Jimmy Kneipp und Daniel Adler

So wollen Heidelbergs erste Nachtbürgermeister die Aufgabe angehen

Jimmy Kneipp (links im Bild) und Daniel Adler sind Heidelbergs erstes Nachtbürgermeister-Tandem.
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Jimmy Kneipp (l.) und Daniel Adler sind Heidelbergs erste Nachtbürgermeister.

Heidelberg - Gut ein Jahr wurde gesucht, ausgewählt und erneut gesucht ‒ jetzt hat auch Heidelberg (endlich) Nachtbürgermeister! Das haben Daniel Adler und Jimmy Kneipp vor:

Die große Nachbarstadt Mannheim hat schon lange einen ‒ nach gut einem Jahr der Suche und zwei Bewerbungsverfahren hat Heidelberg nun endlich auch seine Nachtbürgermeister gefunden: Das Duo Daniel Adler und Jimmy Kneipp wurde am Mittwochabend (10. Februar) im Gemeinderat gewählt. Adler/Kneipp setzten sich in geheimer Abstimmung mit 25:15 Stimmen gegen das Mitbewerber-Tandem Florian Schweikert und Hannes Diether durch.

Stadt Heidelberg
Einwohner160.355 (2019)
Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner
SehenswürdigkeitenSchloss, Alte Brücke, Philosophenweg, Altstadt

Die Stelle des Nachtbürgermeisters ist zunächst auf ein Jahr befristet und bei Heidelberg Marketing angesiedelt. Für die Stelle stellt die Stadt Heidelberg Finanzmittel in Höhe von 120.000 Euro bereit. Das Aufgabenfeld der „Night Mayor“ umfasst die Entwicklung eines Nachtkulturkonzepts und die Vermittlung im „Spannungsfeld Anwohnende, Gewerbetreibende, Nachtkulturschaffende und Feiernde“ vermitteln. Das Tandem soll ein offenes Ohr für Bürger haben, mit Feiernden in Kontakt kommen und zentrale Ansprechperson für alle Akteure sein.

Das sind Heidelbergs erste Nachtbürgermeister

Die nötige Grunderfahrung bringen Heidelbergs erste Nachtbürgermeister wohl mit: Jimmy Kneipp (32) ist selbst Gastronom und betreibt in Rohrbach das „Fandango“. Als Antrieb beschreibt Kneipp auch das Wohl der Allgemeinheit. Im März startete Kneipp das Nachbarschaftsprojekt „Fandango hilft“, bei dem für Risikopatienten gut 300 Mal Einkäufe erledigt wurden.

Daniel Adler (l.) und Jimmy Kneipp (r.) sind Heidelbergs erste Nachtbürgermeister.

Wir müssen ein Bewusstsein über die positiven Effekte der gegenseitigen Rücksichtnahme schaffen“, sagt Kneipp gegenüber HEIDELBERG24. „Es muss cool sein, sich an die Spielregeln zu halten, weil man so seiner Lieblingskneipe und seinem Lieblingswirt hilft.Daniel Adler (32) ist Unternehmensberater und hat die beiden Stadtmagazine „Quadratestadt“ und „AboutHD“ ins Leben gerufen. Im August 2019 startete Adler eine Online Petition gegen die strikten Sperrzeiten in der Altstadt.

Heidelberg: Das planen die Nachtbürgermeister

Als Nachtbürgermeister wollen Kneipp und Adler „Heidelberg als Standort attraktiver für Kreativschaffende, Clubbetreiber und Gastronomen machen.Heidelberg als Kulturstandort müsse vielfältiger und lebendiger werden, mit „mehr Livemusik und Programm für Alt und Jung“ sowie „wiederkehrenden kulturellen Events.“ Es gelte, das Clubsterben aufzuhalten, Clubbetreiber zu unterstützen und auch neue Locations zu finden, die gegebenenfalls „auch mal als Pop-up-Clubs oder -Bars“ genutzt werden können, so Kneipp. Dazu sei es wichtig, „bürokratische Hürden zu reduzieren“.

Aktuell sei die Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie die vordringlichste Aufgabe als Nachtbürgermeister, betont Kneipp, der als Gastronom um den Ernst der Lage vieler Kollegen weiß: „Wir müssen hier anpacken und unsere Clubbetreiber, Gastronomen und Kreativschaffende in welcher Form auch immer unterstützen, um schnellstmöglich zu helfen.“ Manch ein Wirt denkt sogar darüber nach, ganz aufzuhören, sollte es zu einem erneuten Lockdown kommen.

Wie Heidelbergs Nachtbürgermeister im Lärmstreit vorgehen wollen

Und wie wollen die neuen Nachtbürgermeister die Lärmproblematik im Sperrzeiten-Streit in der Altstadt angehen? Als „neutrale Vermittler“ wollen Adler und Kneipp „persönlich Gespräche mit allen Beteiligten aufnehmen“ ‒ mit Anwohnern, Wirten und dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD). Zunächst gelte es, zuzuhören und Vertrauen zu schaffen: „Nur durch die gegenseitige Rücksichtnahme und den ständigen Austausch können wir diese Herausforderung meistern.

Mit allen Anspruchsgruppen wollen die Nachtbürgermeister ein Aktionsbündnis ins Leben rufen, in dem gemeinsame Ziele und Richtlinien festgelegt werden. Daran könnten sich dann alle Beteiligten orientieren und messen lassen, schlagen Kneipp und Adler vor. Unterstützt werden soll das Vorhaben durch eine „Awareness-Kampagne mit emotionalen und witzigen Botschaften auf Plakaten und Schildern an Hotspots, in Kneipen und über Social Media“.

Eine „optimierte Mobilitätsanbindung“ könne zudem helfen, „Feiernde nach Zapfenstreich schnell aus der Altstadt herauszubekommen.“ Die erhöhte Präsenz sowie der deeskalierende und kommunikative Einsatz des KOD könne darüber hinaus helfen, so die Nachtbürgermeister. Zusätzlich oder ergänzend könne auch über die Unterstützung durch ein privates Ordnungsteam nachgedacht werden. (rmx)

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