbahn über den Neckar und den SRH-Campus in Wieblingen bis zur Kopfstation in Nähe des S-Bahnhofs Pfaffengrund/Wieblingen geführt werden. 

Rein oder raus? Diskussion um Seilbahn-Entwurf

Der Großteil der Diskussion im SEVA dreht sich um den Seilbahn-Entwurf. Während ein Teil des Gremiums „Heide beerdigen“ will, wie es Alexander Föhr (CDU) ausdrückt, überlegt der andere Teil, wie man Rahmenbedingungen schaffen kann, „um die Seilbahn zu ermöglichen, der ein Großteil sehr aufgeschlossen gegenüber steht“, so Manuel Steinbrenner (Grüne).

Michael Eckert (FDP) kritisiert, dass es allen anderen Planungsteams gegenüber unfair sei, wenn man jetzt für „ein Büro eine Ausnahme macht, das sich nicht an die Vorgaben hält“. Zudem bezweifelt Eckert, dass für die „fünf bis sechs Fußballfeld-großen Sportflächen“ (Würzner) ein Ausgleich innerhalb des Planungsraum gefunden werden kann. 

Dabei kommt das Planungsbüro Heide bei den Entwürfen für die Seilbahn auch ohne die Sportflächen am Neckar aus, weiß Irmtraud Spinnler (SPD). Das habe man ihr seitens der Architekten bei einem Telefongespräch versichert. 

Mögliche Ausgleichsflächen sieht Wolfgang Lachenauer (Heidelberger) in direkter Nähe zu Sportwissenschaften, Olympiastützpunkt und Sportzentrum Nord. „Eine Verlagerung dort hin könnte Synergien im Sinne eines Sportparks schaffen“, meint Lachenauer. Allerdings habe er „das Gefühl, wir sprechen im Moment losgelöst von der finanziellen Seite, als drucken wir unser Geld selbst“, und spielt damit auf die Kosten für das Masterplanverfahren an, die sich laut OB Würzner inzwischen fast verdoppelt haben – ursprünglich waren für den gesamten Prozess rund 1,3 Millionen Euro eingeplant.

Den Entwurf und damit das Team Ferdinand Heide ganz aus dem Verfahren nehmen, dafür findet sich indes keine Mehrheit. Ein entsprechender Antrag wird ebenso abgelehnt (5 Ja, 8 Nein, 2 Enthaltungen) wie der Vorschlag der Bezirksbeiräte, Heide weiter auf den Sportflächen planen zu lassen und erst in der Konsolidierungsphase über die Sportflächen zu entscheiden (3 Ja, 5 Nein, 6 Enthaltungen).  

Masterplan: Kippen Bezirksbeiräte die Seilbahn durchs Feld?

Grundtext vom 2. Mai: Alle vier Planungsteams bleiben im Prozess, sollen aber nur einen Entwurf für den Masterplan für das Neuenheimer Feld einbringen. Das ist ein Teil des Antrags, den die Bezirksbeiräte aus Neuenheim, Handschuhsheim, Bergheim und Wieblingen am Montag (29. April) in einer Sondersitzung einbringen. 

Die Bezirksbeiräte empfehlen dem Gemeinderat auch, dass die Planungsteams gemeinsam mit den Verkehrsexperten Prof. Dr. Hartmut Topp (imove, Kaiserslautern) und Gutachter Dr. Christian Schiller (Ullersdorf) vom Forum positiv bewertete Lösungsansätze in ihrer Entwürfe einfließen lassen sollen.

Keine Seilbahn, weil nicht im Betrachtungsraum? 

Zudem kommt die Einbeziehung der Sportflächen zwischen Jugendherberge und Tiergartenbad für die Bezirksbeiräte nicht in Frage. Dies hatten die Projektträger (Stadt, Uni und Land) vor dem Gremienlauf vorgeschlagen

Mit Møller und Ferdinand Heide planen derzeit zwei Planungsteams Flächen außerhalb des Betrachtungsraums ein. Eine Seilbahn mit Endstationen in Bergheim und Wieblingen, wie Ferdinand Heide sie entworfen hat, oder die bauliche Arrondierung auf den Sportflächen (Møller) würden automatisch zum Ausschluss aus dem Verfahren nach Stufe 3 führen, wenn keine Lösung für die Überschreitung des Betrachtungsraums des Masterplanprozess gefunden wird. Laut Stadt könnte die Seilbahn im jetzigen Planungsstand dann nicht weitergeführt werden.

Höhere Kosten für Masterplanverfahren?

Vertreter der Stadt fürchten zudem eine Verlängerung des Verfahrens und höhere Kosten, sollte die Konsolidierungsphase, wie von den Bezirksbeiräten beantragt zweistufig durchgeführt werden. In dieser Phase sollen Lösungsansätze zu Entwicklungsperspektiven verdichtet werden.

Die Bezirksbeiräte schlagen vor, dass das Forum innerhalb der Konsolidierungsphase Zwischen- und Endergebnis der Entwürfe der Planungsbüros bewertet und die Konzepte differenziert gewichtet dem Gemeinderat vorlegt. So soll das Gremium stärkeren Einfluss auf die letzte Planungsphase bekommen. Die Verwaltung befürchtet, dass dadurch die Kosten für das Verfahren steigen könnten.

Am Donnerstag (2. Mai, 17 Uhr) wird sich der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss in einer Sondersitzung dem Thema widmen, ehe der Gemeinderat am 9. Mai (16:30 Uhr) entscheidet. 

Neuenheimer Feld vor Verkehrskollaps?

Ende März beschließt der Gemeinderat ein Sofortprogramm von 27 Maßnahmen, die die Verkehrssituation im Neuenheimer Feld verbessern sollen. Zuvor hatte es hitzige Diskussionen über einen angedachten Bus gegeben, der zwischen einem Pendlerparkplatz bei Dossenheim und dem Neuenheimer Feld durch das Handschuhsheimer Feld hätte fahren sollen.

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rmx

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