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Heidelberg: Nach Rassismus-Klage – „Gasthaus Zum Mohren“ ändert Name

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Von: Peter Kiefer

Heidelberg-Altstadt – Wegen Rassismus hat ein Student Anzeige gegen den „Gasthaus Zum Mohren“ gestellt. Jetzt wird der Namenszug über der Tür abmontiert:

Seit über 200 Jahren gibt es das traditionsreiche „Gasthaus Zum Mohren“ in der Unteren Straße in Heidelberg. Doch seit Montagmorgen (28. Juni) ist der Name endgültig Geschichte – und heißt künftig nur noch „Mohr!“ Denn der Schriftzug ist in der Altstadt von Arbeitern entfernt worden. Rassismus, der seit langem weg muss oder völlig übertriebene Political Correctness? Die Facebook-Community ist sich zumindest einig und läuft Sturm!

StadtHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Fläche108,84 km²
Einwohnerzahl161.485 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Auch Auswanderer Christopher Johnson kann es nicht nachvollziehen: „Als ein Ur-Heidelberger der den größten Teil seiner Jugend in der Altstadt verbracht hat und dort viele Freundschaften aus aller Herren Länder aufgebaut hat finde ich das eine Schande! Alle haben wir dort gefeiert, Ob aus Afrika, Asien Südamerika niemand hat daran Anstoß genommen! Das war und ist ein Teil Heidelbergers!

Heidelberg: „Gasthaus Zum Mohren“ – Name wegen Rassismus-Debatte entfernt

Im Gastro-Epizentrum Heidelbergs reihen sich Kneipen, Bars und Restaurants aneinander wie auf einer Perlenkette. In lauen Sommernächten ist das Gedränge in der „Unteren“ bis in die frühen Morgenstunden groß. Vor allem Studenten aus aller Welt tummeln sich hier.

Doch ausgerechnet ein (Jura-)Student hat am 3. Juli 2020 gegen den Namen der Kult-Kneipe im Herzen des Heidelberger Ausgehviertels Klage eingereicht. Gegenüber der „Rhein-Neckar-Zeitung“ hatte Maurice Ehinlanwo damals erklärt, „im Namen der Kneipe komme Geringschätzung zum Ausdruck“. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines deutschen Vaters mit nigerianischen Wurzeln fühle er sich persönlich betroffen. Am Freitag (3. Juli) hat ein Jura-Student wegen des Kneipen-Namens Anzeige wegen den Beleidigung gestellt.

Heidelberg: Kneipen-Chef vom „Mohr“ verkündet Aus für Schriftzug via Facebook

Simon Wakeling ist der Betreiber vom „Mohr“, den es unter dem aktuellen Namen seit mehr als 200 Jahren gibt und der zu den ältesten Kneipen der Stadt gehört. Wakeling hatte bereits bei der Pachtübernahme im Jahr 1994 den Namen ändern wollen, was ihn Tausende Euro gekostet hätte. Doch das hatte die Vermieterin strikt abgelehnt.

Mit den Worten „In der Unteren Straße, werden die Buchstaben „Gasthaus Zum Mohren“ gerade entfernt.“ hat jetzt der Kneipen-Chef mit einem Facebook-Posting am Montagmorgen das Aus für den Traditionsnamen verkündet. Und bereits wenig später lassen die Leute in über 200 Kommentaren (Stand 13 Uhr) ihrer Wut freien Lauf:

Mit diesem Facebook-Posting verkündet der Kneipen-Chef die Demontage des Schriftzuges „Gasthaus Zum Mohren“.
Mit diesem Facebook-Posting verkündet der Kneipen-Chef die Demontage des Schriftzuges „Gasthaus Zum Mohren“. © Screenshot Facebook Simon Wakeling

Ein Teil der Menschheit wird immer bekloppter! Als hätten wir nicht andere Sorgen ....einfach lächerlich!“, schimpft Sandra Helmstädter. Und Felix Xilef stößt ins gleiche Horn: „Einfach lächerlich, Hauptsache es konnten sich mal wieder ein paar Einzelne ein Denkmal setzen.“ Auch Sirikit Buehler ist erbost, indem sie sagt: „So einen Quatsch gibt es nur in Deutschland, einfach nur lächerlich!!!“ Unverständnis äußert auch Melanie Lohrbach: „Das darf ja wohl nicht wahr sein. Also irgendwo reichts!!! Der heißt schon zig Jahre so. Das ist ja wohl das Allerletzte! Wem‘s nicht passt, soll halt wegschauen.

Die Buchstaben und das Schild „Gasthaus Zum Mohren“ liegen auf dem Boden der Heidelberger Altstadt.
Die Buchstaben und das Schild „Gasthaus Zum Mohren“ liegen auf dem Boden der Heidelberger Altstadt. © Screenshot Facebook Simon Wakeling

Während andere, wie etwa Claudia Bischoff („Ich finde das völlig in Ordnung“), den Vorgang gutheißen, sieht beispielsweise Rainer Werner die Debatte dagegen ganz pragmatisch: „Das wird das Problem „Rassismus“ nicht lösen.“ Einige andere Kommentare driften deutlich nach Rechts ab – auf die sei an dieser Stelle redaktionell verzichtet. (pek)

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