Opfer überlebt nur mit viel Glück

Nach brutaler Attacke in Poststraße: hohe Strafen für Täter!

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Acht junge Männer vor Gericht wegen schwerer Körperverletzung und versuchtem Totschlag

Heidelberg – Der Fall schockiert die Region: Ein Mann wird in der Poststraße brutal attackiert. Nun fällt das Urteil gegen den Haupttäter und drei weitere Männer:

  • Sommer 2018: Eine Gruppe tritt in der Poststraße mehrfach auf den Kopf eines Mannes ein.
  • Das Opfer wird lebensgefährlich verletzt, lebt heute mit sieben Metallplatten im Kopf.
  • Acht Männer saßen wegen der brutalen Tat seit Ende Mai 2019 wegen schwerer Körperverletzung und versuchtem Totschlag vor dem Heidelberger Landgericht.  
  • Gegen vier der Angeklagten wurde das Verfahren mittlerweile beendet.

Urteil im Poststraßen-Prozess gefallen – Diese Strafen erhalten die brutalen Angreifer

Update, 17:25 Uhr: Der Haupttäter im Prozess um die brutale Attacke in der Poststraße hat seine Strafe erhalten: Dogan Ö. muss wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags für fünfeinhalb Jahre in den Knast

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der 18-Jährige nach dem Streit aus nichtigem Anlass mehrfach auf den Schädel des damals 36-Jährigen eingetreten hat. Nur mit viel Glück hat das Opfer überlebt. Die Staatsanwaltschaft hat sechs Jahre gefordert. Die Vorsitzende Richterin spricht von einem Gewaltexzess, den die  Jugendkammer noch nie erlebt habe. 

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Ein weiterer Angeklagter, der bei der Verfolgungsjagd nach der Auseinandersetzung dem späteren Opfer ein Bein gestellt und damit den Gewaltexzess erst ermöglicht hatte, wird zu einer Einheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Auch Max. H. hat dem Gericht zufolge mindestens einmal zugetreten. Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Fall vier Jahre und zehn Monate beantragt. 

Zwei weitere Männer erhalten Strafen von jeweils zwei Jahren auf Bewährung – wegen unterlassener Hilfeleistung beziehungsweise Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung.

Das Urteil gegen Dogan Ö. und Max. H. ist nicht rechtskräftig. Es kann noch binnen einer Woche Revision eingelegt werden. Hinsichtlich der Angeklagten Abdullah I. und Bryan K. ist das Urteil dagegen bereits rechtskräftig, nachdem beide Angeklagten und die Staatsanwaltschaft das Urteil angenommen und Rechtsmittelverzicht erklärt haben.

Nach brutaler Poststraßen-Attacke: Verteidiger fordern Freispruch

Update vom 28. Juni, 13 Uhr: Im Prozess um den brutalen Angriff auf einen 36-jährigen Heidelberger hat einer der Verteidiger Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Dem Angeklagten sei keine aktive Beteiligung nachzuweisen, sagt der Anwalt am Freitag vor dem Landgericht. Für einen weiteren Angeklagten schlug dessen Rechtsanwältin eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung vor. Als nächstes werden die Plädoyers von zwei weiteren Angeklagten – darunter den mutmaßlichen Haupttäter – erwartet.

Update vom 25. Juni: Acht junge Männer sollen einen damals 36-Jährigen in der Poststraße fast totgeschlagen haben. Deshalb müssen sie sich vor dem Heidelberger Landgericht verantworten. Gestern findet ein weiterer Verhandlungstag vor der Jugendkammer statt. Dabei wird das Verfahren gegen vier der Beteiligten mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft beendet. 

Staatsanwalt fordert für alle mehrjährige Haftstrafen

Die Angeklagten Hassan A. und Bilal M. hätten nachweislich nicht aktiv in das Geschehen eingegriffen, sondern nur beobachtet. Deshalb wird die Anklage gegen sie wegen Geringfügigkeit eingestellt! Auch gegen Maik M. und Barbaros K. wird aus dem selben Grund das Verfahren beendet – aber auch, weil beide bereits in einem anderen Prozess eine Strafe erhalten haben. Die zu erwartende Sanktion gegen sie würde „nicht erheblich ins Gewicht fallen“.

Für die vier verbliebenen Angeklagten Abdullah I., Bryan K., Dogan Ö. und Max H. geht das Verfahren aber weiter. Am Freitag (28. Juni) werden die Verteidiger ihre Plädoyers halten. Das Urteil könnte noch am selben Tag fallen! Die Staatsanwaltschaft fordert unterdessen Jugendstrafen von sechs Jahren gegen Dogan Ö., vier Jahren und 10 Monaten gegen Max H. und jeweils zwei Jahren und sechs Monaten für Abdullah I. und Bryan K. Bei ein paar der Angeklagten würden dazu noch Strafen aus früheren Verurteilungen dazukommen. 

Schwerer Körperverletzung und versuchter Totschlag: Prozess gegen acht Angeklagte

Insgesamt acht junge Männer zwischen 17 und 22 Jahren müssen sich am Montag( 27. Mai)i wegen schwerer Körperverletzung und versuchtem Totschlag vor dem Heidelberger Landgericht verantworten. Am ersten Prozesstag äußern sich die Angeklagten zur Tatnacht im August 2018. Nach einer Auseinandersetzung vor einer McDonald's-Filiale sollen vier der Angeklagten einen Mann bewusstlos getreten haben. Die anderen jungen Männer haben daneben gestanden und nichts unternommen. Alle Angeklagten berichten von einer schwierigen Kindheit, die von Drogen- und/oder Alkoholkonsum, Problemen im Elternhaus, mit der Schule und der Ausbildungsstelle und Heimaufenthalten geprägt waren. 

Junge Männer treten Opfer bewusstlos - Angeklagte äußern sich vor Gericht

Nach den ersten Aussagen von vier der Angeklagten, Abdullah I., Bryan K., Dogan Ö. und Max H., stellt sich die Tat folgendermaßen dar: Die jungen Männer treffen sich am Vorabend des 20. August 2018 auf der Neckarwiese, um dort gemeinsam zu trinken. Zusammen kaufen sie mehrere Flaschen hochprozentigen Alkohol. Wie die Angeklagten berichten, sei vor allem Dogan Ö. zu diesem Zeitpunkt „stark alkoholisiert, schlecht gelaunt und aggressiv. Da sie Hunger haben, laufen sie gemeinsam zum McDonald‘s in der Rohrbacher Straße. Abdullah I. und Bryan K. gehen zusammen mit anderen jungen Männern in das Fast-Food-Restaurant und bestellen etwa 20 Cheeseburger. 

„Ich war richtig wütend!“ – 8 junge Männer vor Heidelberger Landgericht

In der Zwischenzeit sollen Dogan Ö. und Max. H. draußen gewartet haben, um eine zu rauchen. Wie Ö. dann berichtet, haben sie dort zwei weitere junge Männer gesehen, die in die Fast-Food-Filiale gehen wollten. „Der eine hat dem anderen dann fast die Tür gegen den Kopf geschlagen. Max hat dann gesagt: ‚Pass auf!‘ Das haben die wohl in den falschen Hals bekommen!“ Daraufhin sollen sie erst beleidigend und dann gewalttätig geworden sein. „Ich hab einen Schlag auf den Hinterkopf bekommen und wurde dann in den Schwitzkatzen genommen!“, erinnert sich Ö.. Außerdem sollen sie nach seiner Kette verlangt haben. „Ich war richtig wütend!“

Mann krankenhausreif geprügelt - 18-Jähriger gesteht Tat

Wie Abdullah I. weiter erzählt, sei zu diesem Zeitpunkt jemand in das Fast-Food-Restaurant gegangen und habe gerufen: „Einer eurer Kollegen hat da draußen Stress!“ I. sei deshalb sofort auf die Straße gestürmt, um nach Dogan Ö. zu schauen, da er vermutet hätte, „dass der irgendwelche Probleme kriegt“. Laut Ö. seien die anderen beiden Männer dann geflüchtet und er und Max H. aus Wut hinterher.„Aus einer Entfernung habe ich gesehen, wie Max dem einen ein Bein gestellt hat. Der andere ist dann weggerannt“, berichtet Abdullah I., der einen Streit verhindern wollte und die Streithähne zum Aufhören aufgefordert haben will. Noch bevor er bei ihnen war, soll Dogan Ö. zwei- bis dreimal auf das Opfer eingetreten haben. Bei ihm angekommen, hätte er Ö. dann von ihm weggezogen, ehe sie zu dritt die Flucht ergriffen hätten. 

Auch die anderen Angeklagten können dieses Geschehen bestätigen und sagen aus, dass Max H. dem Opfer das Bein gestellt und Dogan Ö. getreten hat. Dogan Ö. selbst gesteht seine Tat.„Ich möchte sagen, dass ich die Tat begangen habe, und dass ich mich aufrichtig entschuldige“, sagt er zu Beginn seiner Aussage. „Es war ein dummer Fehler!“, gibt er im Laufe des Prozesses zu. 

„Ich habe die Knochen knacken hören!“ - Grausige Details im Poststraßen-Prozess

Wie Hassan A., ein weiterer Angeklagter, berichtet, ist er erst später dazu gekommen. Noch vor dem Prozess hat er im Verhör mit der Polizei erschreckende Details zu der Tat genannt. „Dogan hat Schwung geholt und auf das Opfer eingetreten. Dabei ist er auf den Rücken gedreht worden. Bei zwei weiteren Tritten hat er auf sein Gesicht eingestampft. Ich habe die Knochen knacken hören - ich dachte, der ist tot!“ Am Prozesstag selbst kann sich Hassan A. allerdings nicht mehr so ausführlich an die Tat erinnern. 

In den nächsten Tagen soll genauer geklärt werden, wer welche Rolle bei dem Geschehen eingenommen hat. Im Fokus stehen vor allem Max H., der dem Opfer das Bein gestellt haben soll, der vermeintliche Täter Dogan Ö. und Abdullah I., der ihn von dem am Boden liegenden Mann weggezerrt haben soll. Die anderen Angeklagten sind wohl aus dem McDonald‘s bzw. aus der Sparkasse gekommen und haben nichts unternommen, um dem Opfer zu helfen. Die Richterin wirft ihnen unterlassene Hilfeleistung vor und will wissen, warum niemand von ihnen einen Krankenwagen oder die Polizei gerufen hat. „Ich hatte einfach Panik!“, erinnert sich einer der Angeklagten. 

Am Dienstag (28. Mai) wird das Geschehen erneut konstruiert. Außerdem wird sich das 36-jährige Opfer, das außerdem als Nebenkläger auftritt, zur Tat äußern. 

In Wiesloch ereignet sich am 10. Juli ein brutaler Vorfall: Ein 55-jähriger Mann wird von zwei jungen Männern geschlagen und getreten. Schauten die Passanten bei dieser Attacke einfach nur zu?

pm/jol/cet

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