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Heidelberg: „Krawall-Touristen“ im Südwesten – Polizeipräsident macht klare Ansage

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Von: Eliran Kendi

Heidelberg - Krawall-Touristen organisieren sich im Netz, um am Treffpunkt die Polizei zu provozieren und Gewalt auszuleben. Welche Lösungsansätze haben die Beamten?

„Krawall-Tourismus“ macht der Polizei im Südwesten schwer zu schaffen. In den vergangenen Wochen war es in Baden-Württemberg immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen jungen Menschen und der Polizei gekommen. Größere Gruppen hatten etwa am Stuttgarter Schlossplatz und auf der Heidelberger Neckarwiese randaliert. „Verabredung junger Menschen aus ganz Deutschland zur gemeinsamen Randale über soziale Medien ist ein eher neues Phänomen“, sagt Siegfried Kollmar, designierter Präsident des Polizeipräsidiums Mannheim der Deutschen Presse-Agentur. So seien an Pfingsten auf Krawall gebürstete junge Männer aus Südbaden und Rheinland-Pfalz auf die Heidelberger Neckarwiese gereist, um sich dort bewusst mit der Polizei anzulegen. Es habe sogar eine Anfrage aus Hamburg über soziale Medien gegeben, ob sich die lange Fahrt hinsichtlich der zu erwartenden Auseinandersetzungen lohne.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019, Eurostat)
Fläche108,8 km²
OberbürgemeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

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Heidelberg: Gewaltbereitschaft gegen Polizisten spitzt sich zu

Offenbar steht das „Bedürfnis nach zielgerichteter Eskalation“ im Zusammenhang mit den Corona-Beschränkungen, denn in dieser Form soll es das zuvor nicht gegeben haben, resümiert Kollmar.

Früher haben Beamte einzelne nächtliche Griller oder Gruppen mit Musikboxen zurechtweisen müssen, aber Flaschenwürfe gegen die Polizei und damit verbundene Körperverletzungen habe es dabei nicht gegeben, sagt der Polizeipräsident aus Mannheim. Bei dem Einsatz auf der Neckarwiese an Pfingsten sind sogar sieben Beamte verletzt worden – darunter eine Polizistin: Ihr Fuß wurde durch einen Flaschenwurf gebrochen.

Heidelberg: Corona-Frust und Gruppendynamik auf der Neckarwiese

Beschwerlich kommt noch hinzu, dass sich gewöhnliche Partygänger mit den Gewaltbereiten solidarisieren. Dadurch entstehe eine gewisse Gruppendynamik, die leicht außer Kontrolle gerate, urteilt Kollmar. Zugleich führe es bei Hunderten friedlich Feiernden zu Frust, wenn sie ebenso wie die vergleichsweise wenigen Unruhestifter die Lokalität verlassen müssten.

Als Vater einer erwachsenen Tochter habe er viel Verständnis für junge Menschen, die nach den Corona-Einschränkungen feiern wollten: „Junge Leute dürfen schon mal über die Stränge schlagen, da überhören wir auch so manche Beleidigung. Aber wenn Sachbeschädigungen und Körperverletzungen dazu kommen, müssen wir eingreifen“, sagt der 59-jährige Mannheimer.

In Heidelberg wird nach den Krawallnächten über mögliche Deeskalationsstrategien debattiert. Bei einer gemeinsamen Sitzung von Gastronomen, Polizei und Stadtverwaltung kommt auch Wolfgang Erichson, Kultur- und Ordnungsbürgermeister, zu Wort. Seiner Meinung komme man an die Krawall-Touristen in Heidelberg ohnehin nicht heran: „Machen wir uns nichts vor: Das sind zu 99 Prozent Deutsche mit Migrationshintergrund“, wird Erichson aus dem Teilnehmerkreis zitiert.

Heidelberg: Randale durch betrunkene Jugendliche – ist Alkoholverbot die Lösung?

Andere wiederum machen die Einsatzkräfte für die Eskalation in Heidelberg verantwortlich: „Die These, die Polizei verursache solche Randale, halte ich für völlig falsch.“ Die Beamten reagierten bei solchen Vorfällen erst, wenn Straftaten bereits begangen werden oder sie kurz bevorstehen, stellt der Polizeichef aus Mannheim klar: „Meinetwegen können die jungen Leute die ganze Nacht dort verbringen, solange sie den Anrainern nicht den Schlaf rauben.“

Erwartungsgemäß spielt Alkohol bei den Auseinandersetzungen zwischen jungen Leuten und Polizei eine große Rolle: Während die Neckarwiese in Heidelberg um 21 Uhr „noch problemlos“ geräumt werden kann, „ist das zwei Stunden später wegen zwischenzeitlich gestiegener Alkoholpegel weit schwieriger“, so Kollmar.

Ein zeitlich und örtlich begrenztes Alkoholkonsumverbot soll aber wenig bringen, weil die Feierwütigen sich zum Beispiel in nah geparkten Autos immer wieder Getränke genehmigten und dann betrunken, aber ohne Flasche auf die Wiese in Heidelberg zurückkehren. Daher plädiert der Polizeipräsident für allgemeine nächtliche Alkoholverkaufsverbote.

Baden-Württemberg: Haus des Jugendrechts in Heidelberg

Wichtig sei bei jugendlichen Straftätern, dass eine Sanktion unmittelbar nach der Tat erfolge. „Wir brauchen mehr Erziehung, weniger Strafe“, sagte Kollmar. Stundenweise soziale Arbeit und Täter-Opfer-Ausgleich seien da die richtigen Instrumente.

Zur Beschleunigung der Verfahren setzt sich Kollmar für ein Haus des Jugendrechts in Heidelberg ein, in dem Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendhilfe Tür an Tür arbeiten. Im kommenden Jahr könnte eine solche Institution in Heidelberg an den Start gehen. Bislang gibt es landesweit sieben davon. „Wenn der junge Mensch ein Jahr auf eine Entscheidung warten muss, ist ihm der Zusammenhang gar nicht mehr präsent, der Effekt etwaiger Strafen oder Auflagen verpufft.“ (dpa/esk)

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