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Heidelberg will Modellstadt werden: Handel und Gastro sollen öffnen, wenn...

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Von: Florian Römer

Heidelberg - Das „Tübinger Modell“ sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Auch die Stadt Heidelberg will Öffnungsperspektiven für Gastro, Kultur und Einzelhandel schaffen:

„Öffnen mit Sicherheit“ – trotz bundesweit steigender Corona-Infektionen fährt die Universitätsstadt Tübingen seit Mitte März einen Modellversuch, der Öffnungen in Gastronomie und Einzelhandel ermöglicht. Bis 18. April will die Landesregierung mit dem „Tübinger Modell“ Erkenntnisse über die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten sammeln. Das Modellprojekt unter strengem Testregime wird von der Uniklinik Tübingen wissenschaftlich begleitet und sorgt auch über die Landesgrenzen von Baden-Württemberg hinaus für Interesse. Wie das Sozialministerium in Stuttgart auf Anfrage mitteilt, sind „zahlreiche Anfragen“ interessierter Kommunen eingegangen, „auch in anderen Ländern [...] gibt es entsprechende Initiativen“. Interessiert sich auch Heidelberg für das Modellprojekt?

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019, Eurostat)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
SehenswürdigkeitenSchloss, Alte Brücke, Altstadt, Philosophenweg

Heidelberg: Tübinger Öffnungs-Modell auch bei uns ein Thema?

Die Stadt Heidelberg hat ein großes Interesse, Bereiche des öffentlichen Lebens wieder zu öffnen, insofern es die Vorgaben des Landes und das Infektionsgeschehen zulassen“, bekräftigt Stadtsprecher Timm Herre gegenüber HEIDELBERG24. Man arbeite aktuell einen Modellversuch für und mit Kultureinrichtungen aus, verrät Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner. „Auch in den Bereichen Einzelhandel oder Gastronomie möchten wir in der Kombination von Tests und Apps Öffnungen ermöglichen.“ Jüngst hat die Stadt noch einmal 100.000 Schnelltests auf eigene Kosten bestellt – und so die Voraussetzungen für perspektivische Massen-Testungen bei etwaigen Öffnungen geschaffen. Zuvor war Heidelberg bereits in Vorleistung getreten und verteilte großflächig Schnelltests in den Schulen.

Ein zweites wichtiges Standbein mit Hinblick auf Öffnungen sind Kontaktnachverfolgungs-Apps: Man bereite sich auf die Einführung der Luca-App vor, um die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, sagt Stadtsprecher Herre. Das für den Stadtkreis Heidelberg zuständige Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises arbeite und teste momentan an der Schnittstelle. Kreissprecher Ralph Adameit bestätigt: „Wir sind gerade in der Testphase das sieht derzeit gut aus.“ Ein konkretes Datum, wann das Gesundheitsamt auf Luca-Daten zugreifen wird, kann der Kreis allerdings noch nicht nennen. OB Würzner ist derweil viel in der Stadt unterwegs, um Einzelhändlern und Gastronomen Perspektiven aufzuzeigen. Dabei informiere man gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung auch über die geplante Einführung der Luca-App: „Wenn es soweit ist, wollen wir, dass möglichst schnell möglichst viele Unternehmen das Angebot nutzen können“, so Herre.

Hat Heidelberg sich um ein Modellprojekt á la Tübingen beworben?

Nein. In den vergangenen Tagen häuften sich Berichte über weitere Kommunen in Baden-Württemberg, die dem „Tübinger Modell“ folgen und eigene Öffnungsversuche unternehmen wollten. Es sei der Eindruck entstanden, dass Städte und Gemeinden selbst über Öffnungen entscheiden könnten, wundert sich Herre. Dabei seien Städte und Kreise noch immer an den gesetzlichen Rahmen gebunden, den das Land vorgibt: „Tübingen ist ein Modellversuch der Landesregierung mit dem Uniklinikum Tübingen. Dieser Versuch lässt sich nicht beliebig oft kopieren.

Die Bund-Länder-Runde hatte am Montag (22. März) beschlossen, dass es in Ländern möglich ist, zeitlich befristete Modellprojekte in Regionen zuzulassen. So könnten unter strengen Schutzmaßnahmen und mit einem Testkonzept Einzelbereiche des öffentlichen Lebens wieder geöffnet werden. In Heidelberg will man zunächst die neue Corona-Verordnung abwarten, die am Wochenende veröffentlicht wird: Man rechne darin mit konkreten Informationen und wolle sich „dann bewerben, um solche Modellversuche machen zu können“, erklärt Bürgermeister Wolfgang Erichson.

Land will nach Ende des Tübingen-Tests mit Kommunen über Öffnungen sprechen

Erwartungsgemäß“ seien seit der Bund-Länder-Runde von dutzenden Kommunen im Land Anfragen für ein Modellvorhaben eingegangen, bestätigt Florian Mader vom Sozialministerium. Vom formlosen Papieren und Interessensbekundungen bis hin zu ausformulierten, konkreten Anträgen sei alles dabei gewesen. Aber: Auch wenn Baden-Württemberg weiteren Modellversuchen offen gegenübersteht, will man zunächst die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Tübinger Pilotprojekt mit Oberbürgermeister Boris Palmer auswerten. Weitere Öffnungsversuche müssten „natürlich vor dem Hintergrund der Infektionszahlen gespiegelt werden“, gibt Gesundheitsminister Manne Lucha zu Bedenken.

Mit der kommunalen Seite sei man aktuell auf allen Ebenen im Gespräch, heißt es aus dem Sozialministerium weiter. Amtschef Dr. Uwe Lahl wolle zu dem Thema mit den Kommunalen Landesverbänden sprechen. Dabei will man gemeinsam ein Antragsverfahren mit konkreten Verfahrensschritte erarbeiten. „Was in Tübingen rauskommt, soll dann in die Verfahrenskriterien einfließen“, sagt Mader. Es gibt also aktuell kein Antragsverfahren für weitere Modellversuche. Das Thema wolle man aber „im April zügig angehen“. (rmx)

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