Walpurgisnacht

Ab 2018: Auf der Thingstätte wird NICHT mehr in den Mai getanzt!

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Die Thingstätte soll in der Walpurgisnacht künftig leer bleiben.

Heidelberg-Neuenheim - War es das mit der Walpurgisnacht auf der Thingstätte? Wenn es nach der Stadt geht, wird ab kommendem Jahr am Heiligenberg nicht mehr in den Mai getanzt:

Aus für die Walpurgisnacht auf der Thingstätte!

Seit Jahrzehnten pilgern in der Nacht auf den 1. Mai Tausende von jungen Menschen an den Heiligenberg. Auf den Stufen der Thingstätte wird getrunken, gelacht, musiziert und mit Feuer jongliert.

Damit soll ab kommendem Jahr Schluss sein!

Darüber informierten Bürgermeister Wolfgang Erichson und Bernd Köster, Leiter des Bürgeramts, am Donnerstag (7. Dezember). Die Stadt ziehe damit die „Konsequenzen aus mehreren bedenklichen Vorfällen der jüngeren Vergangenheit“.

So musste vergangenes Jahr eine Person mit schweren Verletzungen in eine Klinik gebracht werden. Zudem kam es zu einem Waldbrand im Bereich des Oberen Philosophenweges.

Das traurige Bild nach dem Großbrand

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„Walpurgisnacht ist ein untragbares Sicherheitsrisiko“

Bis zu 15.000 Menschen feierten am Heiligenberg den „Tanz in den Mai“. Dabei gibt es „keinen offiziellen Veranstalter und kein grundlegendes Sicherheitskonzept“, wie die Verwaltung erklärt. Eine im Mai von der Stadt in Auftrag gegebene Gefährdungsbeurteilung zeichnet ein klares Bild für das Event: Von 23 Kategorien wird die Walpurgisnacht in 17 Fällen mit der höchsten Risikostufe bewertet!  

Wir können die Gesundheit und die Sicherheit der Menschen nicht gewährleisten“, begründet Erichson die Entscheidung. „Das Gelände ist unübersichtlich, nicht ausgeleuchtet, es gibt unzählige Sturzfallen und keinerlei Organisationsstruktur. Die jüngsten Ereignisse und erforderlichen Sicherheitsanforderungen sowie die nun vorliegende Gefährdungsbeurteilung zeigen ganz klar, dass das Risiko dieses Events sowohl für Besucher als auch für die Stadt nicht länger zu verantworten ist. Die Walpurgisnachtfeier ist ein untragbares Sicherheitsrisiko geworden und wir haben keinen Ermessensspielraum mehr: Die Untersagung ist zwingend“, so Bürgermeister Erichson. 

(v.l.n.r) Dr. Andrea Edel, Leiterin des Kulturamts Heidelberg, Bernd Köster, Leiter des Bürgeramts, Bürgermeister Wolfgang Erichson und Holger Schlechter, stellvertretender Amtsleiter

Wir müssen nur mal von einem ,Worst Case‘ ausgehen. Was würde passieren, wenn eine Massenpanik ausbricht?“, meint Bernd Köster. Gerade heutzutage sind die Menschen höchst sensibel. Eine Panik könnte schnell ausgelöst und damit Menschen verletzt werden.

In der Gefährdungsbeurteilung werden unter anderem der unorganisierte Ablauf, die unkontrollierten Feuerstellen (Waldbrandgefahr), die Vielzahl der Sturzstellen und Stolperfallen auf dem Gelände, der mangelhafte Handyempfang, fehlende Beleuchtung und fehlende Flucht- und Rettungswege beanstandet.

Die Gefährdungsbeurteilung (22 Sachverhalte, der 23. Punkt wird nicht aufgelistet, da er nicht bewertet wird (Zeltbauten))

Laut Bürgermeister Erichson habe sich zudem das Verhalten der Feiernden über die Jahre verändert. So nutzen sie heute im Vergleich zur Anfangszeit in den frühen 90ern Pyrotechniken und Lampions. Auch der  Alkoholkonsum habe zugenommen.

Mobiler Zaun soll Gelände schützen

Ein mobiler Zaun soll am 30. April rund um das Thingstätten-Gelände aufgebaut und von einem Sicherheitsdienst bewacht werden. Zudem sollen konkrete Gefahrenquellen ausgeleuchtet werden. Eine verstärkte Polizeipräsenz soll gewährleisten, dass auf der Thingstätte nichts aus ‚Tanz in den Mai‘ wird. Außerdem soll ein Waldbetretungsverbot geltend gemacht werden, ein genaues Konzept dafür wird im Laufe der kommenden Wochen erstellt. Die kompletten Kosten der Sicherheitsmaßnahmen werden sich laut Erichson auf über 20.000 Euro belaufen.

Also Achtung! Wer meint, dennoch auf der Thingstätte zu feiern, begeht damit eine Straftat.

Gibt es keine andere Lösung?

Würde man die inoffizielle Veranstaltung weiterhin dulden, müsste die Stadt jährlich über 155.000 Euro in die Hand nehmen, um die Thingstätte abzusichern, erläutert Erichson. Dabei sind die Regelungen und Kontrollen im Wald noch nicht berücksichtigt. 

Außerdem hat sich die Stadt all die Jahre bereits in einer Grauzone befunden, da sie für alles haftet, das während der  Walpurgisnacht auf der Thingstätte passiert. Da das Gutachten die Gefahren schwarz auf weiß bestätigt, müsse die Stadt Konsequenzen ziehen. „Ich hafte mit meiner Pension und ich habe kein Bock, die aufzugeben“, so Erichson, als er erklärt, dass er auch für alles persönlich hafte, was in der Mai-Nacht passiere.

Eine andere Option wäre, einen Veranstalter zu finden. Doch keiner erkläre sich bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Zudem müsse dieser an der ganzen Sache auch Geld verdienen und „zum Beispiel Tickets in Höhe von über 50 Euro verlangen“, erklärt der Bürgermeister.

Wohin sollen die Menschen in der Walpurgisnacht aber dann? In die bereits volle Altstadt? Oder auf die Neckarwiese, auf der es in den Sommermonaten bislang ohnehin schon lauter zugeht? Auf diese Fragen reagiert Erichson relativ gelassen: „Dann ist es halt so.“ Dort könne man immerhin besser für Sicherheit sorgen.

jol/rmx

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