Heidelberger Thingstätte 

Nach Walpurgisnacht-Vorfällen: Stadt zieht Konsequenzen 

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Insgesamt breiteten sich die Flammen im Unterholz über eine Fläche von rund 3.500 Quadratmetern aus.

Heidelberg – Am Rand der unangemeldeten Walpurgisnacht-Feier auf der Thingstätte verletzt sich ein Mann und es wurde ein Waldbrand ausgelöst. So reagiert nun die Stadt: 

Rund 10.000 Menschen feierten in der Nacht zum 1. Mai 2017 auf der Thingstätte im Heidelberger Stadtwald. Am Rande der Feier verletzte sich ein Mann schwer, zudem wurde ein Waldbrand ausgelöst, der sich auf einer Fläche von 3.500 Quadratmetern in einem Waldbiotop ausbreitete. Die Feier war wie auch in den Vorjahren durch keinen Organisator angemeldet.

Die Stadt Heidelberg kündigt nun an, das Sicherheitskonzept der Versammlung in einer Arbeitsgruppe in den kommenden Wochen auf den Prüfstand zu stellen

und gegebenenfalls über notwendige Konsequenzen zu beraten. 

„Wir sind nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen“, resümiert Heidelbergs Ordnungs-Bürgermeister Wolfgang Erichson nach einer ersten Bestandsaufnahme. „Ohne das schnelle Eingreifen der Feuerwehr hätte sich das Feuer weiter ausgebreitet.“

Auf der Thingstätte selbst hatten die Helfer von THW, DRK, Feuerwehr und Polizei angesichts der Menge von 10.000 Menschen vergleichsweise wenige Vorfälle. „Doch wir dürfen das nicht auf sich beruhen lassen, sondern müssen prüfen, ob und gegebenenfalls welche Konsequenzen wir aus diesen Ereignissen ziehen müssen“, so Erichson.

Was genau passiert ist 

Ein Besucher der Feier stürzte auf dem Heimweg durch den Wald einen steilen Abhang hinunter und blieb bewusstlos liegen. Zahlreiche Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes und der Polizei waren im Einsatz, um den Mann in dem dunklen und unwegsamen Gelände zu finden und zu bergen. Er wurde schwerverletzt in ein Krankenhaus gebracht.

Ermittlungen wegen des Verdachts auf fahrlässige Brandstiftung

Das unwegsame Gelände erschwerte auch den Einsatz der Heidelberger Feuerwehr bei einem größeren Waldbrand am Hang zwischen Bismarcksäule und Oberem Philosophenweg. Aus einem ersten Brandherd heraus entwickelte sich eine zweite Brandfläche. 

Insgesamt breiteten sich die Flammen im Unterholz über eine Fläche von rund 3.500 Quadratmetern aus. Falsch parkende Fahrzeuge und Passanten behinderten die Arbeit der Feuerwehr. Der Wind fachte immer wieder Glutnester an. An der schwierigen Löschaktion beteiligten sich die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren aus fünf Heidelberger Stadtteilen. 

50 Männern und Frauen gelang es schließlich, das Feuer einzudämmen und zu löschen. Sie benötigten zwölf Fahrzeuge – davon allein zwei Löschzüge, um im Pendelverkehr Löschwasser an den Brandort zu bringen. Gleichzeitig mussten die Einsatzkräfte durch großräumige Polizeiabsperrungen vor Gaffern geschützt werden. Die Brandbekämpfung dauerte mehrere Stunden.

Das Polizeipräsidium Mannheim hat Ermittlungen eingeleitet. Ein Forstexperte prüft die Schäden im Wald. Das Feuer ist in einem Waldbiotop ausgebrochen, einem geschützten Waldstück, das nicht bewirtschaftet wird.

Zur Sicherung der alljährlichen Walpurgisnacht-Treffen auf der Thingstätte und am Neckarvorland sind die Stadt Heidelberg mit Vertreterinnen und Vertretern mehrerer Ämter sowie des Kommunalen Ordnungsdienstes und des Gemeindevollzugsdienstes, das Polizeipräsidium Mannheim (Polizeireviere Heidelberg-Nord, Heidelberg-Mitte und Wasserschutzpolizei), das Deutsche Rotes Kreuz, das Technische Hilfswerk sowie die DLRG mit einem Notärzteteam aktiv.

Zu den umfassenden Vorsorgemaßnahmen zählen unter anderem die Einrichtung eines beleuchteten Fluchtwegs, die Sicherung von Böschungen und die Sperrungen der Waldwege.

pm/kp

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