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Masterplan soll Zukunft für das Neuenheimer Feld regeln

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Ein Masterplan soll die künftige Entwicklung des Neuenheimer Felds regeln.

Heidelberg - Das Neuenheimer Feld gerät an seine Grenzen. Wenn Uni, Uniklinik, DKFZ oder andere Einrichtungen weiter wachsen wollen, braucht es Platz. Den soll ein Masterplan schaffen:

Ein Masterplan soll die künftige Entwicklung im Neuenheimer Feld regeln.

Das hat der Gemeinderat am 23. Juli 2015 beschlossen. Gemeinsam mit der Ruprecht-Karls-Universität und dem Land Baden Württemberg will die Stadt Heidelberg einen Masterplan für das Neuenheimer Feld und den Neckarbogen erstellen. Dabei sollen alle weiteren Akteure eingebunden und eine Bürgerbeteiligung durchgeführt werden. 

Ziel des Masterplanverfahrens ist die Schaffung langfristiger Perspektiven für das räumliche Wachstum der im Feld angesiedelten Einrichtungen aus Wissenschaft, Forschung und Medizin. Da der Verkehr ins und aus dem Neuenheimer Feld inzwischen an seine Belastungsgrenze gelangt, sollen auch verkehrliche Aspekte in die Betrachtung einfließen.

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Ausgangssituation

Das Neuenheimer Feld entwickelt sich seit den 2000er Jahren rasant. Inzwischen arbeiten rund 15.000 Beschäftigte in dem Areal, dazu kommen etwa 8.000 Studenten und 4.000 Bewohner

Rund 1,1 Millionen Patienten suchen die Kliniken pro Jahr für ambulante Behandlungen auf. Hinzukommen Besucher von Zoo, Tiergartenbad oder Sportstätten. Das bringt mit Blick auf Verkehr und Bauprojekte auch Probleme mit sich. 

Für eine weitere Entwicklung der Institutionen muss das Areal neu betrachtet und geplant werden. Das Masterplanverfahren soll „die Qualitäten als Campus und als Stadtquartier zu einem urbanen Wissenschaftsareal verknüpfen.“ 

Ziel ist es, eine Grundlage für die künftige Entwicklung des Wissenschaftsstandorts und seine Vernetzung mit dem Umfeld zu schaffen, in dem Vorgaben für die Bereiche Bauen, Umwelt und Verkehr geschaffen werden.

Wie auch bei anderen wichtigen Entscheidungen in Heidelberg wird die Öffentlichkeit auch bei der Erarbeitung des Masterplans eng eingebunden. Nach Möglichkeit sollen sich Vertreter aller Interessen – sowohl von Feld-Nutzern als auch aus der Bürgerschaft – mit Ideen und Vorschlägen in den Prozess einbringen.

Eine entsprechende Rahmenvereinbarung beschloss der Gemeinderat am 25. Juli 2017. Mit Oberbürgermeister Eckart Würzner, Uni-Rektor Bernhard Eitel und Landeswissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) Vertreter von Stadt, Uni und Land unterzeichneten die gemeinsame Vereinbarung am 9. Oktober 2017. 

Ablauf Masterplanverfahren

Das Masterplanverfahren ist in vier Phasen eingeteilt: Vorprozess, Planungsatelier, Konsolidierungsphase und die Erstellung des Masterplans.

In der Vorphase werden Koordinationsbeirat und Forum Masterplan Neuenheimer Feld eingerichtet. Dabei werden die Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren festgelegt und Anregungen der Bürger, von Mitgliedern verschiedener Gremien und von Nutzern des Neuenheimer Felds gesammelt. Diese werden im Anschluss an die vier Planungsbüros weiter geleitet.

Das Planungsatelier ist in drei Stufen gegliedert. In der Atelierphase entwickeln die Planungsbüros erste Ideen zu einzelnen Themenbereichen der Aufgabenstellung (Stufe 1). Die Ideen werden im Oktober 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt. Anschließend sollen die Ideen zu Ansätzen für Entwicklungsperspektiven weiterentwickelt (Stufe 2) und in Stufe 3 zu Entwicklungsperspektiven verdichtet werden. In allen drei Stufen wird die Öffentlichkeit eingebunden, zur dritten Stufe ist eine Online-Beteiligung vorgesehen. 

Die Ideen sollen schrittweise konkretisiert und in Entwicklungsvisionen zusammengefasst werden. Der Gemeinderat soll am Ende des Planungsateliers über Art und Zahl der Planungsansätze entscheiden, die in der Konsolidierungsphase von den Büros weiter entwickelt werden. Diese mündet in der Erstellung des Masterplans. 

Der Masterplan für das Neuenheimer Feld soll als Grundlage für dann zu erstellende Bebauungspläne dienen.

Die Planungsbüros

Vier international renommierte Planungsbüros sollen anhand der vorgegebenen Aufgabenstellung, die der Gemeinderat am 24. Juli 2018 beschlossen hat, Ideen für die Zukunft des Neuenheimer Felds erarbeiten.

  • Kerstin Höger Architekten GmbH, Zürich (mit IBV Hüsler AG, Zürich und antón & ghiggi Landschaft Architektur GmbH, Zürich) www.kerstinhoeger.com
  • Ferdinand Heide Architekt BDA, Frankfurt am Main (mit Die Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder+Ingenieure GbR, Wiesbaden, Verkehrsplanung Köhler und Taubmann GmbH, Frankfurt am Main und Planungsgemeinschaft Häfner-Oefner Ingenieurgesellschaft m.b.H., Langenselbold) www.ferdinand-heide.de
  • ASTOC GmbH & Co. KG, Köln (mit PTV Transport Consult GmbH, Karlsruhe, RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn und Teamplan GmbH, Tübingen (sowie ggf. SSV Architekten, Heidelberg)) www.astoc.de
  • C.F. Moller Danmark A/S, Aarhus (mit Henn GmbH, München und Arup Deutschland GmbH, Berlin) www.cfmoller.com

Die Planungsbüros werden durch Experten aus den Bereichen Städtebau, Mobilität, Freiraum und Infrastruktur sowie durch lokale Fachvertreter unterstützt.

Einbindung von Interessensgruppen und Öffentlichkeit

Für die Öffentlichkeitsbeteiligung am Planungsprozess sind wesentlich zwei Gremien vorgesehen: 

Koordinationsbeirat

Der Gemeinderat hat beschlossen, einen projektbezogenen Koordinationsbeirat einzurichten. Er hat keine inhaltliche Aufgabe, sondern ist an der Mitgestaltung der Beteiligungsverfahren verantwortlich. Nach Möglichkeit sollen alle erkennbaren Interessen sich gleichberechtigt in den Prozess einbringen können. Der Koordinationsbeirat schlägt dem Gemeinderat Beteiligungskonzepte zu den einzelnen Phasen des Masterplanverfahrens vor und steuert die Beteiligung.  

Der Koordinationsbeirat tagte erstmals am 13. November 2017 unter Leitung von Prof. Dr. Lenelis Kruse-Graumann und Albertus L. Bujard. Prof. Dr. Lenelis Kruse-Graumann ist pensionierte Professorin der Fernuniversität in Hagen und seit mehr als 20 Jahren Honorarprofessorin am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg, mit dem Schwerpunkt Umweltpsychologie. Albertus L. Bujard ist Mitbegründer des Vereins „Bürger für Heidelberg“ und Träger des Bundesverdienstkreuzes für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement für die Bürgergesellschaft in Heidelberg. 

Folgende Organisationen und Institutionen sind im Beirat durch Mitglieder vertreten:

  • Bündnis für Bürgerbeteiligung Masterplan Im Neuenheimer Feld
  • Verein „Bürger für Heidelberg/Bürgerstiftung
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
  • Max-Planck-Institut
  • Ökumenisches Seelsorgezentrum
  • Pädagogische Hochschule Heidelberg
  • Sportkreis Heidelberg
  • Stadtteilverein Bergheim e.V.
  • Stadtteilverein Handschuhsheim e.V.
  • Stadtteilverein Neuenheim e.V.
  • Stadtteilverein Wieblingen e.V.
  • Stadtverwaltung Heidelberg
  • Studentische Vertretung Wohnheim INF 
  • Studierendenrat der Universität Heidelberg
  • Universität Heidelberg, Personalrat
  • Universität Heidelberg
  • Universitätsklinikum Heidelberg
  • Universitätsklinikum Heidelberg, Personalrat 
  • Vermögen und Bau Baden-Württemberg Amt Mannheim und Heidelberg 
  • Zoo Heidelberg

Forum Masterplan Neuenheimer Feld

Über ein „Forum Masterplan Neuenheimer Feld“ sollen Bürger, Nutzer und Institutionen im Neuenheimer Feld und den angrenzenden Stadtteilen umfassend und kontinuierlich am Planungsprozess beteiligt werden.

Im öffentlich tagenden Forum sitzen 82 Mitglieder aus Projektträgerschaft, Nutzern des Neuenheimer Feldes, Bürgerschaft, Politik sowie Vereinen und Verbänden. Hier soll ein regelmäßiger Austausch unterschiedlicher Sichtweisen und Interessen unterschiedlicher Akteure gewährleistet werden. Das soll sicherstellen, dass möglichst viele Sichtweisen in den Planungsprozess einfließen. 

Empfehlungen des Gremiums haben für die Projektträger und letztlich für den Heidelberger Gemeinderat Vorschlagscharakter. Das Forum fungiert als Schnittstelle zwischen Bürgerschaft und Nutzern des Neuenheimer Feldes auf der einen Seite sowie den Projektträgern (Land Baden-Württemberg und Stadt Heidelberg) und den politischen Vertretern auf der anderen Seite.

Betrachtungsraum

Als Betrachtungsraum für den Masterplanprozess wurden zwei Areale diskutiert. Ein erweiterter Betrachtungsraum schloss Teile der Stadtteile Neuenheim, Handschuhsheim, Wieblingen und Bergheim ein. 

Der engere Betrachtungsraum, der jetzt Bestandteil für die Planungsteams ist, schließt das Neuenheimer Feld und den Südteil des Handschuhsheimer Felds (inklusive Sportstätten) ein. 

Die Projektträger schlagen im April 2019 die Vergrößerung des Betrachtungsraums vor. Die Bezirksbeiräte von Neuenheim, Handschuhsheim, Bergheim und Wieblingen stimmen in einer Sondersitzung Ende April gegen den Vorschlag und wollen dem Gemeinderat mehr Eingriffsmöglichkeiten in der letzten Phase des Verfahrens verschaffen.

Verkehr

Ein wesentlicher Aspekt des Masterplanverfahrens ist die Verbesserung des Verkehrs im Campus-Areal. Seit Jahren klagen Mitarbeiter der ansässigen Einrichtungen und Patienten über die schlechte Verkehrssituation im Feld. Termine können oft nicht eingehalten werden, in den Wintermonaten brauchen Autofahrer teils eine Stunde vom Feld bis auf die Autobahn.

Im Jahr 2018 machten Mitarbeiter von Uniklinik und Springer Nature-Verlag per Unterschriftensammlung ihrem Unmut über das Verkehrschaos im Feld Luft. Daraufhin schlug die Stadt ein Sofortprogramm vor, das helfen soll, den Verkehr im Feld zu entzerren. Im Maßnahmenpaket ist neben der Einrichtung eines zusätzlichen Fahrstreifens am Mathematikon, der Verlängerung der Buslinie 37 bis zum Hauptbahnhof und der Ausweitung der Kostenpflicht auf alle Parkplätze im Feld auch die Einrichtung eines provisorischen Park&Ride-Platz am Autobahnzubringer bei Dossenheim samt Bus-Shuttle durch das Handschuhsheimer Feld enthalten. Nach einer Sondersitzung der Bezirksbeiräte aus Handschuhsheim, Neuenheim und Bergheim im Februar 2019 scheint klar: Durch das Handschuhsheimer Feld werden (vorerst) keine Busse zu einem P&R-Platz fahren.   

Besonders gegen den P&R-Platz und Bus-Shuttle regt sich starker Widerstand. Landwirte, Kleingärtner, Anwohner und Bürger, die das Feld zur Naherholung nutzen, sehen in der Maßnahme einen ersten Schritt zur Einrichtung eines Nordzubringers. Der ist in Heidelberg schon viele Jahren in der Diskussion und wurde zuletzt Mitte der 2000er Jahre abgeschmettert. Ende März 2019 beschließt der Gemeinderat ein Sofort-Programm aus 27 Maßnahmen, die die angespannte Verkehrssituation im Neuenheimer Feld verbessern soll.

Zur Verbesserung der Situation des motorisierten Individualverkehrs (MIV) gibt es neben dem Nordzubringer zwei weitere Ideen: Ein „Radieschentunnel“ unter dem Handschuhsheimer Feld hindurch könnte die Verbindung  zwischen der A5 bei Dossenheim und dem Neuenheimer Feld herstellen. Eine weitere, besonders in Wieblingen bekämpfte Vision ist die „Fünfte Neckarquerung“. Ein eigener Autobahnanschluss im Norden von Wieblingen könnte den Verkehr über eine Brücke über den Neckar von Westen her direkt ins Feld bringen. Allerdings stehen große Teile des Neckars bei Wieblingen unter Landschafts- und Umweltschutz. 

Die Verbesserung des ÖPNV über eine „Campus-Bahn“, eine Straßenbahnstrecke mitten durch das Neuenheimer Feld, unterlief die Universität zumindest teilweise selbst. Weil sie gerade im Bereich der Kopfklinik Erschütterungen durch die Bahnen – und damit Schäden für hochsensible Geräte fürchteten – ließen Uni und DKFZ ein Planfeststellungsverfahren gerichtlich stoppen. Die Folge: Eine Straßenbahn kann (vorerst) nicht durchs Feld fahren und den Verkehr entlasten.

Geschichte Neuenheimer Feld

Das Neuenheimer Feld liegt westlich des Stadtteils Neuenheim und wurde bis in die 1960er Jahre größtenteils landwirtschaftlich genutzt. 1915 wurde in der Nähe des Neckarbogens der Botanische Garten angelegt. Zwischen 1933 und 1939 wurden mit der Chirurgischen Klinik erste Universitätsinstitute ins Feld verlegt. Anstelle eines Friedhofs entstand 1935 auf private Initiative der Tiergarten. 

Die Ernst-Walz-Brücke wurde 1928 errichtet, um das Feld neben der Mönchhofstraße auch von Süden her an das Stadtgebiet anzuschließen. Über die Brücke führt seit 1939 eine Straßenbahnstrecke, die Straße über die Brücke wurde in den 1950ern zur Berliner Straße verlängert. Sie begrenzt das Neuenheimer Feld auf der Ostseite.

Aufgrund von steigendem Erweiterungsbedarf wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die naturwissenschaftlichen Universitätsfakultäten und ein Teil der Uniklinik in einem Campus-Areal im Neuenheimer Feld zusammengefasst. Dadurch wurde fast das gesamte Gebiet bebaut. Die Einrichtungen waren zuvor in der Altstadt angesiedelt.  

Unter dem Neuenheimer Feld verläuft ein 14 Kilometer langes Tunnelsystem, durch das mittels einer elektronischen Hängebahn Essen und Wäsche transportiert werden. Zudem ist ein unterirdisches Rohrpostsystem eingerichtet worden. 

Nördlich der Straße Im Neuenheimer Feld sind der Technologiepark, der Neubau der PH, der Springer Nature-Verlag, das Institut für Sportwissenschaften und der Olympiastützpunkt angesiedelt. Das Gebiet gehört zum Stadtteil Handschuhsheim. 

Seit den 2000er Jahren wird im Neuenheimer Feld wieder gebaut. Grund ist die Verlagerung der Einrichtungen aus dem Altklinikum in Bergheim ins Feld.

Weitere Infos

Weitere Informationen zum Masterplanverfahren unter

rmx

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